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Lottoland und der Jackpot-Gewinner: Wie glaubhaft ist der Fotobeweis?

Streit um Gewinn Lottoland und der Jackpot-Gewinner: Wie glaubhaft ist der Fotobeweis?

Ein Chemnitzer soll 14 Millionen Euro in einer in Deutschland nicht zugelassenen Lotterie gewonnen haben. Während des Anbieter des Glückspiels versucht, die Übergabe des Gewinns an den Gewinner zu beweisen, geht der Streit um die Rechtmäßigkeit weiter.

Quelle: Lottoland

Leipzig. Gibt es ihn, den 14-Millionen-Euro-Gewinner aus Sachsen, oder gibt es ihn nicht? Genau 14.045.804,90 Euro soll der Chemnitzer Michael gewonnen haben. Er hatte beim Internetanbieter Lottoland.com am 6. Februar den „6 aus 49“-Jackpot geknackt. Weil es große Zweifel an der Seriosität des Gewinns gibt, legt Lottoland jetzt Beweise vor. Allerdings bringt die der LVZ/DNN übermittelte notarielle Beglaubigung die Mitarbeiter von Lottoland in Erklärungsnot. Doch der Reihe nach.

Der Fotobeweis: „Wir haben den Familienvater zu einer symbolischen Gewinnübergabe nach Gibraltar eingeladen“, sagte eine Lottoland-Sprecherin gegenüber LVZ.de. Zum Beweis schickt sie ein Foto des Gewinners: Lottoland-Vorstandschef Nigel Birrell überreicht dem 30-Jährigen einen symbolischen Scheck. Im Hintergrund sind Palmen zu sehen. Das Gesicht des Gewinners ist unkenntlich gemacht. „Michael will anonym bleiben“, sagt die Sprecherin.

Über den Gewinner teilt Lottoland nur so viel mit, dass es sich um einen Bautechniker handelt, der sich über den achtstelligen Betrag auf seinem Konto mächtig freut. Ein neues Auto wolle er sich kaufen, aber den Hauptteil des Geldes für die Familie zurücklegen. „Der Lottogewinn ist das Zweitbeste, was mir je passiert ist. Das Beste war die Geburt meines Kindes“, zitiert Lottoland den Chemnitzer.

Die notarielle Beurkundung: Weil LVZ/DNN das nicht reicht, schickt Lottoland als weiteren Beweis die Kopie eines notariellen Schreibens. Darin beglaubigt Notar Peter M. Triay aus Gibraltar, dass der Gewinn am 2. März 2016 an einen Deutschen überwiesen wurde. „Das ist das Deckblatt einer Beglaubigung“, sagt Rüdiger Müller, Geschäftsführer der Notarkammer Sachsen. „Einen Notar Triay gibt es auf Gibraltar.“

Quelle: Lottoland

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Merkwürdig an der Urkunde ist allerdings die ausgewiesene Summe. Vor dem Cent-Betrag, also den letzten beiden Zahlen steht kein Komma oder Punkt. Auch ist die Summe nicht korrekt wiedergegeben, sondern auf dem Notar-Papier steht „14‘045‘809‘90“ Euro – das sind fünf Euro mehr als die Jackpot-Summe. Solche Abschreibfehler könnten passieren, sagt Notar Müller. Sollten aber nicht.

Konfrontiert damit, atmet die Lottoland-Sprecherin hörbar tief. „Stimmt, da passt etwas nicht.“ Sie verspricht sich zu erkundigen. Dann die „Auflösung des Rätsels“, wie sie selbst sagt. „Der Gewinner hat nämlich mit einem zweiten Tipp auf die gleiche Ziehung auch noch einen kleinen Betrag in einer anderen Gewinnklasse gewonnen.“ Die Zahl auf dem symbolischen Scheck entspreche der Jackpot-Summe.

Die Summe in dem Notar-Schreiben sei die tatsächliche Überweisung an den Chemnitzer. Um das zu belegen, sendet sie ein weiteres Papier: Die Überweisung von Lottoland Limited. Die Daten des Empfängers sind geschwärzt. Zu sehen sind der Betrag (14‘045‘809.90 Euro) plus Gebühren für die Überweisung. Außerdem hängt sie eine neue Notar-Fassung an – mit dem Punkt an der richtigen Stelle.

Streit um Rechtmäßigkeit: Sachsenlotto-Chef Siegfried Schenek fährt gegen Lottoland schwere Geschütze auf. „Die Lottoland Ltd. verfügt nicht über die notwendige deutsche Genehmigung, Lotterien wie ,6 aus 49‘ in Deutschland online zu vermarkten“, sagt er. „Es handelt sich um eine Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel, die eine Straftat darstellt!“ Die staatlichen Lotto-Gesellschaften fürchteten die Konkurrenz, entgegnet Lottoland. Der Europäische Gerichtshof habe gerade die deutsche Glücksspielregulierung gekippt. Für private Anbieter mit einer EU-Lizenz gelte damit die EU-Dienstleistungsfreiheit.

Und weiter: Lottoland sei kein Veranstalter, sondern ein Buchmacher, und nehme demzufolge Wetten auf die Ergebnisse von Lotterien an, beispielsweise auf die von EuroJackpot, PowerBall (USA) oder die Weihnachtslotterie El Gordo in Spanien. Deshalb war am 6. Februar der „6 aus 49“-Jackpot offiziell auch nicht geknackt worden. „Unabhängig davon mussten wir die über 14 Millionen auszahlen“, so die Lottoland-Sprecherin. In den eigenen Kassen hatte man so viel Geld nicht. Für die Summe komme ein Versicherer auf. Hinter dem stünden institutionelle Großinvestoren.

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