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Sachsens Radfahrer werden immer öfter Opfer von Unfällen

Verkehr Sachsens Radfahrer werden immer öfter Opfer von Unfällen

Radfahren gilt als eine der gesündesten Fortbewegungsarten im Alltag. Doch kann es auch gefährlich werden. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres verunglückten in Sachsen 1890 Radfahrer, rund zwei Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Laut Statistischem Landesamt kamen dabei elf Personen ums Leben.

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Ein weißes Rad erinnert in Dresden Ecke Bautzner/Rothenburger Straße an die Radlerin, die von einem Lastwagen angefahren und tödlich verletzt wurde.

Dresden. Radfahren gilt als eine der gesündesten Fortbewegungsarten im Alltag. Doch kann es auch gefährlich werden. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres verunglückten in Sachsen 1890 Radfahrer, rund zwei Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Laut Statistischem Landesamt kamen dabei elf Personen ums Leben, das waren fünf Todesopfer mehr als in den ersten sechs Monaten 2015. Und auch in den vergangenen drei Monaten ereigneten sich zahlreiche schwere Unfälle, bei denen nach Polizeiangaben bereits sieben weitere Radfahrer getötet wurden. So wurde eine 23-Jährige vor drei Wochen in Leipzig-Neuschönefeld von einem rechts abbiegenden LKW überrollt und erlag am Unfallort ihren schweren Verletzungen. Ein 83-Jähriger stieß vor knapp zwei Wochen in Brandis gegen eine sich öffnende Autotür und starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen.

Derart dramatische Folgen sind leider keine Seltenheit. „Hauptverursacher von schweren Verkehrsunfällen mit Radfahrern sind Autofahrer, die die Vorfahrt missachten“, beklagt Olaf Matthies. Der Vorsitzende des Allgemeinden Deutschen Fahrradclubs (ADFC) betont, dass „zwei von drei Unfällen auf Autofahrer zurückzuführen sind, die nicht mit Radfahrern gerechnet haben“.

Die Berliner Polizei habe das erkannt und kontrolliere seit diesem Jahr bei Schwerpunktaktionen das Abbiegen von Autofahrern sowie andere Risiken, die speziell Radfahrer betreffen, beispielsweise das Zuparken von Radwegen. Der ADFC fordert solche Aktionen auch in Sachsen. „Kontrollen von Licht und Klingel haben sicher ihre Berechtigung“, sagt Matthies. „Zuerst ist aber dort anzusetzen, wo wir deutlich mehr Unfälle verhindern können.“

Solche Abbiegekontrollen will das Innenministerium weder ausschließen noch per Dekret verordnen. Grundsätzlich werde bei der Verkehrsüberwachung auch das Fehlverhalten von Autofahrern gegenüber Radfahrern berücksichtigt, hieß es. „Die Polizeidienststellen haben die Aufgabe, eigenverantwortlich Schwerpunkte für entsprechende Kontrollen umzusetzen“, erklärte ein Ministeriumssprecher. Zudem arbeiteten örtliche Unfallkommissionen „permanent daran, Unfallhäufungsstellen zu erkennen“ und zu entschärfen.

Unvollkommene Infrastruktur lasse vielerorts „Radfahrer ins offene Messer laufen“, wie es ADFC-Landeschef Matthies ausdrückt. „Radwege, die plötzlich aufhören, zu schmale, mit Fußgängern gemeinsam genutzte Wege und schlecht einsehbare Kreuzungsbereiche sind Mitverursacher von Unfällen.“ Deshalb müsse deutlich mehr in sichere Rad- und Gehwege investiert werden.

Rückenwind bekommt die Radfahrlobby von den Grünen im Sächsischen Landtag. „In den Kommunen gibt es einen Riesenbedarf für neue Radwege“, sagt Verkehrsexpertin Katja Meier. „Woran es offensichtlich fehlt, ist die unbürokratische Unterstützung der Kommunen.“

„Katastrophaler Personalmangel“ im Ministerium und der Landesstraßenbaubehörde habe in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren dazu geführt, dass für Radwege an Staatsstraßen drei Viertel der verfügbaren Gelder nicht ausgegeben wurden. Insgesamt seien nicht einmal sieben Vollzeitkräfte für die Planung und Umsetzung von Radverkehrsprojekten eingeteilt. „Radverkehr ist in Sachsen schlicht nicht Chefsache. Hier sehen wir erheblichen Nachbesserungsbedarf“, kritisierte die Abgeordnete. „Fördergelder bringen nichts, wenn sie am Ende nicht ausgegeben werden.“ Die Grünen schlagen deshalb die Gründung einer gesonderten Abteilung Radverkehr im Hause von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) mit mindestens zwölf Vollzeitstellen vor, die Kommunen unterstützt und berät. Andernfalls werde der Planungsstau bei Radverkehrsprojekten weiter zunehmen.“

Außerdem müsse die im Koalitionsvertrag verankerte Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte endlich gegründet werden. „Das Land sollte die Kommunen viel mehr dabei unterstützen, sichere Radwege und den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, um den Umstieg vom Auto attraktiver zu machen.“

Der ADFC regt eine Aufstockung der Radverkehrsinvestitionen auf jährlich 20 Millionen Euro an. „Eltern sollten ihre Kinder ohne Angst mit dem Rad zur Schule fahren lassen und auch ältere Menschen völlig selbstverständlich ohne besonderes Risiko ihre Wege radeln können“, fordert Matthies.

Ein prinzipielles Risiko sieht der Vereinsvorsitzende trotz allem nicht: „Obwohl immer mehr Menschen im Alltag und in der Freizeit mit dem Rad unterwegs sind, ist die Zahl der verunglückten Radfahrer seit dem Jahr 2000 relativ konstant.“ In einzelnen Städten und Regionen Sachsens werde inzwischen bis zu dreimal mehr Rad gefahren als noch Mitte der 1990er-Jahre. „Trotzdem ist die Zahl der verletzten, schwachen Verkehrsteilnehmer immer noch zu hoch.“

Auch in Thüringen stieg die Zahl der Radunfälle im ersten Halbjahr leicht auf 764, dagegen sank die Zahl der verunglückten Radler um 20 auf 592 und die Zahl der Todesopfer um eins auf vier.

Von Winfried Mahr

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