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Kritik an Schließung von Asylunterkünften

Helfer brüskiert Kritik an Schließung von Asylunterkünften

Die in Sachsen geplante Schließung mehrerer Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge hat bei Hilfsorganisationen auch Kritik ausgelöst. „Wir empfinden die Entscheidung der Landesregierung in der aktuellen politischen Situation völlig unverständlich“, erklärten der Verein „Integration statt Isolation“ und das Bündnis „Vogtland gegen Rechts“.

Quelle: dpa

Dresden/Plauen. Die in Sachsen geplante Schließung mehrerer Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge hat bei Hilfsorganisationen auch Kritik ausgelöst. „Wir empfinden die Entscheidung der Landesregierung in der aktuellen politischen Situation völlig unverständlich“, erklärten der Verein „Integration statt Isolation“ und das Bündnis „Vogtland gegen Rechts“ am Freitag in Plauen. Dort soll eine im Vorjahr errichtete Unterkunft auf dem früheren Werksgelände der Firma Plamag zum 30. Juni wieder geschlossen werden und künftig als Lagerhalle dienen.

Die Einrichtung sei mit einem immensen Aufwand vor allem von ehrenamtlichen Helfer aufgebaut worden, erklärten die beiden Organisationen. Man habe viel Geld investiert, um hier eine menschenwürdige Unterbringung zu gewährleisten. Besonders beschämend sei die Tatsache, dass weder das DRK als Träger noch die Mitarbeiter vor Ort von offizieller Seite informiert worden seien, sondern die Nachricht von der Schließung aus den Medien erfahren hätten. „Es ist für alle haupt- und ehrenamtlich beschäftigten Personen ein Schlag ins Gesicht“, hieß es.

„Es hat nie Kritik an der Unterbringung und keine Konflikte unter den Bewohnern gegeben. Die Flüchtlinge haben sich hier wohl gefühlt, weil die Betreuung mit Herzblut erfolgte“, sagte Vereinsvorstand Mirko Kluge der Deutschen Presse-Agentur. Einige Mitglieder des Vereins hätten Vollzeit in der Einrichtung gearbeitet. Viele hätten dafür bereits bestehende Jobs aufgegeben: „Warum? Um Gutes zu tun. Und nun wird Ihnen in dieser Art und Weise gedankt.“ Ein fairer Umgang mit Personal vor Ort sehe anders aus.

Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) dankte allen Helfern. „Durch die schwer berechenbaren Flüchtlingsbewegungen konnte oft nur befristet eingestellt werden“, sagte sie weiter. Es sei gut, dass man viele Erstaufnahmeeinrichtungen nun in den drei Großstädten bündele. Dass einige Unterkünfte auf Dauer keine bleiben konnten, sei von Anfang an absehbar gewesen. Ehrenamtliche Helfer würden weiter gebraucht - nun bei der Betreuung von Flüchtlingen, die dezentral unterbracht sind. Und auch für Hauptamtliche bestünden perspektivisch Chancen, in diesem Bereich weiterarbeiten zu können.

Nach Angaben der Landesdirektion Sachsen wurden allein in die Unterkunft in Plauen rund zwei Millionen Euro investiert. Alle der gut ein Dutzend betroffenen Erstaufnahmeeinrichtungen, auf die Sachsen nun verzichtet, kosteten 14,8 Millionen Euro. Die Gesamtsumme für die Errichtung und den Umbau aller Quartiere in der Erstaufnahme belief sich 2015 auf 69 Millionen Euro, in diesem Jahr stehen 121 Millionen Euro bereit.

Um die Lebensbedingungen für die Bewohner erträglicher zu machen, waren angesichts rasant steigender Flüchtlingszahlen vor allem im Sommer 2015 Investitionen zwingend erforderlich. Vorhandene Objekte reichten nicht aus, um den Ansturm zu bewältigen. Dabei setzte Sachsen auf das Prinzip, Notunterkünfte Schritt für Schritt durch bessere Einrichtungen abzulösen.

Das ist auch der Grund dafür, warum parallel zur Schließung von Einrichtungen neue gebaut werden. So entsteht auf dem Dresdner Hammerweg voraussichtlich bis Anfang 2017 eine Einrichtung mit 700 Plätzen. Die gleiche Kapazität haben Unterkünfte auf der Leipziger Max-Liebermann-Straße und in Dölzig bei Schkeuditz, die Anfang 2017 beziehungsweise Ende 2016 in Betrieb gehen sollen.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hatte im vergangenen Jahr auf Landes- und Kreisebene in Sachsen rund 750 neue Mitarbeiter eingestellt, um die Betreuung der Flüchtlinge zu schaffen. Wie viele von ihnen nun keinen Job mehr haben, ist unklar. Das DRK bot auch Umschulung auf Qualifikationen wie Rettungssanitäter an. Die SPD hatte am Donnerstag einen fairen Umgang mit den Betroffenen angemahnt und dafür geworben, die betroffenen Helfer nicht im Regen stehen zu lassen.

dpa

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