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Sachsen bestellt 750.000 Jodtabletten

Vorsorge für Atomunfall Sachsen bestellt 750.000 Jodtabletten

Für den Fall eines Atomunfalls hat Sachsen vorgesorgt. Der Freistaat habe 750.000 Jodtabletten beim Bund geordert, sagte auf Anfrage eine Sprecherin von Innenminister Markus Ulbig (CDU). Weiter Bestellungen dieser Tabletten seien jedoch nicht vorgesehen.

Kaliumjodid wird bei nuklearen Zwischenfällen eingesetzt, weil es die Aufnahme radioaktiven Jods im Körper stark abschwächt

Quelle: dpa

Erfurt/Dresden.  Für den Fall eines Atomunfalls hat das Thüringer Innenministerium beim Bund einen Bedarf von Jodtabletten für etwa 550 000 Thüringer angemeldet. Anders als Nordrhein-Westfalen wolle der Freistaat aber keine eigene Initiative ergreifen, um Jodtabletten für die Bevölkerung im Freistaat zu beschaffen, sagte gestern ein Sprecher des Ministeriums.

Auch Sachsen sorgt vor. Der Freistaat habe 750 000 Jodtabletten beim Bund geordert, sagte gestern auf Anfrage eine Sprecherin von Innenminister Markus Ulbig (CDU). Weiter Bestellungen dieser Tabletten seien jedoch nicht vorgesehen.

Die Bemühungen Nordrhein-Westfalens (NRW) um Jodtabletten seien zwar zu begrüßen. Sie bildeten aber aus hiesiger Sicht die Verantwortlichkeiten nicht richtig ab. „Zuständig für die Bereitstellung und Finanzierung von Jodtabletten bei kerntechnischen Unfällen außerhalb der Katastrophenschutzradien von Kernkraftwerken ist der Bund“, sagte der Sprecher in Thüringen weiter.

Nordrhein-Westfalen lagert seit Jahren nach eigenen Angaben die für seine Bevölkerung vorgesehenen Jodtabletten bei sich im Land statt in den Zentrallagern des Bundes. Zuletzt hatte das Land auf eigene Initiative hin noch einmal etwa 21 Millionen der Pillen zusätzlich bestellt – zu Kosten von etwa
800 000 Euro. Aus NRW-Sicht agiere der Bund bei der Beschaffung des Medikaments nicht aktiv genug, hatte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums vor wenigen Tagen erklärt. Das Land behalte sich die Forderung nach Erstattung der Kosten vor.

Kaliumjodid wird bei nuklearen Zwischenfällen eingesetzt, weil es die Aufnahme radioaktiven Jods im Körper stark abschwächt. Zwar gibt es in NRW selbst keine Atomkraftwerke. Doch nach einer Serie von Pannen in belgischen Atommeilern ist die Angst in dem Land vor einem nuklearen Zwischenfall hoch.

Der Sprecher des Thüringer Innenministeriums sagte, um die etwa 550 000 Thüringer im Falle eines Atomunfalls mit Jodtabletten versorgen zu können, rechne man nach einer groben Schätzung mit einem Maximalbedarf von etwa einer Million Tabletten. Die würde im Fall der Fälle aber eben nicht an alle Menschen im Freistaat verteilt, sondern nur an einen bestimmten Personenkreis. Dieser Personenkreis bestimme sich danach, wer in welcher Entfernung von dem Atomkraftwerk lebe, in dem es einen Zwischenfall gebe.

Da sich die Empfehlungen zum Einsatz des Medikaments im Falle eines Unfalls vor einigen Monaten geändert hätten, sei der Bedarf an diesen Pillen auch für Thüringen nun höher als er in der Vergangenheit geschätzt worden sei, sagte der Sprecher des Innenministeriums weiter. Wie genau dieser Mehrbedarf an Tabletten finanziert, beschafft und verteilt werden solle, könne erst geklärt werden, wenn der Bund sich dazu äußere.

Von Sebastian Haak und Jürgen Kochinke

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