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Land und Kommunen wollen Belastung durch Lärm reduzieren

Kampf dem Krach Land und Kommunen wollen Belastung durch Lärm reduzieren

Viele Menschen müssen an Straßen, Bahnstrecken und Flughäfen mit Lärm leben - auch in Sachsen. Weil das krank machen kann, soll es deshalb allenthalben möglichst leiser werden. Aber es geht nur langsam voran.

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Mit einem Schallpegelmesser wird in Dresden die Belastung der Bevölkerung durch Lärm gemessen. (Archivbild)

Quelle: Arno Burgi/dpa

Dresden. Wie laut ist es in Sachsen? Gerade ist offiziell mit einer neuen Lärmkartierung begonnen worden. Bis Mitte 2017 müssen 215 Gemeinden die Belastung an aktuell 1580 Straßenkilometern ermitteln, in spezielle Karten einzeichnen und Lärmaktionspläne machen, wie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden mitteilte. Dabei geht es um Hauptstraßen, keine Nebenstrecken. Die Behörde unterstützt die Kommunen dabei.

Nach einer Richtlinie der Europäischen Union muss die Lärmkartierung alle fünf Jahre erneuert werden. Dabei werde aber die Belastung weniger direkt gemessen als vielmehr mit Hilfe der Verkehrsdichte, Art der Fahrzeuge, des verwendeten Straßenbelags und der Bebauung berechnet, erläutert die Referatsleiterin Regina Heinecke-Schmitt vom Landesumweltamt.

Dem Amt zufolge müssen im Freistaat 105 000 Anwohner allein an kommunalen Straßen, 50 300 an Bahnstrecken und 2100 in der Nähe von Flughäfen mit Lärm oberhalb der Grenzwerte leben. Laut Heinecke-Schmitt wohnen etwa zwei Drittel der betroffenen Menschen in Ballungsräumen. Studien haben gezeigt, dass der Krach von Flugzeugen, Autos und Eisenbahnen beispielsweise das Risiko für Depressionen und Herzschwäche erhöhen kann.

Um an einer stark befahrenen Straße die Lärmbelästigung für Anwohner zu halbieren, müsse der Verkehr bis auf etwa ein Zehntel reduziert werden, verdeutlicht der Chef des Lehrstuhls Verkehrsökologie an der Technischen Universität Dresden, Udo Becker, das Problem. Das hieße, auf Hauptstraßen mit oft 40 000 bis 60 000 Fahrzeugen täglich dürften dann nur noch 4000 bis 6000 fahren - so viel wie auf mancher Nebenstraße. „Eine solche Reduktion des Verkehrs um 90 Prozent ist aber richtig schwierig“, räumt Becker ein.

Die sächsischen Kommunen versuchen deshalb vor allem durch bauliche Veränderungen, den Verkehrslärm zu mindern, wie eine dpa-Umfrage ergab. So wurde etwa in Chemnitz auf der Annaberger Straße, einer stark frequentierten Ausfallstrecke, die Zahl der Fahrspuren reduziert, wie die Stadtverwaltung berichtete. In einigen Wohngebieten wurden Tempo-30-Zonen eingerichtet und auf Teilen des Südrings, einer Umgehungsstraße, kam lärmarmer Asphalt als Straßenbelag zum Zuge.

In Dresden wiederum entstanden während der vergangenen Jahre Schallschutzwände mit einer Gesamtlänge von etwa 30 Kilometern, wurden Straßen saniert und Pflaster durch Asphalt ersetzt. Den lärmarmen Asphalt gebe es aber leider vorerst nur auf auf einer Straße - als Versuch, hieß es vonseiten der Kommune. Der Spezialbelag zähle leider noch nicht zu den anerkannten Technologien. Das wird auch in Leipzig bedauert. Dort wird der Asphalt ebenfalls vorerst nur getestet. Die Landes- und Bundesbehörden akzeptierten die Bauweise noch nicht als Regel - sie sei deshalb nicht förderfähig und werde infolgedessen nicht öfter eingesetzt.

Die Kommunen müssten den Lärm zwar kartieren, könnten ihn aber oft gar nicht beeinflussen, sagt der Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, Mischa Woitscheck. „Das sorgt für Unmut.“  An den eigenen Straßen versuchten sie, ihn zu vermindern, indem sie Gullydeckel tauschen, Lärmschutzwände bauen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen verfügen.

Beim Bahnverkehr sorgt unter anderem der Güterverkehr im Oberen Elbtal für Beschwerden. Die Deutsche Bahn will den Verkehrslärm dort bis 2020 im Vergleich zum Jahr 2000 halbieren. So sollen unter anderem die Güterwaggons auf sogenannte Flüsterbremsen umgerüstet werden, und es würden weitere Maßnahmen untersucht.

Marco Kunze von der Bürgerinitiative Bahn-Emission Elbtal hofft, dass die Bahn ihr Wort hält. „Früher ist auf der Strecke ab und zu ein Güterzug gefahren“, erzählt er. In den vergangenen fünf Jahren jedoch - nach der Sanierung der Trasse - habe das deutlich zugenommen. Allein von 2014 bis 2015 sei die Zahl der Züge von 115 auf 140 täglich gestiegen. „Die fahren jetzt rund um die Uhr.“ Der Umstieg auf Flüsterbremsen gehe in die richtige Richtung. „Der Unterschied ist deutlich zu hören.“

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