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Junger Schul-Pendler: Amt will Wohnheimkosten nicht zahlen

Junger Schul-Pendler: Amt will Wohnheimkosten nicht zahlen

Max* geht es nicht gut. Der Junge sei irgendwie komisch in letzter Zeit, so verschlossen, sagt seine Mutter. "Und essen tut er auch nicht mehr richtig.

Von Katrin Richter

" Dabei sei der 14-Jährige eigentlich kontaktfreudig, wissbegierig und gehe gern zur Schule. Doch genau da liegt das Problem: Max ist in Görlitz zu Hause. Seit siebeneinhalb Jahren besucht er die Sprachheilschule an der Fischhausstraße in Dresden. Die Woche über lebte er im Wohnheim. Das war praktisch, denn das Gebäude steht auf dem weiträumigen Schulgelände. Seit September jedoch zahlt das Sozialamt in Görlitz die Kosten für den Heimplatz in Höhe von rund 75 Euro pro Tag nicht mehr, weil dafür keine Rechtsgrundlage mehr existiere. Max sei ja nicht behindert.

Bis vor ein paar Tagen behalfen sich die Eltern so, dass Max von Montag bis Freitag bei der Familie eines Schulfreundes in Großröhrsdorf wohnen durfte. "Die beiden Jungen mussten jeden Tag um 4.30 Uhr aufstehen, um rechtzeitig in der Schule zu sein", berichtet die Mutter. Im Moment würde das Kinderzimmer vorgerichtet, so dass kein Platz mehr zum Schlafen sei für Max. Also ist der 14-Jährige jetzt wieder zu Hause in Görlitz. "Wir können es uns nicht leisten, unseren Sohn jeden Tag anderthalb Stunden von Görlitz nach Dresden und nachmittags wieder zurückzufahren", sagt die Mutter, die wie ihr Mann Schausteller ist. Im Moment sei Max krankgeschrieben. Die Mutter hat nach eigenen Angaben alles Mögliche unternommen und sich auch an den Petitionsausschuss des Landtags gewandt. Die Entscheidung steht aus. Fakt ist, dass den Eltern mit zwei Gutachten empfohlen wurde, der Junge solle an der Schule in Dresden bleiben, weil dort ein förderliches Umfeld existiere. Das hilft Max jetzt nicht wirklich weiter, wenn ihm niemand die Wohnheimkosten bezahlt. Auch nicht die freundliche Empfehlung des Sozialamtes in Görlitz, die Familie solle doch ganz einfach nach Dresden ziehen, wie die Mutter berichtet.

Max ist kein Einzelfall (DNN berichteten). 48 sprachbehinderte Kinder könnten im Wohnheim, dessen Träger der Jugendsozialwerk Nordhausen e. V. ist, aufgenommen werden. Doch nur 16 Plätze sind belegt mit Kindern zwischen sieben und 14 Jahren. "Die Kommunen wollen nicht zahlen, sie verweisen darauf, dass sprachbehinderte Kinder vorrangig inklusiv am Wohnort betreut werden müssen", erklärte Sylvia Winkler, die Leiterin der Einrichtung, gegenüber DNN.

Auch Eva-Maria Stange, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag, hatte sich des Falles von Max angenommen. Es sei unglaublich, sagt sie. "Wie kann man so verantwortungslos mit der Zukunft eines jungen Menschen umgehen? Warum gelingt es nicht, dass sich Kultusministerium, Bildungsagentur und Sozialamt an einen Tisch setzen, statt die Mutter von Amt zu Amt zu schicken - immer mit leeren Händen?", fragt Stange.

*Name geändert

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.01.2013

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