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So geht's auch: Eisenberg ohne Probleme mit Asylbewerbern

So geht's auch: Eisenberg ohne Probleme mit Asylbewerbern

Gerhard Übensee ist auf dem Weg in seinen Garten - vorbei an schmucken Häusern mit gepflegten Vorgärten. Seit rund 30 Jahren wohnt er in direkter Nachbarschaft von Thüringens ältestem Erstaufnahmeheim für Flüchtlinge in Eisenberg (Saale-Holzland-Kreis).

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Die Asyl­bewerber machen sich im Erstaufnahmeheim auch nützlich. Eine Frau aus dem Kosovo hilft hier zum Beispiel in der Kantine mit.

Quelle: dpa

"Mit den Ausländern gibt es keine Probleme", so der 73-Jährige. Angst habe er nicht, und von Einbrüchen sei ihm nichts bekannt. Ähnlich entspannt ist Heidrun Walther, die mit ihrem Hund spazieren geht. "Mich stören sie nicht. Ich bin noch nie dumm angemacht worden." Während andernorts bei Bürgern die Emotionen hochkochen, wenn neue Heime eingerichtet werden sollen, scheinen in Eisenberg wenige Menschen ein Problem mit der dortigen Einrichtung zu haben. Zwar werden Alltagssorgen geäußert - doch viele Vorurteile entpuppen sich als das, was sie sind: Klischees.

In der DDR war das Heim das einzige Aufnahmelager für West-Ost-Migranten. Nach der Wiedervereinigung kamen dort jüdische Migranten und Spätaussiedler unter. Seit mehr als zehn Jahren ist es das erste Zuhause für Asylbewerber in Thüringen. Bis zu drei Monate bleiben sie dort, ehe sie an Landkreise und kreisfreie Städte weitergereicht werden. "Die Menschen hier haben sich daran gewöhnt, das Zusammenleben ist unspektakulär", sagt Bürgermeister Ingo Lippert (SPD). Seine Stadt hat knapp 11 000 Einwohner, im Erstaufnahmeheim lebten zuletzt rund 500 Asylbewerber - ein Anteil von fast fünf Prozent. Da sie als Einwohner gemeldet sind, bekommt die Stadt für sie auch Schlüsselzuweisungen vom Land. "Dem steht wegen häufigen Wechsels etwa ein erhöhter Aufwand im Einwohnermeldeamt entgegen."

Lippert weiß, dass immer wieder Gerüchte über die Menschen in der Erstaufnahme wabern. Eines sei gewesen, dass das Freibad im Sommer einen Tag nur für Flüchtlinge offen sein soll; ein anderes, dass ein Supermarkt wegen der Flüchtlinge schließen wolle. "Alles Quatsch", sagt der Bürgermeister. "Diese Menschen werden nicht bevorzugt behandelt, sondern wie jeder andere auch." Manche politische Gruppe habe aber wohl ein Interesse daran, Missgunst zu schüren und so Stimmung bei Wählern zu machen. So hat die NPD bei der jüngsten Landtagswahl in Eisenberg sechs Prozent geholt - mehr als im Landesdurchschnitt (3,6 Prozent).

Etliche Flüchtlinge laufen an diesem Vormittag mit Einkaufstüten die Bundesstraße 7 entlang zum Erstaufnahmeheim. Sie bekommen bis zu 140 Euro zur freien Verfügung und sorgen bei den Händlern in der Nähe für Umsatz. Öffentlich äußern will sich aber kaum ein Ladeninhaber. Unter der Hand heißt es, Flüchtlinge seien Kunden wie alle anderen - größere Probleme gebe es nicht. Doch ist von Verständigungsproblemen die Rede. Sie spreche kein Englisch, mancher Asylbewerber sei schon ungehalten geworden, wenn sie ihn nicht verstanden habe, erzählt etwa Corinna Rühling, die bei einem Bäcker hinterm Tresen steht.

Konkrete Zahlen zur Kriminalität in Eisenberg konnte die Jenaer Landespolizeiinspektion bisher nicht vorlegen. Probleme gebe es eher mit Auseinandersetzungen der Bewohner untereinander, heißt es. Wird ein Diebstahl angezeigt, informiere ihn die Polizei, erklärt Burkhard Zamboni, der die Erstaufnahmestelle leitet. "Das waren seit 2004 vielleicht eine Handvoll." Zamboni hofft derweil, dass sich mit einer weiteren Außenstelle etwa in Gera die Situation im Eisenberger Heim entspannt und die zusätzliche Unterbringung in Wohncontainern ende. Sie wurden 2013 als Interim aufgestellt.

Mitunter lassen Asylbewerber schonmal Müll im Freien liegen, berichten Eisenberger. Bürgermeister Lippert: "Manche suchen auch in Kleidercontainern nach Brauchbarem." Er warnt aber, alle über einen Kamm zu scheren. "Viele Deutsche sind auch nicht besser und denken gar nicht daran, den Kot ihres Hundes wegzuräumen", konstatiert Anwohnerin Christa Polowy. Generell sei die Nachbarschaft kein Problem, sagt Martina Thieme. "Einige Ausländer grüßen sogar ganz freundlich, wenn man sich auf der Straße begegnet."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.03.2015

Andreas Hummel

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