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Prost – Regionaler Bierbrauer-Markt wird größer

Braukunst Prost – Regionaler Bierbrauer-Markt wird größer

Noch produziert Olaf Wirths sein Bier in mehreren Kleinbrauereien, unter anderem in Finsterwalde (Elbe-Elster). Doch in wenigen Monaten soll sich das Ziel des 44-Jährigen verwirklichen: Eine eigene kleine Brauerei in Cottbus. Auch im Nachbarland Sachsen gibt es diesen Trend.

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Quelle: dpa

Cottbus/Görlitz. Noch produziert Olaf Wirths sein Bier in mehreren Kleinbrauereien, unter anderem in Finsterwalde (Elbe-Elster). Doch in wenigen Monaten soll sich das Ziel des 44-Jährigen verwirklichen: Eine eigene kleine Brauerei in Cottbus. Besonders alte Sorten haben es dem Biersommelier angetan. Der Markt von Klein- und Gasthausbrauereien wächst in Brandenburg. Auch im Nachbarland Sachsen gibt es diesen Trend.

Wirths, der eigentlich Zimmermann von Beruf ist, entdeckte auf der traditionellen Walz seine Leidenschaft für Bier, wie er erzählt. Für ihn sei Bier nicht nur ein „Allerweltsgetränk“. „Bier hat etwas Kulturprägendes“, sagt er.

Die Biersorten seiner Firma Labieratorium tragen Namen wie „Schwarze Pumpe“, „F 60 Paranoid“ oder „Alte Welt“. Der regionale Brauer stellt damit den Bezug zu seiner Wahlheimat der Niederlausitz her. Schwarze Pumpe heißen ein Ort und ein Industriepark, die auf der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen liegen. Zu DDR-Zeiten war das Gaskombinat Schwarze Pumpe ein Kohleveredlungsbetrieb.

Nach der Ausbildung zum Biersommelier begann Wirths Bier in kleinen Suden zu brauen. Wird ein neues Bierrezept entwickelt, so wird ein erster Probesud angesetzt. Bislang hat Labieratorium drei Biere auf den Markt gebracht, demnächst soll es zwei weitere geben. Das Bier ist in regionalen Supermärkten, im Internet und in Getränkemärkten zu finden. Wirths braut naturbelassene, unfiltrierte Biere.

In Brandenburg gibt es 20 Klein- und Gasthausbrauereien, wie der Verein für Kleinbrauereien angibt. Sie wollen einen Kontrapunkt zu den großen Bierkonzernen setzen. Im vergangenen Jahr kürten sie erstmals eine Bierkönigin. Anlässlich des 500. Jubiläums des Reinheitsgebotes soll es in diesem Jahr viele Aktionen geben, darunter eine Bierstraße.

In Sachsen gibt es rund 60 Brauereien - neben sieben Konzerntöchtern wie etwa die zur Bitburger-Gruppe gehörende Wernersgrüner Brauerei oder die Radeberger Brauerei (Radeberger Gruppe) haben sich rund 30 kleine Brauerei-Gasthöfe etabliert. „Deren Zahl ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Manche haben in der Garage angefangen und nun ihre Sorten ausgebaut“, sagt Barbara Sarx-Lohse, Geschäftsführerin des Sächsischen Brauerbundes. 2015 sind regionale Brauereien in Bautzen und Schmilka hinzugekommen.

Obwohl der Bierabsatz in Deutschland sinkt - laut Statistischem Bundesamt fiel er 2015 um 0,7 Prozent auf ein Rekordtief von 79,5 Millionen Hektolitern - können viele kleine Brauereien ihren Absatz steigern.

Der Mitinhaber der Braumanufaktur Forsthaus Templin in Potsdam, Thomas Köhler, sagt: „Es wird immer mehr.“ Die Wachstumsraten lägen jährlich bei 25 bis 30 Prozent. Die Braumanufaktur bietet Bio-Bier an.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, Holger Eichele, sagt: „Die Craftszene wächst, weil immer mehr Menschen das Handwerk des Brauens für sich entdecken und mit den vier Rohstoffen Wasser, Malz, Hopfen und Hefe arbeiten möchten.“ Der Verein unterstütze diese Entwicklung. Craft-Beer bedeutet handwerklich gebrautes Bier.

Die Brauerei Gasthof Zwönitz im sächsischen Erzgebirge hat ihr Angebot an Craft-Beer ausgebaut und mittlerweile neun regionale Sorten im Angebot - darunter ein Bockbier, das ein halbes Jahr im Whisky-Fass lagert oder ein „Feieromd-Bier“ - eine Anspielung auf die erzgebirgische Mundart. In diesem Sommer kommt noch ein Bio-Weissbier dazu. „Unser Bier hat Ecken und Kanten, weil es handwerklich hergestellt ist“, sagt Geschäftsführer und Braumeister Dominik Naumann. Er sieht die großen Brauereien unter Zugzwang. „Das Einheitsbier, vor allem das Pils, ist immer weniger gefragt.“ Die Zwönitzer Brauerei habe 2015 zweistellige Umsatzzuwächse verbucht. Genaue Zahlen nannte Naumann nicht.

Der sächsische Brauerbund sieht den wachsenden Craft-Beer-Markt nicht unbedingt als Konkurrenz für die großen Brauereien, sondern als Ergänzung. „Es ist immer noch ein Nischenprodukt“, so Chefin Sarx-Lohse. Zugleich geht die Expertin davon aus, dass der Markt in den nächsten Jahren weiter wächst, die Sortenvielfalt größer wird. „Wenn man ein Craft-Beer trinkt, probiert man an einem Abend verschiedene Sorten aus, beim Fußballschauen bleibt man wohl eher bei seinem Lieblingsbier.“

Auch manch größerer Betrieb wie die Görlitzer Landskron-Brauerei setzt neben dem herkömmlichen Pils auch auf ausgefallene Gourmetbiere, etwa mit Whisky-Malz. Dagegen bleibt die Radeberger Exportbierbrauerei beim Radeberger Pilsner. „Wir konzentrieren uns ganz bewusst voll auf die Sorte Pils und bieten unter der Markenbezeichnung Radeberger keine weiteren Sorten an“, erklärte eine Sprecherin.

Sachsens Brauereien haben 2015 deutlich mehr Bier verkauft. Der Absatz stieg 2015 um 4,4 Prozent auf insgesamt 8,5 Millionen Hektoliter. Damit verbuchte der Freistaat bundesweit den stärksten Zuwachs.

Zurück zu Olaf Wirths. Den Traum von einer eigenen Brauerei will das Cottbuser Team von Labieratorium auch mit Hilfe von sogenanntem Crowdfunding verwirklichen. Das Prinzip von Crowdfunding: Leute geben Geld für das Projekt und wenn eine bestimmte Summe erreicht wird, kann es realisiert werden. Wirths ist zuversichtlich: „Bier braucht Heimat und es gibt keinen einzigen Grund dafür, dass wir das in Cottbus nicht verwirklichen können.“

dpa

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