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Vereine aus Mitteldeutschland unterstützen den Wiederaufbau in Nepal

Hilfe im Himalaya Vereine aus Mitteldeutschland unterstützen den Wiederaufbau in Nepal

Vor gut einem Jahr erschütterten schwere Erdbeben den kleinen Himalaya-Staat Nepal. Fast 9000 Menschen kamen ums Leben, viel Infrastruktur vor allem in den Bergregionen wurde zerstört.

Vor gut einem Jahr erschütterten schwere Erdbeben den kleinen Himalaya-Staat Nepal.

Quelle: Martin Pelzl

Leipzig. Vor gut einem Jahr erschütterten schwere Erdbeben den kleinen Himalaya-Staat Nepal. Fast 9000 Menschen kamen ums Leben, viel Infrastruktur vor allem in den Bergregionen wurde zerstört. Spenden aus aller Welt trafen seitdem ein – viel Unterstützung gab es auch aus dem mitteldeutschen Raum. Wie sieht die Bilanz ausgewählter Vereine und Initiativen nach einem Jahr aus? Die LVZ sah und hörte sich um.

Allgemein hinterlässt Nepal im Frühjahr 2016 einen überraschend positiven Eindruck. Vor allem im privaten Sektor ist einiges passiert – mit und ohne internationale Unterstützung. In Kathmandus Touristenzentrum tummeln sich zahlreiche Gäste aus aller Welt. Hier wie in entlegenen Bergregionen werden Häuser repariert oder neu gebaut. Wo es offensichtlich massiv hakt, ist der öffentliche Bereich. Millionen, wenn nicht gar Milliarden an Spendengeldern stehen zur Verfügung, eine gezielte und sinnvolle wie zeitnahe Verwendung scheint die Regierung nicht in den Griff zu bekommen. Dafür tut sich viel Positives dank der Hilfe von Vereinen aus dem Ausland, so auch zahlreicher aus Mitteldeutschland. Eine (längst nicht vollständige) Momentaufnahme.

In erster Linie der Soforthilfe hatte sich die Sächsische Himalaya-Gesellschaft verschrieben. „Die Resonanz auf unsere Spendenaktion war unglaublich“, berichtet Frank Meutzner (51). Über 40 000 Euro seien zusammengekommen. „Mein Eindruck ist, dass die Menschen mehr Vertrauen in kleine Vereine mit direkten Ansprechpartnern vor Ort – wie in unserem Fall Mingmar Sherpa – als in größere Organisationen haben“, so der Dresdner. Noch immer träfen Spenden ein. Der Großteil wurde in die Soforthilfe (warme Decken, Zuschüsse pro beschädigtem oder zerstörtem Haus) gesteckt. „Die restlichen Spendengelder und alle kommenden werden für den Aufbau der Grundschule in Lumsa verwendet“, berichtet Meutzner.

www.himalaya-saxonia.de

Ebenso unterstützt der hallesche Lumsa-Verein besagte Grundschule in der abgelegenen Everest-Region fernab aller Touristenpfade. „Mehr als 20 000 Euro sind eingegangen“, sagt Vereinsvize Andreas Ebert (52). Die Fläche der zusammengestürzten Schule sei bereits beräumt, jetzt warte man sehnsüchtig auf die Baugenehmigung durch die Regierung. „Wenn alles gut läuft, steht das dann erdbebensichere Gebäude im Herbst“, so Ebert. Eine Kofinanzierung gebe es aus Belgien, wodurch die Summe fast verdoppelt wird.

www.lumsa.de

Juana Meltem Beck (24) und Luisa Schönfelder (25) studieren im 6. Semester Soziale Arbeit/Medien/Kultur an der Fachhochschule Merseburg. „Im Vorjahr waren wir nach dem Erdbeben fünf Monate in Kathmandu, haben uns dort um Straßenkinder gekümmert“, erzählen die beiden. Deren Anzahl sei nach den Beben rasant gestiegen. Aus dieser direkten Soforthilfe sei mit Unterstützung des einheimischen Jogesh Gurung (27) ein Verein entstanden – „A Cup of Love“ (Eine Tasse Liebe). Rührend kümmern sich die beiden um die Ärmsten der Armen, versorgen sie mit Tee und Essen, organisieren Arztbesuche, Jobs und Projekttage. Demnächst soll ein Kontaktbüro eröffnet werden. „Es ist schon unglaublich, was es ausmacht, die Kleinen und auch Größeren einfach mal in den Arm zu nehmen, ihnen etwas Zuwendung und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen“, so Beck und Schönfelder.

www.acupoflove.live

Ganz der medizinischen Hilfe hat sich der im Jahr 2000 gegründete Verein Nepalmed aus Grimma verschrieben. „Bereits im Mai des Vorjahres konnten wir dringend gebrauchte Verbrauchsmaterialien für vier unserer Partnerkrankenhäuser in Höhe von 100 000 Euro sowie Planen, Matratzen, Decken und Wasserfilter für die zerstörten Dörfer um Amppipal übergeben“, so Vereinschef Arne Drews, der am Sonntag seinen 46. Geburtstag feierte. Aktuell finanziere man jetzt unter anderem den Wiederaufbau von zwei Sanitätsposten – einen im Distrikt Gorkha, den anderen in Sindhupalchok.

www.nepalmed.de

Mit vielerlei Aktionen hat allein die Leipziger Gruppe des Govinda-Vereins nach den Beben rund 15 000 Euro gesammelt. „Seit 18 Jahren kümmert sich der in Deutschland, der Schweiz und in Nepal ansässige Verein um mehr als 8000 Bedürftige, betreibt unter anderem ein Waisenhaus, ein Ausbildungszentrum und Schulen“, sagt der Leipziger Alexander Niklas (44). Neben der akuten Notfallhilfe – allein im April/Mai des Vorjahres über 50 Tonnen – „stand und stehen die nachhaltige Rekonstruktion von Infrastruktur und Gebäuden ebenso im Zentrum der Arbeit wie Traumaarbeit und psycho-soziale Hilfe“, so Niklas. Im Internet gebe es einen aktuellen Film zum Thema.

www.waisenkind.de;

Gleich eine sechsstellige Summe hat der Dresdner Spezialreiseveranstalter Diamir Erlebnisreisen nach der Naturkatastrophe zusammengebracht – „was uns sehr freut und zugleich stolz macht“, wie Geschäftsführer Markus Walter (43) sagt. „Wir haben vor allem den Alpinclub Sachsen sowie den Verein Lischa Himalaya unterstützt.“ Ersterer hatte kurz nach den Beben im völlig zerstörten Ort Gunsakot im Langtang-Gebiet medizinische Ersthilfe geleistet. Zweiterer hat sich den Wiederaufbau von 15 zerstörten Schulen auf die Fahnen geschrieben. „Der Großteil des nicht für Soforthilfe ausgegebenen Geldes wird nun in diesen – erdbebensicheren – Schulneubau gesteckt“, so Walter.

www.alpinclub.com; www.lischa-himalaya.org

Bemerkenswert auch die Idee von Beatrix (52) und Peter Reichert (55): Das Ehepaar überlebte die Erdbebenkatastrophe im schwerst betroffenen Langtang-Tal nur knapp, wo Hunderte Einheimische und Touristen unter einer Mure begraben wurden. Nach ihrer Rückkehr entschlossen sie sich, in der halleschen Richard-Wagner-Straße das nepalesische Restaurant Mamaghar („Onkels Haus“, in dem man gemeinsam speist) zu eröffnen. In der Küche stehen drei Nepalesen, die in Leipzig und Halle studieren. Der komplette Gewinn kommt Projekten im Himalaya zugute.

www.mamaghar.de

Einen völlig privaten Weg verfolgt der Hallenser Frank Fahrig (47). Zusammen mit Familie und Freundeskreis unterstützt er den elfjährigen Halbwaisen Sirjan Bhatta. „Wir bezahlen Schulgeld und alle notwendigen Materialen sowie das Internat“, so Fahrig. Dies sei zwar eine nur kleine, dafür aber sehr direkte Unterstütztung. Sirjan („Mathematik ist mein Lieblingsfach.“) werde ab Frühsommer aufgrund seiner Leistungen auf eine Schule in Kathmandu wechseln. Das mache ihn „schon ein bisschen stolz“, so der Kindergärtner. In Fulkharka im Ganesh Himal (Himalaya-Gebirgskette) an der Grenze zu China konnte zudem der Bau von drei Klassenzimmern einer komplett eingestürzten Schule mit finanziert werden.

Was allein die aufgeführten Initiativen in Nepal leisten, ist bemerkenswert. Tausende Nepalesen profitieren von deren Engagement. Andererseits ist auch diese Hilfe angesichts der Probleme nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Drei Fragen an . . . Bidhya Devi Bhandari

Sie ist seit Oktober 2015 Staatspräsidentin in Nepal. Die 54-Jährige wurde von der größten mehrerer kommunistischer Parteien (CPN-UML) nominiert.

Wie schätzen Sie das Engagement ausländischer Vereine und Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) nach der Naturkatastrophe im Vorjahr ein?

Wir wissen, dass viele Organisationen hier in Nepal helfen. Eine Beurteilung des Umfangs ist jedoch nur schwer möglich. In Sachen Wiederaufbau sind sie meist deutlich schneller als die nepalesische Regierung.

Warum dauert es so lange, bis Vereine oder NGOs eine Baugenehmigung für ihre Projekte erhalten?

Ohne Baugenehmigung können wir nur schwer nachvollziehen, wo schon geholfen wird. Zudem soll sichergestellt werden, dass die eingehenden Spenden möglichst zeitnah ausgegeben werden. Das benötigt einfach Zeit.

Millionen an nach der Erdbebenkatastrophe gespendete Dollar sollen noch auf ihre Verwendung warten …

Ja, es ist wahr, dass die internationale Hilfe noch nicht so schnell verteilt wurde wie angekündigt. Aber wir sind dabei, dies zügig zu ändern.

Interview: Martin Pelzl

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