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Sachsen führt Reanimations-Unterricht ein

Wiederbelebung wird Schulfach Sachsen führt Reanimations-Unterricht ein

Täglich sterben bundesweit 200 Menschen an den Folgen eines plötzlichen Herzstillstandes. Sachsen und Thüringen führen deshalb den Reanimations-Unterricht ein: Schon Siebtklässler sollen lernen, wie Menschen wiederbelebt werden können – Notfallmediziner loben diese Initiative.

Der Deutsche Rat für Wiederbelebung setzt sich seit langem für einen Reanimations-Unterricht ab der Klasse 7 ein.

Quelle: Andre Kempner

Dresden . Täglich sterben bundesweit 200 Menschen an den Folgen eines plötzlichen Herzstillstandes – das ist, als würde jeden Tag ein Flugzeug abstürzen. Deshalb gehen Sachsen und Thüringen jetzt neue Wege, um Menschenleben zu retten: Beide Bundesländer führen den Reanimations-Unterricht ein. Während beim Kultusministerium in Dresden momentan die Ausschreibungen für Kurse zur Wiederbelebung laufen, sieht der Thüringer Lehrplan ab diesem Schuljahr schon verbindliche Einheiten für Siebtklässler vor. In Sachsen ist die Einführung solcher Kurse ab dem Schuljahr 2016/2017 geplant, auch die finanziellen Verhandlungen laufen bereits.

„Jeder Mensch kann in eine Notsituation geraten. Deshalb ist es wichtig, dass man so schnell wie möglich Hilfe erhält. Mit dem neuen Kurs wollen wir Schüler in die Lage versetzen, diese Hilfe kompetent leisten zu können, um Leben zu retten“, erklärt Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) die Initiative. Auch ihre sächsische Amtskollegin Brunhild Kurth (CDU) meint: „Erste-Hilfe und Reanimation sind lebensrettend. Schule leistet ihren Beitrag, um die Bedeutung des Themas und erste Kenntnisse darüber zu vermitteln. Nur durch kontinuierliches Training werden die Fähigkeiten zum Leben retten gefestigt.“ Unterstützung kommt von Sachsens Gesundheitsministerium Barbara Klepsch (CDU): „Es ist gut, wenn lebensrettende Maßnahmen bereits in der Schule vermittelt werden. Schließlich kann jeder jederzeit zum Retter werden.“

 

Der Deutsche Rat für Wiederbelebung, dem alle großen Rettungsorganisationen und führende Notfallmediziner angehören, setzt sich seit langem für einen Reanimations-Unterricht ab der Klasse 7 ein – bislang allerdings mit verhaltenem Erfolg. Einzig Mecklenburg-Vorpommern bietet bereits die Kurse an, in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen laufen die Vorbereitungen. Dabei hatte die Kultusministerkonferenz vor anderthalb Jahren die Bundesländer angehalten, die Einweisung in die Wiederbelebung zum Lehrstoff zu machen. „Das Thema wird leider immer noch unterschätzt. Menschen, denen sofort geholfen wird, haben eine vierfach höhere Überlebenschance“, sagt Bernd W. Böttiger, der Vorsitzende des Deutschen Rates für Wiederbelebung. Er ist sich sicher: „Würde mehr Geld in Reanimationskurse investiert werden, könnten wir jedes Jahr rund 10.000 Menschen mehr vor dem Tod bewahren.“

Deshalb wurde jetzt in Thüringen – wo es wie in Sachsen bereits Erste-Hilfe-Seminare auch für Schüler gibt – das neue Lehrplan-Modul „Wiederbelebung“ als unterrichtsbegleitendes oder außerschulisches Angebot eingeführt. Gemeinsam mit Hilfsorganisationen wie dem DRK oder der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft wurden Kurseinheiten erarbeitet. „Die Schulen entscheiden dann selbst, in welcher Form die Module genutzt werden Unterricht, bei Sportfesten oder auch im Rahmen von Projekttagen“, erklärt Kultusministerin Klaubert. „Ziel ist, die Überlebenschancen in Notfällen zu erhöhen und das Selbstbewusstsein wie auch die Fähigkeiten der Schüler zu stärken.“

Das Vorpreschen der beiden Ost-Freistaaten wird bundesweit honoriert: „Ich wünsche mir, dass noch mehr Bundesländer nachziehen – bei einem plötzlichen Herzstillstand Leben zu retten ist nicht nur relativ einfach, sondern gibt auch dem Helfer ein sehr gutes Gefühl“, sagt der Intensiv- und Notfallmediziner Böttiger aus seiner Erfahrung. Deutschland ist in Sachen Lebensrettung seit Jahren Schlusslicht in Europa: Während in Skandinavien in 70 bis 80 Prozent der Notfälle sofort mit einer Reanimation begonnen wird, sind es in Deutschland noch nicht mal 30 Prozent.

Von Andreas Debski

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