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Sachsens Regierung steht wegen Lehrermangels unter Druck

Sachsens Regierung steht wegen Lehrermangels unter Druck

Der Streit um Lehrermangel und Unterrichtsausfall an Sachsens Schulen setzt die Regierung zunehmend unter Druck. Wie schon vor wenigen Tagen in einem Zeitungsinterview reihte sich bei einer Debatte im Landtag am Donnerstag auch CDU-Bildungsexperte Thomas Colditz in die Reihe der Kritiker ein - ein seltener Vorgang in der politischen Landschaft des Freistaates.

„Es ist das Gebot der Stunde zu handeln", sagte Colditz. Deshalb müssten die Diskrepanzen zwischen Kultus- und Finanzministerium abgebaut werden. Es lasse sich beim besten Willen in der Öffentlichkeit nicht darstellen, dass ein hochbrisantes Thema daran scheitern solle, Zahlen abzugleichen und sich auf einen Bedarf zu verständigen.

Colditz zufolge lässt sich die Zukunftsfähigkeit eines Landes nicht allein an solider Haushaltspolitik festmachen, sondern auch an gut gebildeten jungen Menschen, die sich in einem Land wohlfühlen. Am Ende seiner Rede wandte er sich mit einem „persönlichen Wort" an die Abgeordneten. „Es bedarf in einer Demokratie nicht unbedingt des Mutes, um unterschiedliche Positionen innerhalb der eigenen Partei auszuhalten und auch öffentlich zu machen. Das hält die Demokratie aus, das hält auch eine demokratische Partei aus." Entscheidend sei aber, dass man die Probleme löse und nicht aussitze und damit auch einer Politikverdrossenheit entgegenwirke. Phasenweise erhielt Colditz mehr Applaus von der Opposition als aus den eigenen Reihen.

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Auch am Neustädter Dreikönigsgymnasium wird gestreikt - Unterricht findet trotzdem statt.

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Das Lob folgte auf dem Fuß. Eigentlich hätte man nach der Rede von Colditz einen Punkt machen und die „Regierung zum Nachdenken nach Hause schicken sollen", sagte die frühere SPD-Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange. Ein Nachdenken hätte ihrer Ansicht nach schon lange einsetzen müssen. Laut einer im März veröffentlichten Analyse gehen bis 2020 etwa 10 700 Pädagogen in Sachsen in den Ruhestand, Colditz sprach am Donnerstag von 8000. Seither reißen Forderungen nach Veränderungen nicht ab. Die Opposition befürchtet einen Bildungsnotstand. Die Regierung verweist auf das, was sie schon dagegen unternommen hat - beispielsweise auf die deutliche Erhöhung der Zahl der Referendarstellen. Kultusminister Roland Wöller (CDU) warnt deshalb vor Horrorszenarien.

Tatsächlich steht die Regierung unter Druck, ihren Personalabbau bei Landesdienern umzusetzen. Deren Zahl soll von etwa 87 000 Stellen bis 2020 auf 70 000 schrumpfen. Geht es nach Finanzminister Georg Unland (CDU), gibt es auch an den Schulen einen Aderlass. Er will aktuell 28 341 Stellen auf 23 000 eindampfen. „Wir haben jetzt schon Probleme in der Unterrichtsversorgung und das liegt nicht am Schneefall im Erzgebirge", sagte Colditz. Hinter verschlossenen Türen wird nun ein Feilschen um jede Stelle erwartet. Grünen-Politikerin Antje Hermenau hält es auch für ein Männerproblem. „Eine Blockade von Männern, die nicht miteinander klar kommen, lähmt das ganze Land", sagte Hermenau und verlangte ein Machtwort von Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU).

Jörg Schurig, dpa

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