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Tausende Sachsen wechseln die Kasse - AOK plus profitiert am meisten

Tausende Sachsen wechseln die Kasse - AOK plus profitiert am meisten

Die Reform der Krankenkassen-Beitragssätze lockt Tausende Versicherte in Mitteldeutschland in neue Versicherungen. Der Pflichtbeitrag wurde vom Gesetzgeber Anfang Januar um 0,9 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens gesenkt.

Zwar können die Kassen nun selbst Zusatzbeiträge festlegen - müssen aber wegen des Sonderkündigungsrechts je nach Zuschlag mit Kundenschwund rechnen.

Bei den großen Kassen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen die Extra-Beiträge zwischen 0,3 und 0,9 Prozent. Günstiger geworden ist es seit Januar für Mitglieder der IKK, TK und der AOK Plus. Letztere erhebt einen Zusatzbeitrag von 0,3 Prozent und ist damit eine der günstigsten Kassen bundesweit. "Bei uns lagen Ende Januar rund 15 000 Mitgliedschaftserklärungen von Menschen vor, die ihrer bisherigen Krankenkasse kündigen und wechseln wollen", sagt die sächsische Unternehmenssprecherin Hannelore Strobel und schlussfolgert: "Der neue Beitragssatz und das Leistungsangebot der AOK Plus sind offenbar sehr attraktiv." Bedenken wegen baldiger Beitragssprünge hatte AOK-Finanzvorstand Stefan Knupfer kürzlich in Dresden durch seine Ankündigung zerstreut, dass der Beitragssatz von 14,9 Prozent für drei Jahre kalkuliert sei.

Die TK Sachsen hatte im Vorjahr einen Zuwachs von rund 10 500 Versicherten. Wie sich die Mitgliederzahl seit der Beitragssatzerhöhung auf 15,4 Prozent im Januar verändert habe, könne noch nicht ermittelt werden. "Eine Gesamtbetrachtung der Versichertenbewegung aufgrund des Zusatzbeitrages kann erst im April benannt werden, da der Kündigungszeitraum von drei Monaten betrachtet werden muss", erklärt Unternehmenssprecherin Annett Böttcher. Sie geht davon aus, dass sich der finanzielle Druck auf die Krankenkassen "sicherlich nicht verringern" werde.

Zur IKK gesund Plus in Sachsen-Anhalt sind seit Januar 2000 Versicherte gewechselt, wie Fachbereichsleiter Kay Boje in Magdeburg mitteilte. Der Zusatzbeitrag beträgt 0,6 Prozent, insgesamt liegt der Beitrag damit bei 15,2 Prozent. Keine großen Wechselbewegungen gibt es bei BKK, Barmer und KKH. Hier zahlen Versicherte seit Januar einen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent.

"Wir müssen davon ausgehen, dass die Zusatzbeitragssätze in der GKV in den nächsten Jahren kontinuierlich steigen werden", erklärte der Vorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen Christian Zahn und forderte Korrekturen bei der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben gehe seit 2014 wieder auseinander. Wenn nichts passiere, werde der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz von derzeit 0,9 auf rund 1,7 Prozent im Jahre 2018 ansteigen. "Da der Arbeitgeberbeitrag eingefroren ist, gehen diese Kostenschübe voll zulasten der Versicherten", kritisierte Zahn. Der Arbeitgeberbeitragssatz dürfe nicht auf 7,3 Prozent festgeschrieben bleiben, der von Versicherten und Arbeitgebern finanzierte allgemeine Beitragssatz müsse angepasst werden.

Gesetzlich Versicherte haben ein Sonderkündigungsrecht, wenn die eigene Kasse teurer wird.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.02.2015

Winfried Mahr

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