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Sachsen im Satire-Kreuzfeuer - „Das muss man aushalten“

Künstler: Sachsen im Satire-Kreuzfeuer - „Das muss man aushalten“

Die fremdenfeindlichen Ausfälle seiner „besorgten Bürger“ haben Sachsen in Verruf gebracht und zur Zielscheibe bissiger Satire gemacht. „Satire ist richtig und wichtig“, sagt der Autor André Herrmann. „Wenn sowas passiert, dann muss man das jetzt eben mal aushalten.“

Quelle: dpa

Dresden/Leipzig. Die fremdenfeindlichen Ausfälle seiner „besorgten Bürger“ haben Sachsen in Verruf gebracht und zur Zielscheibe bissiger Satire gemacht. Die Sendung „Extra3“ rief den Wettbewerb „Germany's next Top Mob“ aus. Die ZDF-„heute-show“ befragte einen gequält sächselnden Hauptkommissar Ronny Humboldt zum Stand der Ermittlung zur Flüchtlingsbus-Blockade in Clausnitz. Gut kommt das einst so stolze Bundesland dabei natürlich nicht weg.

„Satire ist richtig und wichtig“, sagt der Autor André Herrmann. „Wenn sowas passiert, dann muss man das jetzt eben mal aushalten.“ Herrmann, groß geworden in Sachsen-Anhalt und Erfinder des Begriffs „Hypezig“ für Leipzig, lebt zwar inzwischen in Brüssel, ist aber Sachsen weiter verbunden. „Krass“ ist das Wort, das dem 29-Jährigen einfällt, wenn er die Zustände im Freistaat beschreiben soll.

Allein im Februar gab es mehrere Vorkommnisse, die bundesweit für Kritik und Unverständnis sorgten: In Clausnitz blockierte ein Mob von rund 100 Menschen einen Bus mit Flüchtlingen. In Bautzen bejubelten Schaulustige den Brand einer geplanten Flüchtlingsunterkunft. Und nach Angaben der Opferberatung Sachsen hat sich die Zahl rechtsmotivierter Gewaltstraftaten im vorigen Jahr in Sachsen fast verdoppelt.

„Dass Fremdenfeindlichkeit existiert, überrascht mich nicht. Sachsen war noch nie als besonders fremdenfreundliches Bundesland bekannt“, sagt Herrmann. „Was mich überrascht ist, wie selbstgefällig solche Sachen inzwischen geäußert werden, dass solche Parolen vertreten werden, ohne dass man sich Gedanken über Konsequenzen macht.“

Auch der Autor, Poetry-Slammer und Musiker Julius Fischer sagt, er beobachte die Geschehnisse mit Unverständnis. „Ich bin grundsätzlich so erzogen worden, dass man allem, was neu ist, mit Offenheit begegnet. Dass man Angst in Gewalt ausdrückt, dafür habe ich kein Verständnis. Angriffe auf Flüchtlingsheime lehne ich ab, egal was sie nun sein sollen - politische Meinungsäußerung oder tumbe Gewalt.“ Fischer, 1984 in Gera geboren, ist in Dresden aufgewachsen, lebt aber seit vielen Jahren in Leipzig.

Herrmann und Fischer stehen damit in einer Reihe jüngerer ostdeutscher Künstler, die sich gegen Fremdenhass und Gewalt, gegen Pegida und Legida wenden. Die Chemnitzer Band Kraftklub zum Beispiel beteiligte sich an den Antigida-Protesten. Die Band Silbermond nutzte den Auftakt ihrer Tour in Bautzen unmittelbar nach dem Brand einer geplanten Asylunterkunft Ende Februar für klare Worte. „In der Demokratie gibt es Regeln, dazu gehört auch, keine Häuser anzuzünden. Und wer sich daran nicht hält, ist falsch hier“, sagte Sängerin Stefanie Kloß in ihrer Heimatstadt.

Gegen die Vorurteile und den Alltagsrassismus müsse dringend etwas getan werden, finden Herrmann und Fischer. „Man muss für meine Begriffe in den Schulen ansetzen. Schon in der Schule muss klargemacht werden, dass es nicht okay ist, mit solchen Vorurteilen durchs Leben zu gehen“, sagt Herrmann. Er selbst ist vorigen Sommer aus der Messestadt weggezogen, aber aus persönlichen Gründen. „Es ist ja auch nicht so, dass an jeder Ecke der braune Mob lauert.“ Jetzt wegen der Fremdenfeindlichkeit wegzuziehen, sei das völlig falsche Signal.

Auch Julius Fischer, der mit seinem Musikprojekt „The Fuck Hornisschen Orchestra“ in einem Sachsen-Song über schlecht gelaunte Rechte im Erzgebirge singt, sagt: „Mir ist es nicht peinlich, in Sachsen zu sein. Ich lebe gerne in Leipzig.“

dpa

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