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Sachsens Ärzteverband fordert radikale Einsparungen bei Massagen und Kuren

Hartmannbund Sachsens Ärzteverband fordert radikale Einsparungen bei Massagen und Kuren

Die Kosten für medizinische Behandlungen und Arzneimittel steigen in Deutschland rasant. Im vergangenen Jahr erreichten sie ein neues Rekordniveau von 36,9 Milliarden Euro. Der Hartmannbund in Sachsen fordert radikale Reformen.

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Quelle: dpa

Leipzig.  Die Kosten für medizinische Behandlungen und Arzneimittel steigen in Deutschland rasant. Im vergangenen Jahr erreichten sie ein neues Rekordniveau von 36,9 Milliarden Euro. Das Bundeskabinett brachte deshalb vergangene Woche eine Kostenbremse für Arzneimittel in der Gesetzlichen Krankenversicherung auf den Weg. Für den Vorsitzenden des Hartmannbundes in Sachsen, den Leipziger Mediziner Thomas Lipp, sind das nur kosmetische Reparaturen. Er fordert radikale Reformen.

Das Gesundheitssystem habe sich in seiner bestehenden Form überlebt, kritisiert er im Interview mit der LVZ. Lipp schlägt vor, medizinische Leistungen nach Vorrangigkeit zu erbringen. „Inzwischen wird breit diskutiert, ob es sinnvoll ist, einem Tumorpatienten mit absehbarem Ende Chemotherapie mit enormen Kosten zu verabreichen, nur weil es theoretisch machbar ist, damit er wenige Wochen länger mit erheblichsten Be-
schwerden lebt. Oder ob das Geld besser beispielsweise für gesunde Ernährung und Sport in Kindergärten verwendet wird“, so Lipp. „Wir müssen Prioritäten setzen, mit dem Ziel, aus den begrenzten Mitteln das Optimale herauszuholen.“ Gespart werden solle etwa bei Massagen und Kuren. Auch das System der Vorbeuge-Untersuchungen müsse überdacht werden. Politiker müssten der Bevölkerung offen sagen: Das Geld reicht nicht mehr immer für die modernste Medizin gegen alles und für jeden Patienten.

Der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, führt gesellschaftliche Werte und Normen ins Feld und merkt an: Wichtig sei dabei, dass keinem Patienten etwas vorenthalten werde.

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, Klaus Heckemann, mag auch nur teilweise mitgehen. „Tatsächlich muss man darauf achten, ob solche lebensverlängernden Therapien noch Sinn machen. Aber nicht unter finanziellem Gesichtspunkt.“ Vielmehr sei wichtig, den Nutzen der Therapien kritisch zu betrachten und zu eruieren, wie sie sich auf die Lebensqualität auswirkten. Heckemann: „Ärzte sollten Patienten nur Therapien anraten, die sie auch selbst nutzen oder für ihre Eltern empfehlen würden.“ Das hätte dann nebenbei auch einen Spareffekt, sollte aber nicht im Vordergrund stehen, so Heckemann.

Die für Sachsen und Thüringen zuständige Krankenkasse AOK Plus will sich hingegen nicht zum Thema positionieren. Grund: Es handele „sich um eine gesellschaftspolitische Diskussion, die noch nicht geführt wurde und im höchsten Grade durch individuelle ethische Wertvorstellungen geprägt ist“. Gleichzeitig wird eingeräumt: „Unwirtschaftlichkeiten im deutschen Gesundheitswesen“ seien durch Mehrfachuntersuchungen, unnötige Behandlungen, nicht medizinisch indizierte Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, unnötige stationäre Einweisungen sowie Fehlinanspruchnahmen von Rettungs- und Notdiensten begründet.

Eine Umfrage der Landesärztekammer unter 111 ehemaligen Führungskräften kam jüngst zu dem Schluss, dass in einem Drittel der sächsischen Krankenhäuser bereits heute Priorisierungen und Rationierungen erfolgen.

Von Roland Herold

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