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Längere Betreuung für minderjährige Flüchtlinge

Migration Längere Betreuung für minderjährige Flüchtlinge

Minderjährige Flüchtlinge sollten aus Sicht der Arbeiterwohlfahrt in Sachsen länger als bisher von den Jugendämtern betreut werden. „Dann haben sie eine besser Chance, sich zu integrieren“, sagt der Landeskoordinator für Asyl und Migration, Ilko Keßler, in Dresden der Deutschen Presse-Agentur.

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Die Flüchtlinge sollen sich bei einer längeren Betreuung besser integrieren können.

Quelle: dpa

Dresden. Minderjährige Flüchtlinge sollten aus Sicht der Arbeiterwohlfahrt in Sachsen länger als bisher von den Jugendämtern betreut werden. „Dann haben sie eine besser Chance, sich zu integrieren“, sagt der Landeskoordinator für Asyl und Migration, Ilko Keßler, in Dresden der Deutschen Presse-Agentur. „Wir plädieren für eine Betreuung bis zum 21. Lebensjahr.“ Derzeit ende diese mit 18 Jahren, viele Jugendliche seien da aber erst ein Jahr in den Einrichtungen.

„Die Zeit ist zu kurz, um richtig Deutsch zu lernen, Abschlüsse zu machen und eine Ausbildung aufzunehmen“, meint Keßler. Die Integration werde praktisch plötzlich abgebrochen. Laut dem Sächsischen Flüchtlingsrat ist die Betreuung der Kinder und Jugendlichen in den Heimen „mittlerweile meist gut“.

Keßler berichtet von einem jungen, syrischen Flüchtling im AWO-Heim von Döberkitz bei Bautzen: „Der hat die ganze Nacht zu seinem 18. Geburtstag geweint.“ Er habe seine Duldungspapiere abgeben müssen, ein Zugticket nach Dresden  erhalten und musste sich dort in der Erstaufnahme neu registrieren lassen. Der Schulunterricht sei damit zu Ende gewesen, ebenso das Training im Fußballverein. Den jungen Geflüchteten werde so die Zukunft verbaut und das schon Erreichte aufs Spiel gesetzt, warnt Keßler. Deshalb wäre es aus seiner Sicht gut, wenn die jungen Erwachsenen in der Nähe der Heime bleiben könnten, damit der Kontakt nicht verloren gehe.

„Bei vielen von ihnen ist das Geburtsdatum gar nicht verlässlich bekannt“, sagt Thomas Hoffmann vom Sächsischen Flüchtlingsrat. Die Gefahr sei deshalb groß, dass die Betreuung damit viel zu früh beendet werde.

Die Zahl der Flüchtlinge allgemein sei zwar zurückgegangen, die der minderjährigen hingegen weiter gestiegen, sagt Keßler. Für diese hat die Arbeiterwohlfahrt, die in Sachsen 15 Heime mit etwa 300 Plätzen unterhält, 8 weitere unter anderem in Auerbach, Bautzen, Chemnitz, Dresden, Hoyerswerda und Pirna mit rund 50 Plätzen eingerichtet.

Laut Statistischem Landesamt wurden im vergangenen Jahr mehr als 4100 Kinder und Jugendliche durch die Jugendämter zu ihrem Schutz vorläufig in Obhut genommen - ein Plus von mehr als 1300 im Vergleich zu 2014. Laut dieser Statistik stieg allein die Zahl der unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge von 140 auf 1360. In den sächsischen Kinderheimen - für viele von ihnen das neue Zuhaus - lebten Ende 2014 mehr als 3000 Kinder und Jugendliche.

Die Kinderarche Sachsen hat in diesem Jahr in Lichtenberg, Reichenbach sowie in einzelnen Wohngruppen etwa 25 Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge geschaffen. Es sei schwierig, ausgebildete Sozialpädagogen oder Menschen mit ausreichenden Fähigkeiten für die Betreuung zu finden, hieß es.

Der Heimverbund „Sonneneck/Immenhof“ betreibt im Landkreis Mittelsachsen 7 Wohngruppen mit insgesamt 49 Plätzen. Eine Wohngruppe mit 6 Plätze wurden erst im Frühjahr speziell für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingerichtet. Dort lebten aktuell ausschließlich afghanische Jugendliche, hieß es. Diese seien motiviert und lernbereit. Kulturelle Besonderheiten würden von den Mitarbeitern als Herausforderung gesehen.

Der SOS-Kinderdorf-Verein unterhält in Zwickau seit 25 Jahren die einzige Einrichtung dieser Art in Sachsen. Aktuell leben dort 80 Kinder zwischen 2 und 17 Jahren. Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gibt es dort zwei Wohngruppen mit insgesamt 16 Plätzen. Die meisten Bewohner kommen aus Afghanistan.

Mit dem Weltkindertag wird am Dienstag (20. September) auf die Rechte der Kinder hingewiesen. Bundesweit gibt es Aktionen, das zentrale Fest ist bereits am Sonntag in Berlin.

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