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Versuchter Mord? Krimi um Leipziger Star-Geiger in New York

Nächste Anhörung am Donnerstag Versuchter Mord? Krimi um Leipziger Star-Geiger in New York

Seit zehn Monaten sitzt der Leipziger Star-Geiger Stefan Arzberger in New York fest. Er soll eine Frau gewürgt haben, kann sich aber angeblich an nichts erinnern. Die USA darf er nicht verlassen, der Prozess kommt langsam voran - und die Kosten steigen und steigen.

Stefan Arzberger am 18.12.2015 auf dem Times Square in New York (USA). Seit zehn Monaten sitzt der Leipziger Star-Geiger Stefan Arzberger in New York fest.

Quelle: Anja Reich/Berliner Zeitung/dpa

Leipzig/New York. Stefan Arzberger ist größere Bühnen gewöhnt. Mit dem renommierten Leipziger Streichquartett hatte der Geiger jahrelang unzählige umjubelte Auftritte in Konzertsälen auf der ganzen Welt. An einem Sonntag in New York aber lauschen nun gerade einmal ein paar Dutzend Menschen, die zum Gottesdienst der deutschen evangelischen Gemeinde in die kleine Kirche St. Paul im Stadtteil Chelsea gekommen sind, den Klängen seines Instruments. Applaus gibt es keinen, es ist eben ein Gottesdienst. 

Arzberger aber ist derzeit einfach nur froh, wenn er mit seiner Violine überhaupt wieder vor Menschen auftreten kann. Denn seit dem 27. März 2015 ist in seinem Leben nichts mehr so, wie es einmal war. An diesem Tag war der 43-Jährige mit seinem Streichquartett gerade in New York auf Tournee. Abends genehmigte er sich in seinem Hotel in der Nähe des Columbus Circle ein paar Drinks - und am nächsten Morgen nahm ihn die Polizei fest. Die Vorwürfe: versuchter Mord, Raub, Strangulierung und Körperverletzung. Am Donnerstag (14. Januar) steht die nächste Gerichtsanhörung in dem Fall an.    „Ich verbringe meine ganze Zeit jetzt damit, zu erforschen, was in dieser Nacht passiert ist - denn ich habe keine Erinnerung“, sagte Arzberger der „New York Times“. „So etwas ist mir noch nie in meinem Leben passiert. Überhaupt keine Erinnerung.“ 

Die 64 Jahre alte Pamela Robinson aus dem US-Bundesstaat North Carolina behauptet dagegen, sich sehr gut an diese denkwürdige Nacht im März erinnern zu können. Arzberger sei in den frühen Morgenstunden splitternackt in ihrem Zimmer aufgetaucht, habe sie gewürgt und brutal gegen Wände und Schränke geschleudert. Hotelangestellte hätten sie dann gerettet. 

An all das also könne er sich nicht erinnern, sagt Arzberger. Seine Verteidigung: Eine Prostituierte, die er wenige Stunden zuvor auf sein Zimmer mitgenommen hatte und die sich später als Mann entpuppte, habe ihm heimlich Drogen eingeflößt. Ob er damit durchkommt, ist fraglich. Von der Anhörung am Donnerstag werden zunächst weiter keine konkreten Ergebnisse erwartet. Auch ein Termin für einen Prozessauftakt steht noch nicht fest. Das sei normal, so etwas dauere eben, sagt Arzbergers Anwalt Nicholas Kaizer der Deutschen Presse-Agentur. Für Arzberger aber dauert das alles schon viel zu lange. Er ist gegen Zahlung von 100.000 Dollar (etwa 92.000 Euro) Kaution auf freiem Fuß. Aber weil ihm von den Justizbehörden der Pass entzogen wurde, kann er das Land nicht verlassen. In New York kennt er nicht viele Menschen, Familie und Freunde leben in Deutschland. „Man ist einsam und wird immer einsamer.“ Im Dezember ist der Geiger sogar aus dem Leipziger Streichquartett ausgetreten, weil er seinen Kollegen Planungssicherheit ermöglichen wollte. 

Jetzt steht Arzberger ohne Job da - und gleichzeitig steigen seine Ausgaben immer weiter. In Deutschland sammelt der private Unterstützerkreis „Support for Stefan Arzberger“ Geld für ihn. Die Spenden werden vor allem für die durch das Gerichtsverfahren entstehenden Kosten verwendet. „Es geht uns um die Unterstützung eines rechtsstaatlichen Verfahrens“, sagt Silke Zimmermann, Musikmanagerin und Mitglied des Unterstützerkreises, der Deutschen Presse-Agentur. 

Außerdem wolle man für die Gefahren, die von K.O.-Tropfen ausgehen, sensibilisieren, sagt Zimmermann. K.O.-Tropfen können, je nach Dosierung, zunächst enthemmend wirken und führen zu Erinnerungsstörungen. „Jeder von uns kann ja da reingeraten.“ Der Unterstützerkreis war direkt nach Arzbergers Festnahme im März 2015 gegründet worden und hat mittlerweile laut Zimmermann mehrere 10.000 Euro gesammelt. Der Vater des Geigers verwaltet das Spendenkonto. Doch Arzberger hat auch prominente Unterstützung. So hat sich die Schriftstellerin Irene Dische für ihn ausgesprochen, und sogar der Dirigent Kurt Masur schrieb kurz vor seinem Tod im Dezember noch einen offenen Brief: „Ich hoffe, dass Stefan Arzberger so schnell wie möglich freigelassen wird und seine Aufgaben als leitender Musiker und Mitglied seines Streichquartetts wieder erfüllen kann.“

Von Christina Horsten, dpa

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