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Landesbischof: Kirche bleibt für Zusammenhalt unverzichtbar

Interview Landesbischof: Kirche bleibt für Zusammenhalt unverzichtbar

Carsten Rentzing ist seit einem Jahr sächsischer Landesbischof. Er sieht die Evangelische Landeskirche gut vorbereitet für die Zukunft, trotz aller Probleme. Aber in Sachen Ökumene wünscht er sich mehr.

Carsten Rentzing

Quelle: dpa

Dresden. Mehr Qualität statt Quantität und Gemeindeleben auch mal in Kneipen - Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing setzt im Kirchenalltag auf teilweise neue Wege. „Der Glaube an Christus kann auf unterschiedlichste Weise in die Welt getragen werden“, sagte er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Vor einem Jahr hatte er das Bischofsamt übernommen.

Frage: Wo sehen Sie die Chancen der Landeskirche in Zukunft?

Antwort: Wir können unseren Auftrag, das Evangelium zu verkünden, aufrechterhalten. Manchmal sind wir noch sehr statisch im System, manchmal ist es nötig, neue Wege zu beschreiten, um den inhaltlichen Kern in die Zukunft zu tragen. Das ist auch eine Chance, uns von Ballast zu befreien.

Da geht es um neue Gemeindeformen, das enge Korsett bisheriger Strukturen zu verlassen, mehr Teamwork zwischen Pfarrer und Mitarbeitern statt Einzelkampf. Es gibt Aufbauprojekte jenseits herkömmlicher Strukturen für Qualität statt Quantität. Und es geht um frische Ausdrucksformen des christlichen Glaubens wie ein Gemeindeleben in Bars oder Kneipen, um Freiheit und Innovation. Der Glaube an Christus kann auf unterschiedlichste Weise in die Welt getragen werden.

Frage: Worauf kommt es angesichts des Mitgliederrückgangs an?

Antwort: Menschen für den Glauben gewinnen, kann nur vor Ort geleistet werden. Die Voraussetzung ist, den Glauben öffentlich zu bekennen und ein Signal zu setzen, was das bedeuten kann. Da spielen die Pfarrer eine wichtige Rolle, aber auch die Gläubigen. Sie brauchen Unterstützung, um das Werk fortzusetzen, fachkundige Hilfe, um die wir bei allen Sparzwängen bemüht sind. Wegen der momentanen Wirtschaftslage ist das Kirchensteueraufkommen gut, künftig werden wir aber weniger Geld zur Verfügung haben.

Frage: Wo sehen Sie auch mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 die Ökumene?

Antwort: Es gilt, die historischen Gemeinsamkeiten deutlicher zutage zu fördern und zu entdecken. Was fehlt, sind so etwas wie Formen der sichtbaren Einheit: Anerkennung der Ämter, Sakramente und Ähnliches mehr. Die Hoffnung darauf haben wir und sprechen darüber. Mancherorts sind große Fortschritte erzielt worden, an anderer Stelle noch nicht so, wie wir es uns wünschen würden - gemeinsame Taufe, aber kein gemeinsames Abendmahl für katholische und evangelische Gläubige. Potenzial und Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft. Wir würden uns freuen, wenn wir da noch ein Stück weiter wären.

Frage: Wo liegen die aktuellen Herausforderungen für die Evangelische Kirche?

Antwort: Es ist der Zusammenhalt in der Gesellschaft. Jede Debatte muss von den Grundsätzen der Friedenswilligkeit und dem Willen zur Barmherzigkeit bestimmt werden. Sorgen der Menschen, dass bestimmte Dinge auseinanderbrechen, sollten sehr ernstgenommen werden. Aber auch die Frage der Integration der Flüchtlinge. Wir haben diesen Menschen ein Versprechen gegeben, wir müssen es halten. Das Gelingen der Integration ist auch eine Herausforderung für die Landeskirche.

Es geht um Herzensbildung, und das betrifft nicht nur die Christen. Unsere Bildungsangebote in Kita und Schulen werden gern auch von Menschen angenommen, die nicht kirchlich gebunden sind. Dabei geht es auch um Wertevermittlung. Auch als kleiner werdende Kirche bleiben wir unverzichtbar für den Zusammenhalt der Gesellschaft.

ZUR PERSON: Carsten Rentzing (48) stammt aus dem damaligen Westberlin. Er studierte Philosophie und Jura, später Theologie. 1999 kam er nach Sachsen, wurde Pfarrer im Erzgebirge und als Mitinitiator einer Initiative gegen homosexuelle Lebenspartnerschaften im Pfarrhaus überregional bekannt.

Interview: Simona Block, dpa

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