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Neuer CDU-Fraktionschef Kupfer - der Mann ohne Allüren und (fast) ohne Gegner

Neuer CDU-Fraktionschef Kupfer - der Mann ohne Allüren und (fast) ohne Gegner

Gelöst wirkte Frank Kupfer, als er gestern vor die versammelten Journalisten trat. Beinahe federnd schritt er in den kleinen Raum, in den die Presse geladen war.

Der noch amtierende Umweltminister hatte allen Grund dazu. Kurz zuvor war ihm von den CDU-Abgeordneten im neuen Amt ein warmer Einstand bereitet worden. Lediglich zwei Unionspolitiker votierten bei Kupfers Wahl zum Fraktionsvorsitzenden gegen ihn - ein Wahlergebnis von 96,6 Prozent. Kupfer konnte sich getragen fühlen. "Ich bin überrascht von dieser hohen Zustimmung und auch sehr dankbar", sagte er und merkte an: "Das ist auch eine Verpflichtung."

Am Montagabend hatte der CDU-Vorsitzende und Ministerpräsident Stanislaw Tillich den Landesvorstand unterrichtet, dass er Kupfer der Fraktion als Nachfolger für Steffen Flath vorschlagen wolle, der sich aus der Politik zurückzieht. Die Parlamentarier hatten diese Entscheidung erwartet. Widerstand gegen diese Personalie war nicht erkennbar. Kupfer genießt in den Reihen der CDU-Abgeordneten ein hohes Ansehen. Gegner des Nordsachsen müssen mit der Lupe gesucht werden. Denn Kupfer hatte immer einen Fehler vermieden: Gegenüber den Kollegen trat er als Minister nicht arrogant auf. Unionsleute loben, dass er auch nach dem Eintritt ins sächsische Kabinett nie Allüren entwickelt habe.

Stattdessen verstand sich Kupfer weiterhin als fester Bestandteil der Fraktion und gleichberechtigtes Mitglied. Er reihte sich auch als Minister ein - und fiel dadurch positiv auf. Sympathisch sei er geblieben, lautet das allgemeine Urteil. Aus den eigenen Reihen werden aus diesem Grund keine Störfeuer erwartet. Zudem erleichtert es Kupfers Start, dass er ausgesprochenen Stallgeruch hat. Schließlich sitzt er seit 1994 im Landtag. Ende der neunziger Jahre amtierte er zwei Jahre lang als CDU-Generalsekretär. Sein Vorgänger hieß heute wie damals Flath.

Kupfers Schritt an die Fraktionsspitze hat gleichwohl viel mit Parteiräson zu tun. Der 52-Jährige wäre dem Vernehmen nach gern Umweltminister geblieben. Aber Tillich traut ihm am ehesten zu, den Laden beisammen und der künftigen Regierung den Rücken frei zu halten. Das Machtgefüge in der Union wird durch diese Entscheidung nicht erschüttert. Der Abgeordnete Thomas Schmidt, der sich eine Zeit lang Hoffnung auf Flaths Nachfolge gemacht hat, kündigte gestern im Gespräch mit dieser Zeitung an, dass er weiterhin stellvertretender Fraktionschef bleiben wolle. Viele gehen aber davon aus, dass Schmidt ins nächste Kabinett als Umweltminister einzieht. Aus den CDU-Reihen werden allenfalls noch Georg-Ludwig von Breitenbuch aus Kohren-Sahlis Außenseiterchancen auf diesen Posten eingeräumt.

Dennoch ist auffällig, dass mit Kupfer ein politisch eher unbeschriebenes Blatt an die Spitze der Fraktion tritt. Als Generalsekretär fiel er in seiner zweijährigen Amtszeit nicht mit Vorstößen auf, war eher der erste Vertraute des damaligen Parteivorsitzenden Fritz Hähle. Auch als einfacher Abgeordneter blieb er blass. Seine Berufung zum Umwelt- und Landwirtschaftsminister galt deswegen 2008 als kleine Überraschung. Nun setzt die neue Fraktion darauf, dass sich Kupfer wie vor sechs Jahren schnell in sein Amt einarbeitet. Allerdings ist die aktuelle Aufgabe ein wenig diffiziler als die Arbeit im Umweltministerium, dem der Ruf als "Wohlfühl-Ressort" anhaftet. Der Fraktionschef ist eine der wichtigsten Stellschrauben im Koalitionsgefüge. Kupfer will diese Aufgabe selbstbewusst interpre­tieren: "Die Verzahnung zwischen der regierungstragenden Fraktion und der Regierung muss verbessert werden", sagte er nach seiner Wahl. Immer wieder habe es in der Vergangenheit Kritik ­gegeben, dass die Fraktion nicht aus­reichend aus dem Kabinett informiert werde.

Auch die SPD wird in den kommenden Wochen erleben, wie Flaths Nachfolger das Terrain absteckt. Einem Großteil der CDU-ler missfällt bereits jetzt, wie selbstbewusst die Sozialdemokraten auftreten und wie gewiss sie sich sind, dass sie an der nächsten Regierung beteiligt werden. Kupfer wird diesen Unmut kanalisieren und gezielte Kontrapunkte gegen die SPD setzen müssen. Gestern deutete er schon an, was ihm dabei vorschwebt. Die Fraktion werde sich in die Koalitionsverhandlungen einbringen, stellte er klar: "Wir werden intensiv am Koalitionsvertrag mitverhandeln." Diesem selbstformulierten Anspruch muss Kupfer nun gerecht werden. Seine 58 Parteifreunde, alle wie er mit einem Direktmandat ausgestattet, werden genau verfolgen, wie geschickt er sich anstellt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.09.2014

Kai Kollenberg

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