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Trotz Meißen, Freital und Pegida: Laut Studie des Freistaates sind die meisten Sachsen weltoffen

Trotz Meißen, Freital und Pegida: Laut Studie des Freistaates sind die meisten Sachsen weltoffen

Sachsen hat in vielen Regionen Deutschlands derzeit nicht gerade den besten Ruf. Erst Pegida mit Dresden als Hochburg, dann die fremdenfeindlichen Aufwallungen in Freital und Meißen - immer wieder erscheint der Freistaat als eine Art Hort rechtsextremer Umtriebe.

Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid sieht die Lage in der Realität aber etwas anders aus. Die übergroße Mehrheit der Sachsen hat demnach keine Probleme mit der Aufnahme von Flüchtlingen - mit einer Einschränkung allerdings: Es sollte sich nicht um Wirtschaftsflüchtlinge handeln.

Im Detail liest sich das so: Neun von zehn Befragten befürworten die Aufnahme von Menschen, die auf der Flucht vor Kriegen oder Bürgerkriegen sind; rund drei Viertel halten es für richtig, wenn es sich um Menschen handelt, die aus politischen oder religiösen Gründen oder auch wegen Naturkatastrophen auf der Flucht sind. Dagegen allerdings steht ein anderer Wert: Wer in seinem Heimatland keine Arbeit findet und deshalb nach Deutschland kommt, stößt bei 60 Prozent aller Sachsen auf Ressentiments. Lediglich gut jeder Dritte ist an diesem Punkt noch dafür.

Das ist der eine Teil der repräsentativen Umfrage, die Emnid im Auftrag der Staatsregierung von Mitte Mai bis Mitte Juni durchgeführt hat. Befragt wurden dabei exakt 1027 Sachsen. Wer sich das Papier etwas genauer anschaut, stößt auch auf ein paar Werte, die ein anderes Bild liefern. Dabei geht es um die Ansichten zur Zuwanderung im Vergleich zum Bundesschnitt. Das Ergebnis: In Sachsen herrscht eine weitaus größere Skepsis Zuwanderern gegenüber als in anderen Ländern.

So gehen rund drei Viertel davon aus, dass diese den Sozialstaat belasten. Ebenso viele Sachsen befürchten, dass Zuwanderung zu Problemen in den Schulen führt oder es zu Konflikten zwischen Einheimischen und Einwanderern kommt. Bundesweit sind die Werte hier wesentlich geringer, liegen bei 61 bis 64 Prozent. Umgekehrt verhält es sich bei der Frage, ob Zuwanderung das Leben interessanter macht. Hier stimmen 55 Prozent der Sachsen zu, deutschlandweit aber 67 Prozent.

Der Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner, der die Umfrage gestern in Dresden vorstellte, sprach an diesem Punkt davon, dass die Sachsen "etwas aufgeregter" aufs Thema Zuwanderung reagierten. Ansonsten aber sparte er nicht mit Wohlfühlbegriffen - von "stabil" über "positiv" bis "hohe Zufriedenheit". All das, so das Ergebnis der Umfrage, bringe die Lage im Land auf den Punkt. Oder anders formuliert: "Die Sachsen sind für ein politisches Weiter-so, die Grundrichtung stimmt."

Staatskanzleichef Fritz Jaeckel (CDU) nahm den Ball gern auf - auf seine spezielle Art. "Sachsen ist weltoffen", meinte er kurz und knapp. Aber es gebe halt auch einen Teil der Bevölkerung, der sich - Stichwort Pegida - laut artikuliere. Das aber sei "nicht die überwiegende Mehrheit". Schöppner sprach bei der Zuwanderung gar von einem demoskopischen "Weltrekord". Im Vergleich zur Umfrage 2014 habe sich dieser Bereich blitzartig zur wichtigsten Problemlage entwickelt - ein Sprung "aus dem Nichts" von vier auf jetzt 20 Prozent. Selbst die Spitzenreiter von einst, Arbeitslosigkeit (aktuell 18 Prozent) oder Kriminalität (zehn Prozent), rangieren dahinter.

Geblieben ist dagegen der Stolz. 86 Prozent der Sachsen meinen, man könne stolz sein auf das, was im Freistaat erreicht wurde. 83 Prozent sind auch der Ansicht, die wirtschaftliche Lage sei besser als in den anderen neuen Bundesländern. Positiv sind ebenso die Aussagen zu den Zukunftsaussichten. Knapp drei Viertel blicken optimistisch in die Zukunft - sowohl in die eigene wie auch in die des Freistaats.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.07.2015

Jürgen Kochinke

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