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Sing, mei Sachse: Bürgerinitiative kämpft unverdrossen für eine Sachsenhymne

Doch die Landespolitik winkt ab Sing, mei Sachse: Bürgerinitiative kämpft unverdrossen für eine Sachsenhymne

„Dor Sachse liebt ä satten Sound, den Ton, wo Geichn röhrn.“ Kaum einer kannte die Seele seiner Mitmenschen so gut wie der Leipziger Kabarettist Jürgen Hart. Vielleicht liegt es daran, dass sein  Gassenhauer „Sing, mei Sachse, sing“ als Hymne für den Freistaat immer wieder im Gespräch ist.

1979 veröffentlichte der Leipziger Kabarettist Jürgen Hart seinen Gassenhauer „Sing, mei Sachse, sing“ – hier das Cover der Single. Arndt Bause schrieb dafür die Musik. Zu DDR-Zeiten wurde er rund 200 000 Mal verkauft

Quelle: Plattencover

Meißen/Leipzig. „Dor Sachse liebt ä satten Sound, den Ton, wo Geichn röhrn.“ Kaum einer kannte die Seele seiner Mitmenschen so gut wie der Leipziger Kabarettist Jürgen Hart (1942–2002). Vielleicht liegt es daran, dass sein legendärer Gassenhauer „Sing, mei Sachse, sing“ auch immer dann wieder vorgeschlagen wird, wenn es darum geht, dem Freistaat eine unverwechselbare Melodie zu geben, hinter der sich seine über vier Millionen Einwohner sammeln können. Und doch ist ausgerechnet die Geschichte einer sächsischen Landeshymne eine einzige Kette von Missverständnissen, geplatzten Hoffnungen und Frustration.

„Unsere CDU-Granden befinden sich in Schockstarre“, analysiert Peter Knauke (74), Sprecher der Bürgerinitiative Sachsenlieder/Landeshymne aus Meißen und unerschrockener Vorkämpfer in der Sache. Sechs Mitglieder umfasst das Häuflein Aufrechter, das es seit rund fünf Jahren gibt. Knauke selbst war früher Dozent an der Hochschule in Zwickau. Anläufe für eine Sachsenhymne habe es genügend gegeben, sagt er.

1994 auf dem Tag der Sachsen in Annaberg-Buchholz zum Beispiel. Seinerzeit hatte die Sächsische Staatskanzlei das Thema auf die Agenda gesetzt und ein ganzes Liederbuch zum Thema entstand. „Nur ist dieses Buch nie an der Basis angekommen“, sagt Knauke. Überhaupt, so schätzt er kritisch ein, seien die Sachsen im Alltag wenig sangesfreudig. Musik liebend sicherlich schon. Hier aber eher auf dem Gebiet der Hochkultur. Eben, wenn „Geichn röhrn“, um es mit Jürgen Hart zu sagen. „Gesungen wird sonst höchstens auf Weinfesten in Meißen, Radebeul oder in Dresden“, urteilt Knauke.

2011 dann der nächste Tiefschlag. Der Petitionsausschuss konnte einem entsprechenden Ersuchen aus der Bürgerschaft nicht zum Durchbruch verhelfen, parallel dazu rauschten die Umfragewerte kontinuierlich in den Keller: Waren 1995 laut Meinungsforschungsinstitut Emnid immerhin noch 27 Prozent der Sachsen für eine eigene Hymne, so sank der Wert zehn Jahre später auf 24 Prozent.

Eine Hymne als Symbol für gelebten Patriotismus

Während Bayern, Hessen und Saarland eine offizielle Hymne haben und andere Länder wie Thüringen im „Rennsteiglied“ von Herbert Roth zumindest eine inoffizielle, geht ausgerechnet in Sachsen die Eierei weiter. Vielleicht liegt es daran, dass in Zeiten von Pe-, Le- und anderen Gidas der Begriff Patriotismus einen Beigeschmack bekommen hat?

Jürgen Harts Lied hält Knauke jedenfalls für ungeeignet: „Den Refrain kann man sicherlich noch mit 1000 Leuten singen. Aber der Rezitativteil ist viel zu kompliziert.“ Er selbst favorisiert übrigens das „Sachsenlied“ von Julius Otto und Maximilian Hallbauer aus den Jahren 1841/42, aus dem später das „Badnerlied“ wurde. „Gott sei mit dir mein Sachsenland, blüh’ frei und fröhlich fort! Ein frommes Herz und fleiß’ge Hand! das sei mein Losungswort!“, heißt es darin ein wenig pathetisch.

Doch die Schar derer, die in Sachsen in Sachen Landeshymne noch Kurs halten, ist überschaubar geworden. Zu ihr gehört die Junge Union. „Ja, für uns ist die Sachsenhymne weiterhin ein Thema“, heißt es auf DNN-Anfrage. „Die Hymne und genauso die Flagge sind für uns Symbole für gelebten Patriotismus.“ Sie seien Ausdruck des Heimatgefühls und sollten bewusst machen, dass Deutschland heute vereinigt, rechtsstaatlich und freiheitlich ist. Deshalb gäbe es den Antrag „Patriotismus im 21. Jahrhundert“ aus dem Jahre 2015. Darin werden fünf Lieder für die engere Auswahl vorgeschlagen: Neben dem „Sachsenlied“ sind es „Gott segne Sachsenland“ (Siegfried August Mahlmann), dazu „Wie lieb ich dich, mein Sachsenland“ (August Lansky/Karl Eduard Hering), „Sachsen, mein Heimatland“ (Volker Hahn) sowie „Sachsenstolz“ (Marschlied des 12. Sächsischen Armeekorps um 1860). Mittelfristig solle die „Erlangung eines offiziellen Status der Sachsenhymne als Regionalhymne des Freistaates Sachsen, analog zu Bayern und dem Saarland, durch Landtagsbeschluss erreicht werden“.

Weiter hofft die Junge Union: „Wenn Sachsen ab November 2015 den Vorsitz im Bundesrat für ein Jahr übernimmt und im Oktober 2016 den Tag der Deutschen Einheit ausrichtet, ergäben sich gute Anlässe, eine Landeshymne zu spielen und zu singen.“ Danach sieht es gegenwärtig aber nicht aus.

Ralph Schreiber, Sprecher der Sächsischen Staatskanzlei, gibt sachlich zu Protokoll, dass in seiner Behörde eine Bürgerinitiative Sachsenlieder/Landeshymne nicht bekannt sei. „Auch gibt es zum Thema keinen neuen Sachstand. Es gab einige unterschiedliche Vorschläge für Sachsenlieder und -hymnen an die SK (Staatskanzlei). Eine Bewertung oder gegebenenfalls Auswahl erfolgte bisher nicht“, so der Sprecher.

Knauke und seine Mitstreiter wollen sich davon allerdings nicht entmutigen lassen. „Es muss ja gar keine offizielle Landeshymne sein“, sagen sie. „Aber ein Lied, das man auf Stadtfesten, zu Jahrestagen oder Jubiläen singen kann.“ Dafür wollen sie – auch mit Einspielungen der Lieder – weitermachen. Knauke: „Beharrlich, aber ohne Schaum vor dem Mund.“

Roland Herold

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