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Nazis mobilisieren über 1000 Bürger gegen Asylbewerberheim im sächsischen Schneeberg

Nazis mobilisieren über 1000 Bürger gegen Asylbewerberheim im sächsischen Schneeberg

In Schneeberg im Erzgebirge formiert sich in der Bürgerinitiative „Schneeberg wehrt sich!“ ein breiter Widerstand gegen das lokale Asylbewerberheim in der ehemaligen Jägerkaserne.

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Über 1000 Demonstranten protestierten am Wochenende gegen das Asylbewerberheim in Schneeberg.

Quelle: Hauke Heuer

Am Sonnabend zogen über 1000 rechte Demonstranten, darunter auch zahlreiche Teilnehmer aus dem ansässigen bürgerlichen Milieu, mit Fackeln durch die Altstadt und skandierten „Wir sind das Volk“-Sprechchöre. Doch von einem bürgerlichen Protest kann keine Rede sein. Die Organisation der Veranstaltung wurde von NPD-Kadern getragen.

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Über 1000 Bürger und Neonazis protestierten am Wochenende gegen das Schneeberger Asylbewerberheim.

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„Wir sind keine Nazis!“ steht auf dem Schild eines Demonstranten. Eine junge Frau aus Schneeberg tritt an das Mikrofon und sagt, „ein veralteter Ausdruck wie „Nazi“ ist im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr zeitgemäß. Wir sind keine Rechten nur weil wir es uns herausnehmen, gegen die Asylbewerber zu demonstrieren“. Neben ihr steht Stefan Hartung,   NPD-Gemeinderat im benachbarten Bad Schlema, und bekennender Nationalsozialist.

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Rund 540 Asylbewerber haben derzeit in der ehemaligen Jägerkaserne in Schneeberg Quartier bezogen.

Quelle: Hauke Heuer

Anstoß des Protestes sind rund 200 überwiegend tschetschenische Asylbewerber, die nach schweren Auseinandersetzungen, die sich am 25. September in der Chemnitzer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende ereigneten, nach Schneeberg verlegt wurden. Wo nun insgesamt über 500 Asylbewerber auf die Bearbeitung ihrer Anträge warten. Die Verlegung der überwiegend aus Familien bestehenden Ausländergruppe wurde notwendig, weil das Chemnitzer Heim vollkommen überfüllt war und die Enge ernste Konflikte anheizte bei denen 19 Menschen leicht und zwei schwer verletzt wurden. Den neuen Bewohnern des Schneeberger Heimes wird vorgeworfen, dass sie Frauen belästigen und Ladendiebstahl begehen. Wie viele Straftaten wirklich von Asylbewerbern begangen werden, lässt sich nicht feststellen, denn die Polizei führt darüber keine Statistik.   

Die in der Region traditionell stark verwurzelten Nationalisten nutzen die Empörung vieler Einwohner über die Verlegung und setzten sich an die Spitze des aufkommenden Bürgerprotestes. Unter ihrer Führung versammelten sich am 12.Oktober etwa 50 Menschen mit Fackel in einer unangemeldeten Kundgebung vor dem Schneeberger Rathaus. Innerhalb weniger Tage, gelang es den Initiatoren auf ihrer Facebook-Seite über 2000 Unterstützer zu gewinnen. Eine beeindruckende Zahl in einer Gemeinde, die gerade einmal rund 14 000 Einwohner hat. Im Internet präsentiert sich die Initiative als die Stimme der Mitte der Gesellschaft und lud am vergangenen Sonnabend zu einer Art Lampion-Umzug für „Jung und Alt“.

Das Kalkül der Nazis ging auf. Nicht nur Kameradschaftler und NPD-Kader, wie die beiden NPD-Landtagsabgeordneten Mario Löffler und Gitta Schüßler, strömten am Wochenende auf den Schneeberger Markt, auch viele Anwohner beteiligten sich an den Protesten. Familien inklusive den Kleinsten in Kinderwagen folgten den Rechtsextremen bereitwillig auf ihrer Marschroute durch Schneeberg. Über 1000 Menschen beteiligten sich an der Demonstration.

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Erschöpft, aber glücklich erreichten die Läufer das Ziel auf der Devrientstraße.

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...auf dem Albertplatz.

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Am Mahngang Täterspuren am 13. Februar 2013 beteiligten sich nach Veranstalterangaben rund 3000 Personen.

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Aufgestachelte Menge hetzt gegen Ausländer

Wo die Masse steht, konnte deutlich an der Reaktion auf den Redebeitrag von Mario Löffler gesehen werden. „Wir wollen hier keine Zustände wie in Berlin oder München haben“, sagte dieser. Die Antwort aus dem Publikum kam prompt: „Sozialschmarotzer! Alle Einsperren und Abschieben!“, tönte es aus der aufgestachelten Menge. Wie die Polizei mitteilt, zeigten zwei Demonstranten einen Hitlergruß. Auch die umstehenden Passanten waren für die Botschaft der Nazis empfänglich. „Ich habe prinzipiell nichts gegen Ausländer, aber wenn man hört, dass die mit den Messer aufeinander losgehen, bekomme ich schon Angst“, sagt eine ältere Frau, die zufällig vorbeiläuft und fügt hinzu, „ich glaube nicht, dass das Nazis sind, die den Krieg zurück wollen. Die wollen nur ein reines Deutschland“.

Geringer Widerstand

Gegen den Rechten-Aufmarsch gab es kaum Widerstand. Rund zehn Linksautonome störten die Kundgebung mit ihren Sprechchören für wenige Sekunden. Ein Bürger postierte sich hinter der Bühne und traute sich, „Nazis raus!“ zu rufen. Ansonsten verlief die Veranstaltung vollkommen störungsfrei. Nur 130 Polizisten sicherten die Demo ab. Am Vortag hatte die evangelische Kirchgemeinde und die Stadt zu einer Gegenveranstaltung vor das Rathaus geladen. Die fand allerdings nur halb so viele Unterstützer wie die Rechtenkundgebung. Wie Pfarrer Frank Meinel mitteilt, soll es ab dem 28. Oktober an jedem Montag ein Friedensgebet geben, „bis sich die Situation geklärt hat“.

Hauke Heuer

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