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Mit hanseatischem Charme und preußischen Tugenden koordiniert Staatskanzleichef Jaeckel das Kabinett

Mit hanseatischem Charme und preußischen Tugenden koordiniert Staatskanzleichef Jaeckel das Kabinett

Das erste, was jedem auffällt, der das große Büro im ersten Stock der Staatskanzlei betritt, ist die freundlich-zugewandte Art des Mannes am Schreibtisch. Umgehend steht Fritz Jaeckel (CDU) auf, geht lächelnd auf den Besucher zu und reicht ihm die Hand.

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Staatsminister Dr. Fritz Jaeckel

Quelle: Dietrich Flechtner

Es ist genau diese Form des Umgangs, die seinen Arbeitsstil ausmacht: Aufmerksam ist er, der neue Staatskanzleichef, gibt jedem Menschen sofort das Gefühl, dass er ihn ernst nimmt und mitzunehmen versucht. Und das ist auch Teil seines Erfolgs. Denn bisher, das steht außer Frage, ging es für ihn stets bergauf.

Einstieg in den neunziger Jahren

Mittlerweile hat es Jaeckel bis zum Staatskanzleiminister gebracht. Damit ist er nicht nur Chefkoordinator im schwarz-roten Kabinett, sondern als rechte Hand von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) auch der zweitwichtigste Mann in der Regierung. "Mein Ziel ist eine verlässliche und optimale Koalitionspolitik", sagt er über sich selbst. Das Wörtchen "optimal" benutzt er dabei bewusst im Sinne von: "bestmöglich". Dabei sieht er sich auch als Krisenmanager, der einschreitet, wenn es mal irgendwo knirscht, ob im schwarz-roten Gebälk oder - Stichwort Pegida - außerhalb der Regierungszentrale. "Die Dinge sollen sich erst gar nicht zu einer Krise entwickeln", lautet sein Credo. Und so schaltet sich Jaeckel ein, ganz wie es seine Art ist: einsatzbereit, organisiert und kompetent. So kann sein Arbeitstag schon mal 18 Stunden lang sein.

Der gelernte Jurist ist 51, verheiratet, hat drei Kinder und stammt aus Flensburg, der nördlichsten Ecke Deutschlands direkt an der dänischen Grenze. Und das merkt man ihm an, dieses Gediegen-Weltläufige, das so manchen Hanseaten umweht. Damit und mit seinen preußischen Tugenden hat er es seit seinem Einstieg in den neunziger Jahren weit gebracht. Damals war er erst persönlicher Referent, dann Referatsleiter im Regierungspräsidium Leipzig. Nach dem Ende der Ära von Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) ging er umgehend nach Dresden und mauserte sich schnell zu einer Art Schattenmann von Biko-Nachfolger Georg Milbradt (CDU). Und auch mit dessen Nachfolger Tillich kam er bestens zurecht. Der machte ihn zu seinem Büroleiter, schließlich zum Staatssekretär im Umweltressort - und jetzt zum Minister.

Dabei gilt Jaeckel wegen seiner Umgangsformen schon beinahe als Ausnahmeerscheinung in der sächsischen Regierungszentrale. Denn bisher waren die Minister in der Staatskanzlei oft genug nicht das, was man einen Sympathieträger nennt. Unvergessen ist noch Georg Brüggen (CDU) aus den Endtagen der Ära Biedenkopf. Oder auch Jaeckels Vorgänger im Amt, Johannes Beermann (CDU), der nahezu in der gesamten CDU-Landtagsfraktion ein miserables Image hatte. Grund war sein Politikstil, bei dem oft die Dampframme zum Einsatz kam. Dagegen ist Jaeckel, der gern das Florett bedient, in der Union durchweg geachtet - als "Anti-Beermann", wie es ein Dresdner Christdemokrat nennt.

Ein anderer Spitzname, den die Union dem Staatskanzleichef verpasst hat, ist "The Cat" - eine Anspielung auf Jaeckels geschmeidigen Führungsstil. Allerdings, wie bei Katzen so üblich, kann er im Bedarfsfall auch mal die Krallen ausfahren. Der Minister, sagt ein CDU-Mann, könne jemanden auch mal richtig abkanzeln. "Das aber geschieht so, dass der sich hinterher noch dafür bedankt". Das macht Jaeckel krisenfest, was auch für Hartmut Mangold (SPD), sein Gegenüber im schwarz-roten Regierungsgeschäft, gilt. Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium von Martin Dulig (SPD) gilt als gewiefter Verwaltungsfachmann und nebenbei auch noch als umgänglicher Mensch. Diese beiden, Jaeckel und Mangold, koordinieren oft genug die Geschäfte, wie zuletzt erst beim Thema Energie-Wende und Braunkohle geschehen.

Gutes Verhältnis zum SPD-Gegenpart

Dabei gab es für Jaeckel auch schon in der Vergangenheit genügend Phasen, in denen er sein Talent als Krisenmanager unter Beweis stellen konnte. Das gilt vor allem für die Jahre 2002 und 2013, wo er nach den jeweiligen Flutkatastrophen als Aufbaukoordinator fungierte. Und nicht zu unterschätzen ist auch seine Rolle rund um die Olympia-Bewerbung von Leipzig im Jahr 2003. Ein weiteres, höchst aktuelles Feld ist die Flüchtlingspolitik mit dem Unterthema Asyl. Da war er Anfang dieses Jahres zur Stelle, als es zwischen Kommunen, Landkreisen und Freistaat ganz heftig geknallt hat. Darüber hinaus ist er auch für Medienpolitik und Medienrecht zuständig, kümmert sich um den Bund-Länder-Finanzausgleich und die Frage, wie es mit der EU-Förderung nach 2020 weitergeht.

Was ihn aber eigentlich umtreibt, ist die Pflege der Bindungskräfte im Land. "Man muss auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt achten", sagt er und meint: Wer nur Gruppeninteressen bedient, macht keine ernsthafte Politik. Das aber gilt auch für die Geschäfte in der CDU/SPD-Koalition, derzeit zumindest. Die muss als Ganzes bestehen, dann nützt es auch jeder der beiden Parteien. So oder so ähnlich könnte ein Leitspruch von Jaeckel lauten, ein anderer betrifft seinen persönlichen Stil: "Ich will Menschen nicht anweisen, sondern überzeugen." So wie er das sagt, nimmt man ihm das glatt ab.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.05.2015

Jürgen Kochinke

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