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Land Sachsen will bei staatlicher Berufsausbildung sparen

Land Sachsen will bei staatlicher Berufsausbildung sparen

Die sächsische Staatsregierung plant offenbar bei der staatlichen Berufsausbildung kräftige Einschnitte. Nach einem gestern bekannt gewordenen Kabinettsbeschluss von Ende April sollen an den sogenannten Berufsfachschulen und an Fachschulen eine ganze Reihe von Bildungsgängen gestrichen werden.

Die Opposition und der Gewerkschaftsbund DGB sprachen von tausenden Ausbildungsstellen, die wegfallen sollen. Das Kultusministerium bezeichnete den Beschluss dagegen als Auftrag zur Prüfung.

Derzeit existieren zwei Ausbildungssysteme. Bei den landesrechtlich geregelten Berufen hat der Auszubildende einen Lehrvertrag mit der staatlichen Berufsfachschule. Daneben gibt es das sogenannte duale System, bei dem der Auszubildende einen Lehrvertrag mit einem Betrieb hat und an Berufsschulen seine theoretische Ausbildung erhält.

Die Opposition verweist auf einen Beschluss der Staatsregierung, wonach das Kultusministerium unverzüglich mit einer "Reduzierung" der landesrechtlich geregelten Berufsausbildung zum Schuljahr 2012/2013 beginnen soll. Laut dem DNN vorliegenden Papier steht das Ganze unter der Überschrift "Deckung des Lehrerbedarfs". Der Freistaat hat mit einem massiven Lehrermangel zu kämpfen. Mit der Reduzierung an den Berufsfachschulen könnten Lehrkräfte für die Berufsschulen gewonnen werden. Laut Kabinettspapier sollen die Berufsfachschulen für Informations- und Kommunikationstechnik sowie für Pflegehilfe, Sozialwesen, Technik, Wirtschaft und ferner die Fachschulen für Gestaltung, Technik und Wirtschaft gestrichen werden.

Opposition spricht von Kahlschlag

Die Bildungsexpertin der SPD-Landtagsfraktion Eva-Maria Stange sprach von einem "Kahlschlag". Mit dem Wegfall der Berufsfachschulangebote gingen Tausende Jugendliche, vor allem solche ohne Schulabschluss, in den nächsten Jahren leer aus. Mit der Streichung an den Fachschulen für Technik wiederum, wo als Weiterbildung Mitarbeiter für das mittlere Management bei klein- und mittelständischen Unternehmen ausgebildet würden, fehlten der Wirtschaft gefragte Fachkräfte.

"Weiß die Staatsregierung noch, was sie tut?", fragte Annekathrin Giegengack, Landtagsabgeordnete der Grünen. Die Pläne gefährdeten beispielsweise die Erzieherinnenausbildung in Sachsen, für die der Sozialassistent der Berufsfachschule eine Aufnahmevoraussetzung sei.

Das Kultusministerium erklärte, angesichts einer steigenden Zahl freier Ausbildungsplätze im dualen System spreche nichts gegen Veränderungen bei den Berufsfachschulen, "wenn ein entsprechender anerkannter Ausbildungsberuf gewählt werden kann". Konkrete Aussagen dazu seien aufgrund der laufenden Prüfung derzeit noch nicht möglich, sagte Kultus-Sprecherin Andrea Valendiek.

Auch der Sprecher der IHK Dresden, Lars Fiehler stellte fest, dass angesichts von sachsenweit über 5000 unbesetzten dualen Ausbildungsstellen eine staatlich finanzierte Konkurrenz zu den Betrieben nicht gewollt sein kann. Ohne die Angebote der Berufsfachschulen "hätten wir viele Jahre alt ausgesehen", fügte Fiehler hinzu. Jetzt sei die Situation aber eine andere und der Schritt der Staatsregierung gerechtfertigt. Ein Fachkräftemangel sei dadurch nicht zu befürchten. Selbst der DGB hält viele Assistenten-Ausbildungen an den Berufsfachschulen für überflüssig. Landeschefin Iris Kloppich forderte aber eine differenzierte Betrachtung unter Mitwirkung von Gewerkschaften, Arbeitgeber, Ministerien und Schulen. Ingolf Pleil

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.05.2012

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