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Sachsens Wölfe auf dem Vormarsch - der Landtag wittert Gefahr

Sachsens Wölfe auf dem Vormarsch - der Landtag wittert Gefahr

Der Wolf macht Schlagzeilen. In Niedersachsen soll er versucht haben, einen Jäger anzugreifen. In Bad Düben tauchte er im Alaunwerk auf. In Thüringen streifte er über Truppenübungsplätze.

Zumindest in Sachsen ist Isegrimm ein alter Bekannter. Unlängst wurde die Förderzone für Schutzmaßnahmen auf den gesamten Freistaat ausgedehnt. Bisher galt offiziell die Lesart, dass vom Wolf maximal ein Risiko für ungeschützte Herdentiere ausgehe, das zu beherrschen sei. Doch laut Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz wurden in diesem Jahr bereits 33 Tiere vom Wolf getötet. 32 davon waren geschützt.

In den seit Jahren schwelenden Konflikt kommt nun von unerwarteter Seite neuer Schwung. Nicht etwa die Opposition, sondern die Fraktionen der Regierungsparteien in Sachsen selbst, CDU und SPD, haben einen Antrag an den Landtag gestellt, dieser möge die Staatsregierung ersuchen, im Falle Wolfspopulation aktiv zu werden. Von CDU-Seite übrigens von Fraktionschef Frank Kupfer unterzeichnet. Der war von 2008 bis 2014 selbst Umweltminister in Sachsen und als solcher vehementer Befürworter des Wolf-Projektes.

Die Zeiten ändern sich. In dem Antrag geht es nun darum, einzuschätzen, ob die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden mit den betroffenen Organisationen und Verbänden läuft, wie sie laufen soll. Gebeten wird darum, "das Verhalten auffälliger Einzeltiere zu bewerten und darzustellen, wie die beteiligten Behörden damit umgegangen sind". Das müsste der Ex-Minister eigentlich noch wissen.

Ferner wird ein vereinfachtes Verfahren für die Zahlung von Vorbeugemaßnahmen und für den Schadensausgleich gefordert, sowie zu prüfen, ob die Jäger ihrer Pflicht nachkommen, Wolfsbeobachtungen weiter zu melden. Die Ergebnisse des Wolfsmonitorings sollen erläutert und artenschutzrechtliche Konsequenzen regelmäßig bewertet werden. Was nur heißen kann: Wenn es genügend Wölfe in Sachsen gibt, muss über den bisherigen Schutzstatus neu nachgedacht werden.

Andreas Heinz, agrarpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, bestätigt das. "Das Thema Wolf ist eines, dem man sich stellen muss", sagt er. Denn der Wolf habe einen so hohen Schutzstatus, dass, selbst wenn ein sich selbst reproduzierender Bestand erreicht sei, noch nicht eingegriffen werden könne. Dazu komme, dass niemand derzeit überhaupt sagen könne, ab welcher Zahl das so sei. Heinz ist sich sicher: "Die Konflikte werden sich verschärfen."

Dafür trage letztlich die Europäische Union die Verantwortung. Wenn bei bestimmten Tierarten bestimmte Bestandszahlen unterschritten würden, bekämen diese automatisch einen Schutzstatus. Ihm falle das Beispiel Kormoran ein, sagt Heinz. "Vor Jahren bedroht, mittlerweile eine Landplage." Die Bundesregierung müsste mit Brüssel in einen Papierkrieg treten, um Wölfe über Ausnahmefälle hinaus zu erlegen.

Wenn sich der Wolf jedoch weiter ungehindert ausbreite, könne dies über kurz oder lang das Ende der Schafzucht auf der Weide bedeuten. "Weil ein flächendeckender Schutz nicht zu gewährleisten ist", so Heinz. Der Wolf verliere jegliche Scheu. "Das ist eine Gefahr, auf die wir mit dem Antrag an den Landtag hinweisen wollen."

In vereinzelten Fällen könne zwar jetzt schon eingegriffen werden. In der Praxis erweise sich das aber als schwierig. "Eine Untere Naturschutzbehörde muss erst einmal feststellen, dass sich ein Wolf atypisch verhält, weil er die Dorfstraße entlang läuft. Und dann muss man einen mutigen Landrat finden, der die Genehmigung zum Abschuss gibt."

Umweltministeriumssprecher Frank Meyer haben 15 Jahre Wolfsmanagement gelassen gemacht. Man werde innerhalb der kommenden Wochen dem Landtag einen Bericht vorlegen und danach weiter sehen. Meyer verweist darauf, dass das Entschädigungsverfahren bereits stark vereinfacht worden sei. "Früher mussten Antragsteller 30 Seiten ausfüllen, heute sind es noch 3." Auch der Schadensausgleich sei mittlerweile formlos möglich. Im Übrigen: Probleme mit Wölfen habe es auch in der Vergangenheit gegeben. Ein blindes Tier sei eingeschläfert worden, ein weiteres räudiges Jungtier sei vor der sogenannten Entnahme entschwunden.

Heinz ist sich der Widersprüche bewusst. "Die Naturschützer, die in der Großstadt wohnen, werden die Wolfs-Ansiedlung ohne Wenn und Aber befürworten. Doch Betroffene, die auf dem flachen Land leben, sehen das differenzierter." Er schlägt einen Kompromiss vor: "Man sollte den Wolf in Ruhe lassen, solange er im Wald bleibt."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.04.2015

Roland Herold

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