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Unmut über konservative Ausrichtung der Sächsischen Landeskirche

Forum Unmut über konservative Ausrichtung der Sächsischen Landeskirche

Wenn gestritten wird, zumal öffentlich, ist es spannend, auf die Seitenhiebe zu achten. Da erklärt Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz aus Dresden, er habe sich „ein bisschen selber einladen müssen“. Und Pfarrer Christoph Maier aus der Leipziger Bethlehemgemeinde kontert, schon beim Katholikentag im Mai eine Einladung ausgesprochen zu haben.

Konferenz „Fünf vor 12“

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig/Dresden. Wenn gestritten wird, zumal öffentlich, ist es spannend, auf die Seitenhiebe zu achten. Da erklärt Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz aus Dresden, er habe sich „ein bisschen selber einladen müssen“. Und Pfarrer Christoph Maier aus der Leipziger Bethlehemgemeinde kontert, schon beim Katholikentag im Mai eine Einladung ausgesprochen zu haben. Pilz sagt, er wolle „schlichte“ Trennlinien à la Leipzig und Erzgebirge vermeiden und meint wohl eher Leipzig und Dresden. Maier sagt, es mache ihn wütend, wenn der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing behauptet, eine Mehrheit der Kirchenbasis stehe hinter seiner Position zur Homosexualität. „Die repräsentative Mehrheit unserer Landeskirche hat doch für die Akzeptanz und Integration gleichgeschlechtlicher Lebensentwürfe in die Kirche gestimmt.“

Unter solch stürmischen Vorzeichen treffen sich am Sonnabend 250 evangelische Gemeindemitglieder in der Leipziger Peterskirche, um gegen autoritäre Strömungen in der Kirche zu protestieren. Gemeint ist vor allem die sogenannte Bekenntnisinitiative, der Pfarrer Maier verantwortungsloses Handeln vorwirft. Sie lege Bibelstellen „unterkomplex und autoritär“ aus, die stattdessen im Kontext der Zeit verstanden werden müssten. Landesbischof Rentzing, der dieser Gruppe nahestehen soll, wirft er vor, zu Fragen der Homosexualität und der Ordination weiblicher Pfarrerinnen keine klaren Positionen im Sinne der Mehrheit der Gläubigen zu finden.

Keine Frage: Es ist ein handfester Streit ausgebrochen zwischen dem vor genau einem Jahr gewählten Landesbischof und vielen Gemeindemitgliedern. Er wird zurzeit vor allem in Leipzig ausgetragen, wo sich die Initiative Offenes Forum „Gemeinschaft und Theologie“ mit der Internetplattform www.frei-und-fromm.de gründete (DNN berichteten). Die Internet-Plattform wird oft besucht, zahlreich sind auch die Interessierten aus ganz Sachsen, die nun bei herrlichem Sommerwetter einen ganzen Tag damit verbringen, Erfahrungen auszutauschen. In acht Workshops erarbeiten sie gemeinsame liberale Positionen – unter anderem zu den Themen „Nicht (mehr) meine Kirche – Heimat für einen Glauben im Wandel finden“ oder „Anders vom Glauben reden“. „Schon dass diese Veranstaltung überhaupt stattfindet, ist ein Wunder“, sagt Gastgeberin Pfarrerin Christiane Dohrn. Es gebe eben zunehmend viele Gemeindemitglieder, die sich fragen: „Glaube ich noch richtig?“.

Von der Synode, der gewählten Repräsentation der evangelischen Kirchenmitglieder in Sachsen, erwarten sich die Teilnehmer nun klare Signale. Sie soll in absehbarer Zeit ein Formular zur Trauung gleichgeschlechtlicher Liebender beschließen und diesen Akt damit formalisieren. Die Frauenordination müsse mit unmissverständlichen Aussagen befürwortet und gestärkt werden. „Ich wünsche mir den Mut zur Position, ohne schon den Kompromiss zu suchen“, macht Sprecher Maier die Linie des Forums deutlich.

Die Polarisierung der Gesellschaft ist auch in der evangelischen Kirche angekommen. Radikale Bibelgruppen gefährdeten sächsische Jugendliche mehr als der Islam, zitiert Maier den Weltanschauungsbeauftragten der Landeskirche, Harald Lamprecht. Den extremen Weltbildern wolle die Initiative daher „Bildung, Bildung, Bildung“ entgegensetzen. „Wir setzen auf eine aufklärende, zeitgemäße Theologie“, umreißt Maier das Gegenprogramm für eine tolerante Kirche. Denn immer mehr Mitglieder wenden sich in dieser Atmosphäre unversöhnlicher Gegensätze einfach von der Kirche ab.

Von Stephanie von Aretin

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