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Sachsens Lehrer sind immer häufiger krank

Hohe Belastung Sachsens Lehrer sind immer häufiger krank

Immer mehr Lehrer macht der Unterricht krank – vor allem psychische Probleme haben an sächsischen Schulen stark zugenommen. Das geht aus einer Statistik des Kultusministeriums hervor, die LVZ.de vorliegt. Demnach hat der Krankenstand in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent zugenommen.

In den vergangenen fünf Jahren ist der Krankenstand unter den Lehrern um 20 Prozent gestiegen – im Durchschnitt macht das 15 Ausfalltage pro Jahr.

Quelle: dpa

Dresden. Die zunehmende Belastung fordert offensichtlich ihren Preis: In den vergangenen fünf Jahren ist der Krankenstand unter den Lehrern um 20 Prozent gestiegen – im Durchschnitt macht das 15 Ausfalltage pro Jahr. Mit 19 Krankheitstagen sind Förderschullehrer am häufigsten betroffen, am wenigsten müssen Grundschulpädagogen mit 13 Tagen zu Hause bleiben. Allein im vergangenen Jahr fielen die insgesamt 32 471 Lehrer laut einer Statistik des sächsischen Kultusministeriums, die der Leipziger Volkszeitung vorliegt, stolze 481 164 Tage krankheitsbedingt aus. Das bedeutet auch: Etwa 2,5 Millionen Unterrichtsstunden konnten nicht regulär stattfinden – sondern mussten ausfallen oder durch Ersatzlehrer vertreten werden.

„Konkrete Ursachen für diese Entwicklung sind nicht bekannt. Unbestritten ist jedoch, dass der Krankenstand mit dem Alter der Beschäftigten ansteigt“, erklärt das Kultusministerium auf LVZ-Anfrage. Während jüngere Beschäftigte häufiger, dafür aber kürzer erkranken, trifft es ältere Beschäftigte meist schwerer und länger. „Da das Durchschnittsalter der Lehrkräfte in Sachsen in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen ist, ist dieser Umstand vermutlich eine der Hauptursachen für diese Entwicklung.“

Die Gesundheitsberichte der großen gesetzlichen Krankenkassen sprechen eine klare Sprache. So ist der Krankenstand bei Lehrkräften aufgrund psychischer Probleme und akuter Atemwegserkrankungen jeweils der Zweithöchste von allen Berufsgruppen. Deshalb hat der Freistaat reagiert und bietet seit dem Schuljahr 2014/15 psychische Gefährdungsbeurteilungen an. „Dies ist von erheblicher Bedeutung, da davon auszugehen ist, dass gerade bei Lehrern psychische Erkrankungen zur Zunahme der krankheitsbedingten Ausfalltage geführt haben“, macht das Kultusministerium klar. Zugleich legt man in Dresden großen Wert darauf, dass das Ministerium „seit vielen Jahren der gesetzlichen Verpflichtung zur arbeitsmedizinischen Betreuung im vorbildlicher Weise“ nachkomme.

Dennoch sind die Krankentage deutlich angestiegen – und liegen inzwischen mit 5,9 Prozent sogar über dem Durchschnitt aller sächsischen Arbeitnehmer (5 Prozent). Kein Wunder, sagt Wolfgang Renner, der stellvertretende Landesvorsitzende des sächsischen Lehrerverbandes (SLV). „Der höhere Krankenstand ist Ausdruck der zunehmenden Belastung in den Schulen. Lehrer müssen immer mehr Aufwand betreiben und immer mehr aushalten“, kommentiert Renner die Statistik des Kultusministeriums.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Uschi Kruse, ist sich sicher: „Die Dunkelziffer kranker Lehrer ist noch viel höher.“ Viele würden zum Beispiel planbare Eingriffe auf die Ferien legen oder sich trotz Krankheit in die Schulen schleppen. „Der Anteil der Langzeitkranken ist mittlerweile Besorgnis erregend“, sagt Uschi Kruse. Hinzu kommt: „Die Ausfälle müssen von anderen Kollegen kompensiert werden, die wiederum einer stärkeren Belastung ausgesetzt sind. Das ist ein Teufelskreis.“ Deshalb müsse der Freistaat Sachsen deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen – erstens für eine bessere Vorsorge, und zweitens für mehr Lehrerstellen.

Viele Lehrer scheinen bereits zu kapitulieren, legt eine weitere Statistik des Kultusministeriums nahe: Auch aufgrund der hohen Belastung wollen immer mehr Lehrer in Teilzeit arbeiten. Aktuell unterrichten nur noch zwei Drittel als Vollzeitkräfte, während schon ein Drittel, also etwa 11 000 Pädagogen, ihre Stundenzahl teilweise deutlich reduziert hat. Mit mehr als 40 Prozent machen die älteren Lehrer dabei den größten Anteil aus.

Von Andreas Debski

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