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Sachsen will mehr für Sterbende tun - Ausbaubedarf bei Hospizen

Letzter Lebensabschnitt Sachsen will mehr für Sterbende tun - Ausbaubedarf bei Hospizen

Todkranke, bei denen eine medizinische Betreuung in heimischer Umgebung nicht mehr möglich ist, verbringen die letzte Phase ihres Lebens in einem Hospiz. Sachsen will diese Einrichtungen mehr unterstützen.

Laut Ministerium gibt es in Sachsen sieben Hospize für Erwachsene mit insgesamt 90 Betten.

Quelle: dpa

Dresden. Sterbenskranke und Trauernde sollen in Sachsen künftig besser betreut werden. „Uns allen liegt die Gestaltung des letzten Lebensabschnitts sehr am Herzen“, sagt Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU). So soll etwa die Förderung der ambulanten Hospizdienste und des Landesverbandes für Hospizarbeit und Palliativmedizin Sachsen von 640 000 Euro 2015 auf 648 800 Euro in diesem Jahr aufgestockt werden. Diese Förderung sei bundesweit einmalig, hieß es. Das Ministerium räumt jedoch ein, dass es bei den Hospizen einen regional begrenzten Ausbaubedarf gebe.

In Hospizen können unheilbar kranke Menschen - oft sind es Krebs- oder Herz-Patienten - die letzten Tage, Wochen oder Monate ihres Lebens verbringen - medizinisch umsorgt. Angehörige oder auch ehrenamtliche Sterbebegleiter können sie besuchen.

Die Menschen dürften beim Sterben nicht allein gelassen werden, sagt der Geschäftsführer Landesverband für Hospizarbeit und Palliativmedizin Sachsen, Sebastian Rudolf. „Es ist zwar ihr letzter Gang, aber in ihnen ist noch viel Leben.“ Er wünscht sich: „Wir müssen wieder mehr lernen, dass der Tod Teil des Lebens ist.“ Geschätzt kämen jedes Jahr rund 1500 Menschen in Sachsens Hospize. Auffällig sei, dass in letzter Zeit immer mehr Jüngere darunter seien.

Rudolf zufolge hat der Freistaat in der Vergangenheit mit seiner Landesförderung „viel Gutes“ getan. Eine Verbesserung auch in finanzieller Hinsicht erhoffe er sich jetzt vom neuen Hospiz- und Palliativgesetz des Bundes.

„In Hospizen und bei der Begegnung mit den Menschen geht es nicht immer nur traurig zu“, sagt die Landtagsabgeordnete, gelernte Krankenschwester und Trauertherapeutin Simone Lang (SPD). Sie hat in den vergangenen neun Jahren bei etwa 100 Menschen am Sterbebett gesessen, mit ihnen gesprochen. Viele hätten ein schweres Leben gehabt, den Krieg erlebt, hart gearbeitet und blickten dennoch oft zufrieden zurück. „Solche Geschichten lassen nicht unberührt“, sagt sie. „Dabei wächst Bewunderung. Wir müssen mehr in die Öffentlichkeit gehen und mehr von der Arbeit in den Hospizen berichten.“ Zudem müssten die Hinterbliebenen mehr in den Blick genommen werden. Manche kämen jahrelang über den Verlust eine geliebten Menschen nicht hinweg.

Laut Statistischem Landesamt sind in Sachsen 2014 mehr als 51 000 Menschen gestorben, die meisten von ihnen im Krankenhaus oder Pflegeheim. Laut Ministerium gibt es sieben Hospize für Erwachsene mit insgesamt 90 Betten: in Leipzig, Chemnitz, Herrnhut (Ostsachsen), Oederan (Mittelsachsen), Erlabrunn (Erzgebirge) und in Radebeul bei Dresden. Hinzu kommt ein Kinderhospiz in Leipzig mit 10 Betten.

Es gibt mehr als 30 Palliativstationen an Krankenhäusern mit zusammen 230 Betten. Die Palliativmedizin soll Beschwerden wie Schmerz, Übelkeit oder auch Depressionen reduzieren, um unheilbar kranken Menschen ein erträgliches und würdevolles Leben bis zuletzt zu ermöglichen.

In Sachsen gibt es zudem 53 ambulante Hospizdienste - davon 6 speziell für Kinder und Jugendliche - mit zusammen mehr als 1600 ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und –helfern. Es sei nicht einfach, neue Menschen für diese Arbeit zu begeistern, sagt Rudolf. „Meist kommen nur welche, die selbst schon Kontakt mit dem Tod hatten, die jemanden verloren haben. Dabei haben sie erfahren, dass auch im Sterben letztlich viel Leben steckt.“

Dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband zufolge gab es in ganz Deutschland 1996 noch 28 Palliativstationen und 30 stationäre Hospize für Erwachsene. Bis 2015 habe sich die Zahl mehr als verachtfacht: auf 304 Palliativstationen und -einheiten sowie 236 stationäre Hospize einschließlich jener für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Im bundesweiten Vergleich ist Sachsen demnach eher mittelmäßig ausgestattet. Mit 22 Betten auf eine Million Einwohner liegt das Land bei den stationären Hospizen unter dem Bundesdurchschnitt von 27. Dafür folgt es mit 50 Betten je eine Million Einwohner bei den Palliativstationen nach Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern schon auf den dritten Platz. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 31.

Mit 228 Euro zahlen die Pflege- und Krankenkassen in Sachsen den geringsten Tagesbedarfssatz für stationäre Hospize aller Länder. Bundesweit werden durchschnittlich 275 Euro gezahlt. „Für viele Hospize ist es deshalb schwierig, wirtschaftlich über die Runden zu kommen“, sagt Rudolf. Aber wichtig sei: „In Sachsen kann praktisch jeder in seiner Umgebung Hilfe finden.“

Unter Federführung des Neuen Leipziger Barockensembles veranstalten Musiker in der Nikolaikirche in der nächsten Woche ein Benefizkonzert zugunsten des Kinderhospizes „Bärenherz“. Das Motto der Veranstaltung: „Musiker haben ein Bärenherz“.

dpa

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