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Mimikexperte Robert Körner hat für die DNN die Plakate im OB-Wahlkampf analysiert

Mimikexperte Robert Körner hat für die DNN die Plakate im OB-Wahlkampf analysiert

Der Pirnaer Kommunikationstrainer Robert Körner hat die Wahlplakate des Dresdner Oberbürgermeister-Wahlkampfs für die DNN genau unter die Lupe genommen.

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Die Wahlplakate von Eva-Maria Stange und Markus Ulbig.

Quelle: Silvio Kuhnert

Ob Markus Ulbig (CDU), die vom rot-rot-grünen Bündnis unterstützte Kandidatin Eva-Maria Stange (SPD), der als unabhängiger Kandidat antretende Erste Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) oder Stefan Vogel (AfD) ein glückliches Händchen bei der Motivauswahl hatten und welches Image sie mit ihren Bildern transportieren, sagt der Mimikexperte im DNN-Interview.

Frage: Hilbert, Stange, Ulbig, Vogel – so lautet das Ranking nach Ihrer Analyse der Plakate im Dresdner OB-Wahlkampf. Wie sind Sie zu diesem Ergebnis gekommen, Herr Körner?

Robert Körner: Wahlplakate transportieren immer ein gewünschtes Image. Es gibt garantiert viele fähige Leute, die sich Gedanken darüber gemacht haben, wie der jeweilige Kandidat wirken und bei den Wählern ankommen möchte. Nur darüber kann ich eine Aussage treffen. Wie gut ist es gelungen, wie weniger gut, in welche Richtung geht das erwünschte Image.

Wovon ist das Image abhängig?

Das Image auf den Wahlplakaten ist abhängig von Mimik, Körperhaltung, Kleidung, Kameraperspektive, Design und äußerem Erscheinungsbild. Diese Faktoren habe ich für meine Analyse herangezogen. Hinzu kommt der Evergreeneffekt: In welcher Quantität treten die jeweiligen Wahlplakate eines Kandidaten auf? Je öfter ich ein bestimmtes Bild sehe, um so mehr brennt es sich in meinem Kopf ein. Es ist wie bei einem Hit im Radio, auch wenn das Lied an sich schlecht ist. Je öfter es gespielt wird, desto besser kenne ich die Melodie und desto öfter summe ich mit oder wird es mir sympathisch. Was den Evergreeneffekt betrifft, haben Herr Ulbig, Herr Hilbert und Frau Stange mit Abstand die meisten Plakate in Dresden aufgehängt und desto besser prägt sich ihr Gesicht und ihr Image bei den Wählern ein.

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Markus Ulbig, CDU.

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Was hat Dirk Hilbert besser gemacht als die anderen Kandidaten?

Dirk Hilbert hat sich wohl die meisten Gedanken über seine Imagekampagne gemacht. Seine Wahlkampfplakatgestaltung ist sehr facettenreich. Vier verschiedene  Motive hat er gewählt und dies auch immer mit einem anderen Slogan in Verbindung gebracht. Das finde ich durchaus wichtig, um sich einen besseren Eindruck von einer Person zu verschaffen. Bei Frau Stange habe ich nur zwei verschiedene, bei Herrn Ulbig nur ein Konterfei auf den Plakaten entdeckt.

Da wäre zum Beispiel das Plakat mit dem Spruch „Dresden weiter nach vorn“. Was hat Hilbert bei der Wahl dieses Bildes gut gemacht?

Dieses Bild nenne ich den Charakterkopf. Er lächelt nur ganz subtil. Der Blick ist fokussiert, das untere Augenlid ist leicht angespannt. Er schaut den Betrachter direkt an. Und er hat in der sogenannten Baseline, in seinem natürlichen Gesichtsausdruck, bereits hängende Augendeckfalten. Man kennt dies von älteren Menschen. Wenn sie viele Krähenfüße, viele Falten am äußeren Rand der Augen haben, nimmt man sie grundsympathisch war. Dies ist bei Hilbert aufgrund seiner natürlichen Mimik ebenfalls der Fall, was einen großen Vorteil für ihn darstellt. Und er hat einen schwarzen Anzug gewählt. Wie Studien aus dem Speaker-Bereich ergeben haben, sollten Männer einen Anzug, und vor allem einen in der Farbe Schwarz tragen, um als kompetent wahrgenommen zu werden. Zudem hat er bei der Farbgestaltung der Plakate als einziger die Farben von Dresden gewählt, was für die Identifikation mit der Stadt förderlich ist.

Er ist auch der einzige Kandidat mit einem Bild der Familie.

Es ist ein sehr schönes Motiv, mit einem ungemein stimmigen Slogan „In Dresden zu Hause“. Man erkennt bei allen echt erlebte Freude.

Woran machen Sie das fest, dass die Freude echt ist?

Es gibt einen Muskel, der sich bei echt erlebter Freude zusammenzieht – der musculus orbicularis oculi oder auch äußerer Augenringmuskel. Wenn er angespannt ist, zieht sich die äußere Augenbraue nach unten und die Augendeckfalte senkt sich, so dass die Augen kleiner wirken. Daran kann man echt erlebte Freude von einem sozialen Lächeln unterscheiden. Im letzterem Gesichtsausdruck bewegen sich nur die Mundwinkel, die Muskulatur rund um die Augen allerdings nicht. Bei Familie Hilbert kann man gut bei allen die abgesenkte Augendeckfalte erkennen. Spannend ist die Kopfhaltung: Frau und Kind haben aus Sicht des Betrachters einen links geneigten Kopf, dies fördert laut einer Studie die Attraktivität der Person. Und Hilbert neigt den Kopf nach rechts, was das Vertrauen in die Person fördert.

Die Art des Lachens ist auch der Grund, warum Frau Stange und Herr Ulbig in Ihrem Ranking auf dem zweiten bzw. dritten Platz landen. Oder?

Eva-Maria Stange hat zwei Motive gewählt. Sie zeigen aber immer den gleichen Gesichtsausdruck - die echt erlebte Freude. Bei ihr sieht man sehr schön, wie sich die Augendeckfalte absenkt. Man entwickelt den Eindruck, die Frau freut sich wirklich. Das Beste daran: Über die Spiegelneuronen im Gehirn wird dieser positive Ausdruck ebenfalls erzeugt und wir freuen uns mit.

Bei Herrn Ulbig ist dies nicht der Fall?

Nach meinen Feststellungen hat Herr Ulbig nur ein Motiv gewählt. Das sieht man in unterschiedlichen Größen in der Stadt. Bei dem Foto ist mir aufgefallen, dass es nur ein soziales Lächeln zeigt. Wenn man die Mundpartie einmal wegnimmt, sieht man, dass die Augen nicht mitlachen. Damit wird keine echt erlebte Freude transportiert. Das kommt beim Betrachter nicht grundsympathisch an. Hinzu kommt, dass auf einem der Plakatmotive eine zweite Person angedeutet ist. Herr Ulbig und Herr Hilbert haben dieses Motiv gewählt. Das Interessante daran ist, dass Markus Ulbig in die Kamera schaut und nicht wie Dirk Hilbert in Richtung des Gesprächspartners. Da stellt sich bei Herrn Ulbigs Plakat die Frage, was soll die zweite Person da? Wenn dies Dialogbereitschaft darstellen soll, dann ist das Motiv verfehlt.

Dialogbereitschaft würde ja bedeuten, dass ich die Person auch anschaue, so wie es Herr Hilbert macht. Deswegen hat die zweite Person im Bild von Herrn Ulbig keinen Sinn, zumindest keinen, den ich erkennen kann. Wenn er Dialogbereitschaft signalisieren wollte, führt dies am Ziel vorbei und die Authentizität schwindet.

Hat Hilbert auch Fehler bei der Motivwahl seiner Plakate begangen?

Das Plakat „Wirtschaftsmotor für Dresden“ ist aus meiner Sicht am wenigsten gelungen. Der Slogan passt zwar zu dem plakativen Ärmelhochkrempeln, aber was ein Problem darstellt, ist die Froschperspektive der Kamera. Das erzeugt Ehrfurcht und verstärkt die Höhe und Größe des Objekts. Der Betrachter schaut zu ihm hinauf. Er kann ihm nicht auf Augenhöhe begegnen. Für einen Politiker, der mit den Bürgern kommunizieren möchte, halte ich dieses Motiv für einen Fehler.

Bleibt noch der vierte Kandidat in der Runde – Stefan Vogel. Warum belegt er nur den vierten Rang?

Herr Vogel hat vier Plakatmotive gewählt. Er zeigt aber im Grunde auf allen den immer gleichen Gesichtsausdruck. Beim Plakat mit dem Slogan „Einer für alle“ hat er gegen die Sonne geblickt. Das führt dazu, dass die Augen sehr klein und die Augenbrauen etwas zusammengezogen sind und erzeugt einen auf den Betrachter skeptisch wirkenden Blick. Hinzukommt ein soziales Lächeln. Somit entsteht keine Grundsympathie wie bei Hilbert oder Stange. Bei der Kleidungswahl bin ich stutzig geworden. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Es stellte sich mir nur die Frage, welche Zielgruppe er ansprechen wollte? Schwierig ist ebenfalls das Motiv mit dem Fanschal von Dynamo Dresden. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich nicht jeder Dynamo-Fan bei der AfD repräsentiert fühlt.

Silvio Kuhnert

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