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Lehramt: Mehr Studienplätze, aber zu wenig Bewerber für Oberschulen

Lehramt: Mehr Studienplätze, aber zu wenig Bewerber für Oberschulen

Das Wörtchen "Zielvereinbarung" klingt nach reichlich sperriger Materie, und doch kann dies sinnvoll sein in der Politik. Denn wer sich darauf einlässt, hat sich festgelegt und muss sich daran messen lassen.

Genau das ist die Lage im Fall von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) und der damaligen Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos).

Vier Jahre zuvor Ziel vereinbart

Vor vier Jahren haben beide eine solche Vereinbarung getroffen mit dem Tenor: Um den akuten Lehrermangel zu bekämpfen, sollen mehr junge Leute an sächsischen Unis zu Pädagogen ausgebildet werden. Die Zahl der Studienplätze soll so auf mindesten 1700 steigen, rund 200 zusätzliche Lehrkräfte sollen diese unterrichten.

Gestern nun stellte Sachsens neue Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) eine Zwischenbilanz zum Vorhaben vor, das Ergebnis lautet: Sachsen ist auf gutem Weg, es bleibt aber noch einiges zu tun. Konkret hat sich die Zahl der Lehramtsstudienplätze seitdem mehr als verdoppelt. So haben laut Stanges Angaben exakt 2031 Lehramtsstudenten im Wintersemester 2014/15 mit ihrer Ausbildung begonnen - Plansoll übererfüllt. Nicht schlecht sieht es auch im Bereich der Uni-Stellen aus. Hier wurde die Vorgabe von 200 zwar verfehlt, aber nur knapp. Laut der Ministerin sind es derzeit 188. "Wir sind sehr zufrieden", sagte sie, "aber in einigen Bereichen ist noch Luft nach oben".

Die Universität Leipzig bekam dabei den dicksten Brocken ab. 114 neue Stellen in der Lehrerausbildung sind es in der Messestadt, in Dresden dagegen nur 35,5. An der Technischen Universität Chemnitz entstanden 27 zusätzliche Stellen, und auch die Musikhochschulen bekamen einige mehr - acht in Leipzig, 3,5 in Dresden. Das schlägt sich an den Hochschulen nieder. Die größten Kapazitäten gibt es mit 1175 Studienanfängern in Leipzig. Die TU Dresden zählte 655 Neueinschreibungen, Chemnitz 101. Und die auch beiden Musikhochschulen legten um jeweils 50 junge Studierende zu.

Das ist der gute Teil der Nachricht, der schlechte lautet: Noch immer gibt es Engpässe in bestimmen Schularten, und noch immer herrscht akuter Bedarf an Lehramtsstudenten in einzelnen Fächern. Die Problemfelder sind seit Jahren dieselben. Vor allem für die Bereiche Ober- und Berufsschule mangelt es an Bewerbern. Beispiel Oberschule (früher Mittelschule): Von den 425 Plätzen in Leipzig und Dresden waren im Wintersemester 375 besetzt - 50 zu wenig. Aber immerhin wird die Lücke zwischen Ist und Soll geringer. So lag die Zahl der besetzten Plätze ein Jahr zuvor noch bei 294.

Jobchancen abseits der Gymnasien

Noch schwieriger ist die Lage auf dem Feld der Berufsschulen. Hier blieb mehr als jeder dritte Studienplatz unbesetzt, 64 von 204 waren es exakt. Hinzu kommen die Probleme in den bekannten Fächern. Vor allem in den Bereichen Mathematik, Biologie und Musik sowie in vielen Sprachen herrscht Interessenten-Mangel - und das gerade für Oberschulen. Entsprechend appellierte Stange gestern an angehende Studenten, sich nicht auf das Lehramt an Gymnasien in beliebten Fächern zu versteifen. Denn hier seien die Chancen geringer, hinterher auch einen Job zu bekommen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.03.2015

Jürgen Kochinke

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