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Sachsen fehlen Fachkräfte für Gewaltprävention

Sachsen fehlen Fachkräfte für Gewaltprävention

"Vom Mehrwert des Sozialen". So lautet das Motto des 3. Kongresses für Soziale Arbeit, der von Donnerstag bis Sonnabend in der Evangelischen Hochschule (ehs) in Dresden stattfindet.

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Prof. Ralf Evers in seinem Arbeitszimmer in der Evangelischen Hochschule.

Dresden . Stephan Hönigschmid sprach im Vorfeld der Veranstaltung mit ehs-Rektor Prof. Ralf Evers über die Inhalte des Kongresses sowie über Probleme und Herausforderungen der Sozialarbeit.

Wo liegt der Schwerpunkt des Kongresses?

Der Kongress hat ein konkretes und ein grundsätzliches Thema. Konkret steht der sächsische Hochschulentwicklungsplan im Vordergrund. Die veranstaltenden Hochschulen möchten zur Diskussion stellen, wie sich die Ausbildungsstrukturen verändern müssen, um den Anforderungen auch in Zukunft gerecht zu werden. Unser grundsätzliches Thema handelt davon, welche Bedeutung man dem sozialen Bereich als größtem Arbeitgeber in Sachsen beimisst.

Wie wird die Veranstaltung ablauf-en?

Den Rahmen des Kongresses bilden Vorträge über bundesweite Entwicklungen auf den verschiedenen Gebieten der sozialen Arbeit. In Workshops werden die Themen anschließend auf die sächsischen Verhältnisse heruntergebrochen. Der Kongress dient zum einen dem Austausch der Wissenschaftler untereinander und zum anderen der Vernetzung mit den Praktikern.

Welche Referenten wurden eingeladen?

Unter anderem spricht Richard Münchmeier darüber, wie sich die Gesellschaft durch Partizipation ihre eigene Zukunft schafft. Dabei wird zum Beispiel eine Rolle spielen, dass Eltern bei der Schulentwicklung und ältere Menschen bei der Entwicklung von Stadtteilen viel selbstverständlicher als bisher beteiligt werden sollten. Außerdem blickt Hans Thiersch auf das 1990 in Kraft getretene Kinder- und Jugendhilfegesetz und analysiert, ob sich die Strukturen, die damals geschaffen worden sind, in Sachsen bewährt haben.

Welche Probleme gibt es im sozialen Bereich aktuell?

Wir haben gegenwärtig in Sachsen nur 92 Sozialarbeiter auf 100 000 Einwohner. Im Vergleich mit anderen Bundesländern wie Baden Württemberg und Bayern, wo 125 beziehungsweise 142 Sozialarbeiter auf 100 000 Einwohner zur Verfügung stehen, ist das eindeutig zu wenig, obgleich die Sozialarbeiter in Sachsen durch die aktuelle Hochschulsituation vergleichsweise sehr gut ausgebildet sind. Wir haben aber inzwischen Schwierigkeiten, wichtige Handlungsfelder wie Gewaltprävention oder Schulsozialarbeit mit Fachkräften abzudecken. Es sollten aus unserer Sicht mindestens 30 Prozent mehr sein. Neben der Sozialen Arbeit haben wir einen Bedarf von 400 hochschulisch ausgebildeten frühpädagogischen Fachkräften pro Jahr. An allen sächsischen Hochschulen werden aber nur 60 ausgebildet. Ähnliches gilt für akademische Pflegekräfte. Auch hier werden bis zu 400 pro Jahr benötigt.

Welche Folgen ergeben sich daraus?

Ein gutes Beispiel ist der Verein Sächsische Landjugend. Er hat sich vor allem in Mittweida und Umgebung sehr aktiv gegen Rechtsextremismus engagiert und präventive Arbeit geleistet. Nachdem der Freistaat seine Grundförderung für die Vereine massiv reduziert hat und nur noch einzelne Projekte fördert, musste die Sächsische Landjugend im vergangenen Jahr ihre Bildungsarbeit einstellen. Mit der derzeitigen Zahl an Sozialarbeitern kann man jedoch nur auf Fehlentwicklungen reagieren, aber nicht agieren.

Warum werden die benötigten Studienplätze nicht geschaffen?

Wenn nicht mehr Geld zur Verfügung steht, müssen Prioritäten gesetzt werden. Deshalb haben wir ein Steuerungsproblem. Die Universitäten und Hochschulen können selbst Schwerpunkte setzen. Auf diese Weise hat erst vor kurzem die TU Dresden entschieden, den Masterstudiengang "Childhood Research", der sich mit Frühpädagogik beschäftigt hat, einzustellen. Der klaren Ausrichtung auf den MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) stellen wir auf dem Kongress die Vorzüge des SAGE-Bereichs (Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung) an die Seite.

Warum sollte man angesichts des demografischen Wandels mehr Absolventen in den sozialen Berufen benötigen?

Nehmen sie als Beispiel eine kleine Gemeinde in der Oberlausitz, wo immer weniger und immer ältere Menschen leben. Dort müssen Pflegekräfte teilweise auch medizinische Aufgaben mit übernehmen und eine erste Schmerzversorgung sowie eine Pflegeberatung anbieten können. Sozialarbeiter vernetzen ehrenamtlich Engagierte mit Schulen und Kitas. Erzieherinnen beraten Familien. Das geht nur, wenn sie entsprechend ausgebildet sind.

Wie sieht der Arbeitsmarkt im Bereich der sozialen Arbeit aus?

Derzeit arbeiten etwa 80 000 Sachsen in sozialen Berufen. Es gibt faktisch keine Arbeitslosigkeit und der Bedarf steigt weiter.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.11.2012

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