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Rohmilch frisch von der Kuh – Bauern stellen immer mehr Automaten auf

Bereits 16 Zapfstellen in Sachsen Rohmilch frisch von der Kuh – Bauern stellen immer mehr Automaten auf

Wer frische Rohmilch vom Hersteller kaufen will, wird in immer mehr Orten in Mitteldeutschland fündig. Allerdings muss man wissen, wo ein Milchautomat steht. Die Suche im Internet ist, wie ein Versuch der Dresdner Neuesten Nachrichten zeigt, nicht ganz leicht.

 
 
 

Quelle: dpa

Leipzig.  Wer frische Rohmilch vom Hersteller kaufen will, wird in immer mehr Orten in Mitteldeutschland fündig. Allerdings muss man wissen, wo ein Milchautomat steht. Die Suche im Internet ist, wie ein Versuch der Dresdner Neuesten Nachrichten zeigt, nicht ganz leicht. In Sachsen etwa fehlt selbst dem Landesbauernverband der genaue Überblick für den Freistaat. „Wir sind am Thema dran, tragen zurzeit alle Standorte von Milchautomaten zusammen“, sagt Hauptgeschäftsführer Manfred Uhlemann.

Verkauf im Pförtnerhäuschen

Die Internetseite www.milchtankstellen.de liefert einen bundesweiten Überblick. Allerdings sind dort Anbieter verzeichnet, die den Namen Milchtankstelle führen dürfen und dafür einen Obolus entrichten. In westlichen Bundesländern gibt es eine Vielzahl von Einträgen, in Sachsen und Thüringen sind es jeweils nur zwei beziehungsweise drei.

Einige Einträge mehr finden sich auf der Seite www.milchautomaten-direktvermarkter.de. „Das hat super geklappt. Ich habe dort meine Daten einfach eingestellt“, sagt Thomas Rößner von der Genossenschaft Agrarprodukte Kitzen (Kreis Leipzig). Die Genossenschaft hat im Sommer des vorigen Jahres ihr Pförtnerhäuschen umgebaut und einen Automaten installiert. „Das Geschäft läuft super“, so Rößner. Im vergangenen November kam eine zweite Zapfsäule im Unternehmensteil im Südwesten Leipzigs dazu. „Wir verkaufen am Tag rund
480 Liter Milch.“ Die Kunden können ihre Gläser, Flaschen oder Thermoskannen mitbringen. Es gibt aber auch Möglichkeiten, sich eine Pfandflasche zu ziehen.

Rößner kam bei Reisen durch den sächsischen Süden auf die Idee. Im Vogtland gibt es mehrere Agrarbetriebe und Familienhöfe, die ihre Milch am Automaten verkaufen – etwa im Milchgut Triebtal in Trieb bei Falkenstein (Vogtlandkreis) oder bei der Familie Grimm
in Niederwürschnitz (Erzgebirgskreis). Die Grimms haben ihren Automaten Frischmilchzapfe genannt.

Frische Milch, aber nicht aus dem Automaten, gibt es im Hofladen der Agrargenossenschaft Großzöbern (Vogtlandkreis). „Die Milch wird vorbestellt. Die Kunden holen sie ab und unterschreiben, dass sie abgekocht werden muss“, sagt Katja Beuchold, die den Laden leitet. Einen Automaten anzuschaffen lohnt nicht. Die gesetzlichen Bestimmungen seien sehr streng. Weil die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf, muss das Gerät in der Nähe des Erzeugerbetriebs stehen.

Die Vorschriften sind in der Tat nicht ohne, sagt auch Rößner von der Genossenschaft Kitzen. Die Milch wird direkt nach dem Melken auf vier Grad herunter gekühlt. Da es sich um Rohmilch handelt, darf der Hinweis auf dem Automaten nicht fehlen, dass das Lebensmittel vor dem Verzehr auf wenigstens 70 Grad erhitzt werden muss. Beim Melken könnten sich Keime einschleichen, die nicht jeder verträgt. Von den Kunden weiß er aber, dass jeder Zweite die Milch einfach so trinkt.

Die Anschaffungskosten für eine Zapfstelle sind nicht ohne. Je nach Hersteller und Größe müssen 10 000 bis über 20 000 Euro eingeplant werden. Eingebaut werden die Automaten in Container, Holzhäuschen oder bereits vorhandene Räumlichkeiten.

Je größer der Absatz, desto schneller hat sich die Ausgabe amortisiert. Zwischen 75 Cent und einem Euro verlangen die heimischen Milchbauern für den Liter unbehandelte Rohmilch. Verkaufen sie an Großkonzerne, erhalten sie rund zwei Drittel weniger.

Ob sich die Investition lohne, entscheide letztlich der Verbraucher, meint Uhlemann vom sächsischen Landesbauernverband. Man registriere ein wachsendes Interesse an heimischen Produkten. Der Besucherandrang bei Tagen des offenen Hofes sei groß. „Die Leute wollen wissen, wie die Tiere gehalten werden. Außerdem will der Verbraucher die Erzeuger unterstützen. Die Diskussion um faire Milchpreise hat das beflügelt.“

Bauern zeigen sich kreativ

„Wir allein können die Nachfrage nach heimischen Produkten stärken“, meint Karsten Scheffler, der einen bäuerlichen Betrieb in Gerbstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt) betreibt. Weil sich eine Zapfstelle am Hof nicht rechne, pasteurisiert er die Milch seiner Kühe. Sie werde kurz – für 15 bis
20 Sekunden – erhitzt. „Das tötet die meisten Keime ab. Die Vitamine bleiben alle drin.“ Am Süßen See bei Eisleben hat er bereits einen Automaten installiert. Der Absatz laufe super. Scheffler will jetzt vor mehreren Supermärkten in Halle Geräte aufstellen. Die Verträge habe er in der Tasche.

Von Andreas Dunte

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