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Studie: Mindestlohn in Sachsen ist eine Erfolgsgeschichte

Kein Jobkiller Studie: Mindestlohn in Sachsen ist eine Erfolgsgeschichte

Der Mindestlohn ist in Sachsen nicht zum befürchteten Jobkiller geworden. Vielmehr habe es bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung einen Aufbau gegeben, teilte am Donnerstag das Wirtschaftsministerium in Dresden mit.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass kein Bundesland so stark vom Mindestlohn betroffen ist wie Sachsen.

Quelle: dpa

Dresden. Der Mindestlohn ist in Sachsen nicht zum befürchteten Jobkiller geworden. Vielmehr habe es bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung einen Aufbau gegeben, teilte am Donnerstag das Wirtschaftsministerium in Dresden mit, das sich dabei auf eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) beruft. Kritik an der Studie kommt vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Sachsen. „Wir haben zum Mindestlohn eine eigene Erhebung gemacht und kommen zu ei-nem völlig anderen Ergebnis“, sagte Jens Vogt, Dehoga-Hauptgeschäftsführer .

Die befürchteten negativen Auswirkungen, insbesondere Arbeitsplatzverluste im Dienstleistungsgewerbe, „sind nicht einmal ansatzweise eingetreten“, sagte Stefan Brangs, Staatssekretär im Dresdner Wirtschaftsministerium. Laut Schätzung des IAB gingen in Sachsen 3500 bis 8000 Jobs verloren. Bis zu 300 000 sächsische Arbeitnehmer profitierten dagegen vom Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro, der Anfang 2015 eingeführt worden war.

Bei den sozialversicherungspflichtigen Jobs gab es von Januar 2014 bis zum April 2016 ein Plus von fast 66 000. Am höchsten war der Anstieg mit 14,9 Prozent im Gastgewerbe, in der Verkehrsbranche (plus 12,1) und dem Gesundheits- und Sozialwesen (plus 11,8 Prozent). Leichte Zuwächse gab es auch im Baugewerbe und im Handel. Zugleich ging die Zahl der geringfügig Beschäftigten im Freistaat im Vorjahr um über 10 100 Personen zurück.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass kein Bundesland so stark vom Mindestlohn betroffen ist wie Sachsen. Nach Darstellung von Brangs hängt das damit zusammen, dass die Löhne in Sachsen im Vergleich mit anderen Ländern besonders niedrig waren. Damit habe der Freistaat früher Investoren angelockt. „Es geht aber nicht darum, über niedrige Löhne wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern über die Qualität der Produkte“, betonte der Staatssekretär. Und auch Fachkräfte ließen sich nicht mit Dumpinglöhnen halten. Er erwarte in der sächsischen Wirtschaft mehr Tarifabschlüsse, damit für gute Arbeit auch guter Lohn gezahlt werde.

44 Prozent der rund 1200 vom IAB befragten Firmen gaben an, ihre Stundenlöhne auf mindestens 8,50 Euro angehoben zu haben. In den anderen ostdeutschen Ländern waren es 36 Prozent. Jeder zehnte Betrieb erhöhte zugleich den Lohn seiner Fachkräfte, um den Lohnabstand zu den Kräften, die nun auf Mindestlohnniveau beschäftigt sind, zu wahren.

Die Belastungen durch die Einführung des Mindestlohns hätten einige Betriebe anderweitig abgefedert: 13,9 Prozent hätten die Arbeitszeit reduziert, 2,4 Prozent Entlassungen vorgenommen, 7,8 Prozent wollten sich bei Einstellungen und der Wiederbesetzung von Stellen zurückhalten. 16,5 Prozent der Firmen gaben an, die höheren Kosten auf die Preise umgelegt zu haben.

„Bei uns im Hotel- und Gaststättenbereich sind die Auswirkungen gravierend“, meinte hingegen Sachsens Dehoga-Chef Vogt. Nach einer eigenen Umfrage zu den Auswirkungen des Mindestlohns hat jedes dritte Unternehmen die Zahl der Mitarbeiter reduziert, jeder zweite die Öffnungszeiten eingeschränkt. 88,6 Prozent der Betriebe hätten die Preise erhöht. Vogt glaubt, dass sich die IAB-Wissenschaftler vorwiegend auf die größeren sächsischen Unternehmen konzentriert haben. Im Gaststättenbereich hätten 80 Prozent der Betriebe einen bis fünf Mitarbeiter. „Die Auswirkungen von Lohnerhöhungen sind in diesen Firmen ganz andere.“

Das Dresdner Forschungsinstitut ifo kam in einer Befragung kürzlich zu ähnlichen Ergebnissen. So reagierten betroffene Betriebe nach eigenen Angaben mit vielfältigen Maßnahmen auf die neue Lohnuntergrenze – 58 Prozent hätten die Preise erhöht, 39 Prozent weniger Personal eingestellt und ebenfalls 39 Prozent geplante Investitionen zurückgestellt.

Von Andreas Dunte

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