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Markneukirchner Geigenbauer mit grünem Gewissen

Verbundstoff statt Tropenholz Markneukirchner Geigenbauer mit grünem Gewissen

Robert König wirft einen letzten prüfenden Blick auf das schwarz schimmernde Cello-Griffbrett, das er mit zwei Zwingen an dem noch unbehandelten Korpus befestigt hat. Schwarz wie Ebenholz ist es. Schon seit der Barockzeit wird diese kostbare Holzart im Instrumentenbau verwendet.

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Instrumentenbauer Robert König (33) zeigt in seiner Werkstatt in Markneukirchen ein ökologisch nachhaltiges Ersatz-Griffbrett im Vergleich zum Original. Die Alternative zum Tropenholz ist rein äußerlich nicht zu unterscheiden.

Markneukirchen. Robert König wirft einen letzten prüfenden Blick auf das schwarz schimmernde Cello-Griffbrett, das er mit zwei Zwingen an dem noch unbehandelten Korpus befestigt hat. Schwarz wie Ebenholz ist es. Schon seit der Barockzeit wird diese kostbare Holzart im Instrumentenbau verwendet. „Und seit rund 150 Jahren müssen Griffbretter für Geige, Cello oder Kontrabass aus Ebenholz sein – so will es die Tradition“, erklärt der Markneukirchner.

Doch Ebenholz ist nicht nur teuer, es wird auch immer seltener. Als er auf dem Dachboden auf ein Palisanderholz stieß, das er aufgrund internationaler Artenschutzabkommen ohne entsprechendes Zertifikat gar nicht mehr verwenden durfte, kam König auf den Gedanken, die Tradition umzukrempeln. „Denn bei drei der vier bekanntesten Ebenholzarten haben wir bereits dasselbe Problem“, erläutert der Geigen- und Cellobauer. Damit der Musikinstrumentenbau mit der Zukunft mithalten könne, müsse etwas Nachhaltigeres her. Durch eine „Mischung aus Recherche und Glück“, wie er erzählt, stieß der 33-Jährige auf einen recycelbaren Verbundstoff, mit dem er Ebenholz ersetzen will.

Zusammen mit dem Institut für Musikinstrumentenbau Zwota und dem Markneukirchner Cellobaumeister Stefan Kreul tüftelte König über ein Jahr am perfekten Ersatzgriffbrett aus einem Fichtenkern, einem Gemisch aus recyceltem Papier und einem Harz auf Leinölbasis. Alles zu 100 Prozent Natur. Unter hohem Druck werde die schwarz eingefärbte Mischung Lage für Lage zusammengepresst, erläutert er das Verfahren. Am Ende liegt auf seiner Werkbank ein auf Hochglanz poliertes Griffbrett, das nicht vom Ebenholz-Pendant zu unterscheiden ist. „Das war unsere oberste Zielstellung: Der Musiker darf den Unterschied weder sehen noch hören“, sagt König.

Das ist nach Einschätzung von Olaf Fiedler der Knackpunkt. Der diplomierte Holzwirt war jahrelang als Dozent im Fachbereich Werkstoffkunde der Westsächsischen Hochschule Zwickau an der Außenstelle der Musikinstrumentenbauer in Markneukirchen tätig. „Ich denke, dass sich Verbundstoffe durchsetzen können, wenn der Unterschied nicht ins Gewicht fällt“, sagt der Holzexperte. Künstler wie Instrumentenbauer seien jedoch meist konservativ, daher sei eine gewisse Überzeugungsarbeit nötig.

Doch seiner Meinung nach kommt der Musikinstrumentenbau bei aller Tradition gar nicht darum herum, über Alternativen zu den bisher verwendeten Holzarten nachzudenken. „Bei der besten Qualität feinporiger Ebenhölzer, beispielsweise dem Ceylon-Ebenholz, ist in zehn Jahren Schluss, das ist absehbar.“ Auch andere Hölzer wie Grenadill für Klarinetten seien sehr stark gefährdet. Zwar habe es auch in der Vergangenheit schon Zeiten gegeben, in denen einzelne Hölzer schwer verfügbar gewesen seien und Instrumentenbauer zu anderen Sorten wie der heimischen Birne gegriffen hätten. „Aber nie in der Geschichte des Musikinstrumentenbaus war die Nachfrage nach bestimmten Hölzern so groß wie heute“, sagt Fiedler.

Das Ergebnis seien teils „astronomische Preise“ auf dem Holzmarkt. So koste allein ein qualitativ hochwertiges Ebenholz-Griffbrett für einen Kontrabass um die 1000 Euro. Das ganze Instrument habe dann schnell den Wert eines Kleinwagens. Dabei war es nicht allein der Preis, der König auf sein Ersatz-Griffbrett gebracht hat. „Die Arbeit mit natürlichen Rohstoffen bringt es mit sich, dass man sich mit der Frage beschäftigt, ob diese Rohstoffe auch noch für die nächste Generation reichen.“ Nun wollen die drei Kooperationspartner in die Produktion gehen und das nachhaltige Griffbrett zunächst bei ihren eigenen Instrumenten als umweltfreundliche Alternative zu Ebenholz anbieten.

Von Claudia Drescher

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