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Mindestlohn: Fluch oder Segen für das sächsische Gastgewerbe?

Dehoga fordert flexiblere Arbeitszeiten Mindestlohn: Fluch oder Segen für das sächsische Gastgewerbe?

Der zum 1. Januar 2015 eingeführte Mindestlohn kommt das sächsische Gastgewerbe teuer zu stehen. Das zumindest behauptet eine gemeinsame Studie der SRH Hochschule Berlin am Campus Dresden und des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Sachsen.

Seitdem auch Wirte die 8,50 Euro brutto je Arbeitsstunde zahlen müssen, haben der Studie zufolge 47 Prozent der Betriebe ihre Öffnungszeiten verkürzt oder verschoben
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden.  Höhere Personalkosten, höhere Preise, starre Arbeitszeiten: Der zum 1. Januar 2015 eingeführte Mindestlohn kommt das sächsische Gastgewerbe teuer zu stehen. Das zumindest behauptet eine gemeinsame Studie der SRH Hochschule Berlin am Campus Dresden und des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Sachsen.

Seitdem auch Wirte die 8,50 Euro brutto je Arbeitsstunde zahlen müssen, haben der Studie zufolge 47 Prozent der Betriebe ihre Öffnungszeiten verkürzt oder verschoben. Gestiegene Personalkosten wurden über die Preise direkt an die Gäste durchgereicht – im Schnitt schlugen in Restaurants und Bars etwa zehn Prozent auf die bisherigen Preise drauf. Ein Drittel der Betriebe musste sogar Personal entlassen – am härtesten traf es Betriebe in der Region. Größere Firmen in Stadtlagen, insbesondere Kettenhotels, waren weniger betroffen.

 Gerhard Schwabe vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sieht das größte Problem jedoch nicht im Mindestlohn, sondern in der die starren Regelung des Arbeitsschutzgesetzes. Seit Januar 2015 nämlich sind auch Wirte verpflichtet, die Arbeitszeiten ihrer Angestellten umfangreich zu dokumentieren. 60 Prozent aller Arbeitgeber in Sachsens Gastronomie klagen der Studie zufolge über Bürokratiefrust.

Weiteres Problem: Das Arbeitsschutzgesetzt schreibt acht, maximal zehn Stunden Arbeitszeit vor – sonst drohen dem Wirt vom Zoll bis zu 15 000 Euro Strafe. Gut für die Angestellten, aber schlecht für die Abläufe in der Branche. „Bei Großveranstaltungen wie Hochzeiten sind acht Stunden Dienst oftmals zu wenig“, sagt Schwabe. „Der Dehoga fordert deswegen flexiblere Arbeitszeiten.“ Ein Kompromiss könnten für den Verband flexible Wochen- oder Monats-Arbeitszeiten sein. Bei Bedarf könne das Servicepersonal so länger arbeiten, dafür aber an anderen Tagen verkürzt.

Der Personalnotstand in der Branche ist ein schon länger bekanntes Problem. Im Jahr 2008 gab es im Kammerbezirk Dresden der IHK noch rund 1400 eingetragene Ausbildungsverhältnisse im Gastgewerbe. Im Jahr 2015 hingegen waren es nur noch 535 – zum einen Folge des Geburtenknicks, aber wohl auch der Abwanderung in lukrativere Branchen. „Wir haben hier wirklich große Schwierigkeiten, Personal zu finden“, sagt zum Beispiel Holm Gottwald, festangestellte Servicekraft in der Dresdner Studentenkneipe „Müller’s“ und Lebenspartner von Inhaberin Madeleine Müller. Die Speise- und Getränkekarte der urigen Kneipe an der Bergstraße lockt seit vielen Jahren mit großen deftigen Portionen zu studentischen Preisen.

Seit dem Mindestlohn allerdings wackelt das Prädikat „Studentenkneipe“. Für Gottwald kam der Mindestlohn damals nicht überraschend – aber nach den vielerorts geschürten Hoffnungen auf eine Verschiebung dann doch sehr kurzfristig. Pauschalkräfte wurden bis dahin mit 5,20 Euro pro Stunde entlohnt. „Von 5,20 zu 8,50 Euro pro Stunde war natürlich ein heftiger Sprung. Unsere Lohnkosten sind exorbitant in die Höhe geschossen“, sagt Gottwald. „Besonders bei den Speisen auf unserer Karte mussten wir deshalb ordentlich draufschlagen.“ Doch beschwert habe sich bisher noch niemand. „Die meisten Gäste haben Verständnis dafür, denn die Preise sind ja überall gestiegen.“ Extra Ruhetage oder verkürzte Öffnungszeiten seien für das „Müller’s“ kein Thema. „Einen Ruhetag pro Woche hatten wir schon immer und auch an den Öffnungszeiten hat sich nichts geändert“, sagt Holm Gottwald. „Lediglich an ruhigen Tagen, wenn der Feierabend abzusehen ist, gönnen wir dem Koch auch mal eine Stunde eher Küchenschluss.“

Von Juliane Weigt

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