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Spezialisten bereiten Entschärfung von Weltkriegsbomben vor

Spezialisten bereiten Entschärfung von Weltkriegsbomben vor

Viele mögen die Arbeit von Thomas Lange nicht gerade als Bombenjob empfinden. Als Chef der sächsischen Munitionsbergung beseitigt er bis heute Kriegsfolgen. Jetzt wartet ein Großeinsatz auf ihn.

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Thomas Lange vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Sachsen mit einer entschärften Bombe.

Quelle: Dirk Knofe

Ein richtiges Ritual vor seinen brisanten Einsätzen hat Thomas Lange nicht. Bei Kaffee und einer Zigarette denke er morgens nach, wie er die Sache am besten angehe, sagt er. Lange ist Chef der sächsischen Munitionsbergung, offiziell heißt die Spezialeinheit Kampfmittelbeseitigungsdienst.

An diesem Dienstag steht ihm in Rabenau bei Dresden ein Einsatz bevor, wie er ihn in seiner langen Dienstzeit noch nicht erlebt hat. Elf Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg müssen hintereinander entschärft werden. 14 Stunden sind für die Aktion geplant. Wenn alles reibungslos läuft, geht es schneller, bei Komplikationen kann der Zeitplan explodieren.

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Zuvor hatte die Polizei bereits jede Menge Munition gefunden - dabei wurden auch die Bomben entdeckt.

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Dieses Mal half die Bevölkerung ordentlich mit. Ursprünglich hatte man im Wald von Rabenau nur Munition einer deutschen Panzerdivision wegräumen wollen, die im April 1945 dort lagerte. Das Gebiet war als „bleihaltig“ bekannt. Immer mal wieder gab es hier Munitionsfunde, mitunter fanden Pilzsammler etwas, manches wühlten Wildschweine aus dem Boden. Als eine erste Fliegerbombe auftauchte, waren die Sprengexperten sofort in Alarmbereitschaft. Betagte Zeitzeugen meldeten sich und berichteten detailliert, wie und wo im April 1945 zwei amerikanischer Bomber bei Rabenau abgestürzt waren. „Das war für mich, als würde ich unter einer kalten Dusche stehen“, erzählt Lange.„Die Bürger sagten uns nicht: „Ich weiß da was“, sondern „Ich zeige Ihnen das mal““, berichtet Lange von äußerst präzisen Angaben.

Demnach hatte am 17. April 1945 beim letzten Luftangriff auf das schon zerstörte Dresden eine Staffel amerikanischer B-17-Bomber wegen schlechter Sichtverhältnisse wieder abdrehen müssen. Bei dem Manöver stieß das Geschwader auf einen nachfolgenden Pulk, zwei Flugzeuge krachten zusammen. Die Bevölkerung barg später Überreste des Bombers, schließlich ließ sich aus Aluminium nützliches Gerät herstellen. Allerdings ging man davon aus, dass die Bomben gar nicht mehr an Bord waren. Dabei hatten sie sich wie andere Teile in den Boden gebohrt.

In der Regel hatten die Flying Fortresses - die B-17 wurden auch als Fliegende Festung bezeichnet - 14 Bomben an Bord, 11 fand man nun. Der Rest ist vermutlich explodiert. Das zweite abgestürzte Flugzeug kam an anderer Stelle herunter. Jede Bombe wiegt 225 Kilogramm. „Sie liegen querbeet, nicht wie an einer Perlenschnur aufgereiht“, sagt Lange und meint damit das übliche Trefferbild, wenn ein Bomber seine Fracht planmäßig abwarf.

Lange hofft, dass die Zünder noch gesichert sind. „Dann kann ich auch etwas robuster zu Werke gehen“, meint der Mann, der nur noch ein paar Jahre bis zur Rente hat, aber überhaupt nicht so aussieht. „Sprengen hält jung“, hat er früher mal gesagt.

Für den Großeinsatz gilt höchste Sicherheitsstufe, 55 Anwohner sind betroffen. Die Bundesstraße 170 von Dresden ins Osterzgebirge bleibt in dem betroffenen Gebiet gesperrt, der Verkehr wird umgeleitet. Polizeiführer Wolfgang Langenbucher hat 150 Beamte im Einsatz, auch die Reiterstafel und ein Hubschrauber sind dabei. Vor dem Entschärfen wird der Wald noch einmal mit Wärmebildkameras abgesucht. Außer den Experten darf niemand ins Sperrgebiet. Denn wenn nicht vor Ort entschärft werden kann, muss Lange sprengen. Die Bomben entfalten eine ungeheure Kraft, Splitter fliegen bis zu 1000 Meter weit, der Explosionskrater ist bis zu vier Meter tief.

Jörg Schurig, dpa

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