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Kontroverse über Homosexualität: Basis widerspricht neuem Bischof Rentzing

Kontroverse über Homosexualität: Basis widerspricht neuem Bischof Rentzing

Innerhalb der sächsischen Landeskirche, vor allem in Leipzig, formiert sich Widerstand gegen die Haltung des designierten Landesbischofs Carsten Rentzing zu gelebter Homosexualität.

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Quelle: Arno Burgi

Der Pfarrer der Leipziger Bethlehemgemeinde, Christoph Maier, hat auf der Online-Petitionsplattform Openpetition.de ein Begehren mit dem Titel "Ja zur Amtseinführung, aber ..." gestartet. "Pfarrerinnen und Pfarrer, Gemeindemitglieder und kirchlich Interessierte sagen Ja zum neuen sächsischen Landesbischof Dr. Carsten Rentzing", heißt es darin. Aber in vielen Punkten stehe man für eine andere Kirche als die, die der 47-jährige promovierte Theologe und verheiratete Vater von vier Töchter bisher repräsentiere.

"Wir stehen für eine Kirche, die den barmherzigen Gott in der Mitte der Heiligen Schrift erkennt und diese nicht als 'Richterin' und 'Norm' zu einem Regelwerk erstarren lässt", heißt es weiter. Man wolle eine Kirche, in der alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung Verantwortung übernehmen könnten. Die Petition hatten innerhalb der ersten Tage bereits mehr als 750 Personen unterzeichnet; ein Großteil davon sind Christen aus der Messestadt - unter ihnen auch die Pfarrerin der Thomaskirche, Britta Thaddiken. Auch die Kirchenmusiker des Leipziger Ensemble Nobiles unterstützen die Initiative: "Uns sind die Vielfältigkeit der Glaubenden und die Gleichheit aller vor Gott wichtig." Die Petition läuft noch bis 16. September. Konkrete Auswirkungen hat sie allerdings keine.

Hintergrund sind Äußerungen Rentzings, wonach gelebte Homosexualität nicht dem Willen Gottes entspreche. Im Interview mit der LVZ hatte er seine Ablehnung eines Zusammenlebens homosexueller Partner im Pfarrhaus bekräftigt. Zugleich hatte er jedoch betont, zu der geltenden Regelung in Sachsen zu stehen. Die Kirchenleitung hatte 2012 beschlossen, das Pfarrhaus in seelsorgerlich begründeten Einzelfällen und bei Zustimmung von Superintendent und Kirchenvorstand für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Rentzing hatte erklärt, er werde sich schützend vor alle homosexuell lebenden Menschen stellen, die für sich die Entscheidung treffen, mit ihrem Partner zusammenzuleben und dies vor Gott verantworten wollen.

Theologisch blieben allerdings Fragen. "Ein Zusammenleben solcher Partnerschaften in Pfarrhäusern könnte das Signal setzen, dass das aus Gottes Sicht in Ordnung ist. Meines Erachtens würde die Kirche damit aber die Grenze dessen, was sie zu diesem Thema sagen kann, weit überschreiten", sagte Rentzing. Vor allem viele Leipziger Pfarrer sehen das anders. Deshalb hatten sie Rentzing auch kurz nach seiner Wahl zu einem Gespräch nach Leipzig eingeladen, um sich über die strittigen Fragen auszutauschen. Dem Vernehmen nach war es ein freundliches Treffen. Theologisch näher gekommen sei man sich jedoch nicht. Mit der Petition wolle man nun deutlich machen, dass die sächsische Landeskirche bunter sei, als es manchen scheine, so Initiator Maier.

Rentzing war Ende Mai zum Nachfolger von Landesbischof Jochen Bohl (65) gewählt worden. Er hatte sich nach einem Wahlkrimi im sechsten Urnengang knapp gegen Landesjugendpfarrer Tobias Bilz aus Dresden durchgesetzt. Nachdem Rentzing in allen Wahlgängen zwar vorn gelegen, jedoch nicht die erforderliche Mehrheit erzielt hatte, bekam er schließlich 40 der abgegebenen 78 gültigen Stimmen - die einfache Mehrheit.

Vor allem Leipziger Synodale hatten Rentzing wegen seiner biblisch-konservativen Ansichten bereits im Vorfeld als "nicht wählbar" bezeichnet. Dieser hatte nach seinem Wahlsieg erklärt, ein Landesbischof aller sein und Brücken bauen zu wollen. Er wird morgen in der Dresdner Kreuzkirche in das Amt eingeführt - der MDR überträgt den Gottesdienst im Fernsehen. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens hat rund 730 000 Mitglieder.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.08.2015

Matthias Pankau

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