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Verstimmung unter Sachsens Linken nach Bundestagswahl

Verstimmung unter Sachsens Linken nach Bundestagswahl

Wenige Wochen nach der Bundestagswahl rumort es bei den sächsischen Linken. Grund sind zum einen die Folgen des bundesweiten Urnengangs für manchen Parteigänger im Freistaat, zum anderen geht es um das Abschneiden des Finanzexperten Sebastian Scheel.

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Rico Gebhardt

Quelle: Arno Burgi, dpa

Vor allem im seit jeher traditionalistisch geprägten Kreisverband Leipzig ist das Kopfschütteln groß. Das hat auch Auswirkungen auf Landeschef Rico Gebhardt und seine Linie des internen Ausgleichs.

Ausgangspunkt für den Unmut der Leipziger Linken ist die Tatsache, dass der Kreisverband nicht einen einzigen Abgeordneten ins neue Bundesparlament schicken kann. Das war in der vergangenen Legislatur anders, da saß mit Barbara Höll immerhin noch eine Vertreterin in Berlin. Das entsprach durchaus dem inneren Kräftegefüge. Mit rund 1300 Mitgliedern ist der Kreisverband nicht nur der größte in Sachsen, sondern im gesamten Bundesgebiet. Nachdem die Leipzigerin Höll aber auf einem Landesparteitag im Frühjahr von ihren eigenen Genossen auf den wenig aussichtsreichen Platz 9 durchgereicht worden war, muss sie jetzt den Bundestag verlassen.

Das sorgt bei den Leipziger Genossen für Verstimmung. "Das ist sehr schmerzlich", sagt Stadtchef Volker Külow, "da bricht uns ein Stück Infrastruktur weg". Für zusätzlichen Ärger sorgt die Tatsache, dass die Linken in Leipzig bei der Bundestagswahl besser abgeschnitten haben als die Partei insgesamt. Genauer: Sie haben weniger verloren als die Linken sachsenweit.

Gleichzeitig bringen sich die verschiedenen Gruppen innerhalb der Linken bereits für die Landtagswahl 2014 in Stellung. So ist geplant, dass Landeschef Gebhardt Mitte November auf einem Parteitag in Leipzig zum Spitzenkandidaten gekürt wird. Damit aber dürfte ein anderer vorerst nicht zum Zug kommen: Scheel, der gerade bei linken Traditionalisten wenig beliebte haushaltspolitische Sprecher in der Dresdner Landtagsfraktion, dürfte diesmal keine Rolle spielen - noch nicht.

In Sachsen gilt der stets schick gekleidete Scheel als typische Reformkraft und "Salon-Sozialist". Vor allem aber hat er immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, zur Landtagswahl als Spitzenkandidat ins Rennen zu gehen. Unvergessen ist noch sein Statement vom Frühjahr 2012: "Wenn die Partei mich will, kann ich mir eine Kandidatur gut vorstellen." Das hat für einige Verwunderung nicht nur bei traditionalistisch gepolten Genossen geführt. Und auch heute noch wird kolportiert, Scheels Ambitionen seien "keineswegs vom Tisch".

Bei der Bundestagswahl allerdings hat Scheel einen kleinen Dämpfer erhalten. Das jedenfalls sehen seine internen Gegner so. Grund: In seinem Wahlkreis in Meißen habe er ein mageres Erststimmen-Ergebnis eingefahren - was ein Indiz dafür sei, dass der Kandidat nicht gezogen habe. In der Tat holte Scheel in Meißen nur 17,7 Prozent direkt, während im selben Wahlkreis 18,7 Prozent auf die Linke entfielen. Ein ähnliches Ergebnis gab es sonst nur im Vogtland sowie in Mittelsachsen. Mit der Erststimme votieren die Wähler für einen einzelnen Kandidaten, mit der Zweitstimme für die Partei.

Scheel selbst betont, er habe einen "ordentlichen Zweitstimmenwahlkampf" geführt, und das sei allemal sinnvoll. Außerdem sei Meißen kein einfacher Wahlkreis für die Linke, schließlich trat dort mit Thomas de Maizière (CDU) ein überregional bekannter Bundesminister an.

Jürgen Kochinke

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