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Sachsens Rehen geht es an den Kragen

Sachsens Rehen geht es an den Kragen

Für die sächsischen Wälder war 2013 ein gutes Jahr. Das sagte gestern Forstminister Frank Kupfer (CDU) in Dresden-Klotzsche, wo er den aktuellen Waldzustandsbericht vorstellte.

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Weil sie den Baum-Nachwuchs gefährden, soll in Sachsen die Jagd auf Rehwild verstärkt werden.

Quelle: Bernd Lichtenberger

Auch den langen Winter, das Juni-Hochwasser den heißen und trockenen Sommer sowie die beiden Orkane "Christian" und "Xaver" habe der Wald gut überstanden, betonte Kupfer. Insgesamt liege dessen Gesundheitszustand "seit 2008 ungefähr auf gleichbleibendem Niveau".

Allerdings verweist Hubert Braun, Geschäftsführer des Staatsbetriebes Sachsenforst, auch auf regionale Unterschiede. So gab es vor allem in den jungen Fichtenbeständen des Erzgebirges im zurückliegenden Winter beträchtliche Schneebruchschäden. Braun spricht von 270 000 Kubikmetern Schneebruchholz, dass schnellstens geborgen werden musste, weil es für den gefürchteten Borkenkäfer ideale Brutplätze ergeben hätte. Bei Königstein in der Sächsischen Schweiz sorgte ein heftiger Hagelschlag am 9. Juni vor allem in den dortigen Kiefernbeständen für ein Absterben der Bäume, weil die ungewöhnlich großen Hagelkörner deren zarte Borke in den Baumkronen verletzt hatte. Aber auch in Nordsachsen droht den Kiefernbeständen Gefahr. Dort sind es Schädlinge, wie die Nonne, der Kiefernspinner und der Kiefernspanner, deren Entwicklung von den Forstleuten mit Argusaugen beobachtet wird. Im Notfall müsse man auf die Überhandnahme der Raupen auch mit der chemischen Keule reagieren, die am schlimmsten betroffenen Waldgebiete kurzfristig sperren und über ihnen aus der Luft Stoffe sprühen, die den Häutungsprozess der Raupen unterbrechen, erklärte der Sachsenforst-Geschäftsführer.

Der Zustand der Baumkronen ist für die Forstleute der beste Maßstab für ein Urteil über die Gesundheit der Bäume. Je kleiner die sogenannte Kronenverlichtung, desto besser. Im Durchschnitt liegt sie 2013 bei 17,5 Prozent aller Baumarten und ist damit gegenüber dem Vorjahreswert von 16,6 Prozent leicht angestiegen. Konkret heißt das für das zu Ende gehende Jahr: 37 Prozent der Waldbäume sind gesund, 46 Prozent schwach und 17 Prozent deutlich stärker geschädigt. Letzteres betrifft vor allem die Kiefer und die Eiche, während Buche und Fichte "einen im Durchschnitt verbesserten Kronenzustand" zeigen, so der Forstminister.

Erstaunlich gut geht es den Fichten im Erzgebirge. "Die Fichte ist heute einer der vitalsten Bäume im Kamm des Erzgebirges", freut sich Hubert Braun und erinnert an das dortige Baumsterben Mitte der 1980er Jahre. Damals hätte man jeden, der das prophezeit hätte, für verrückt erklärt.

Sachsens Wald steht seit 23 Jahren nicht nur unter Kontrolle. Für seine weitere Gesundung ist auch noch viel zu tun. So ist und bleibe Sachsen deutscher Meister im Waldkalken, versichert der Forstminister. Sachsen setzt auch den sogenannten Waldumbau fort, bei dem aus monotonen und anfälligen Fichten und Kieferwäldern gesunde Mischwälder werden. Kupfer erinnert an die Ende November vom Kabinett verabschiedete Waldstrategie 2050. Sie sieht vor, bis zur Hälfte des Jahrhunderts den Waldumbau auf den besonders kritischen Standorten abzuschließen. Allein im Landeswald müssen dafür Jahr für Jahr durchschnittlich 1300 Hektar Wald umgebaut werden. 2013 waren deshalb sechs Millionen Bäume zu pflanzen. Unter ihnen viele Eichen.

Weil die vor allem den Rehen besonders gut schmecken und Schutzzäune teuer sind, soll die Jagd auf das Rehwild verstärkt werden. Auch im Forstbezirk Dresden, wie dessen Leiter Markus Biernath bestätigt. Neben der Dresdner Heide und der Laußnitzer Heide gehört vor allem das Moritzburger Waldgebiet zum Forstbezirk. Auf 42 Hektar wurde hier in diesem Jahr Wald umgebaut. Aber auch Rehwild gibt es hier überall reichlich, wie die jüngsten Jagdstrecken belegen.

Der Holzeinschlag in der Dresdner Heide soll angesichts guter Holzpreise ebenfalls verstärkt werden. Auch das entspricht der Strategie von Sachsenforst. Die Nachhaltigkeit werde dabei nicht aufgegeben, versichert Braun, denn den jährlichen Holzzuwächsen von 1,8 Millionen Kubikmetern werden 2013 nur etwas über eine Million Kubikmeter geerntetes Holz gegenüber stehen. Für die Revierförster ist die verstärkte Holzernte eine anspruchsvolle Aufgabe, denn sie müssen dafür die logistischen Voraussetzungen schaffen, weiß Biernath.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.12.2013

Bernd Lichtenberger

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