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Jugendliche holen Kirchenschätze in die Straßen

Aktion in Kamenz Jugendliche holen Kirchenschätze in die Straßen

Vier Jahrhunderte alte Kirchen stehen in Kamenz - voller beeindruckender Kunstschätze des Spätmittelalters. Die jedoch sind noch immer nur wenigen bekannt, selbst unter den Bewohnern.

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Ist in den zurückliegenden Jahren restauriert worden: der 500 Jahre alte Marienaltar in der St.-Just-Kirche.

Quelle: T. Gärtner

Kamenz. Vier Jahrhunderte alte Kirchen stehen in Kamenz - voller beeindruckender Kunstschätze des Spätmittelalters. Die jedoch sind noch immer nur wenigen bekannt, selbst unter den Bewohnern. Jetzt sind Abbildungen einiger dieser Malereien und Skulpturen an verschiedenen Stellen in der 15 000-Einwohner-Stadt im Großformat zu sehen. "Kunst aus der Kirche in die Mitte der Stadt" lautet das Motto dieser Aktion. Sie will, was hinter Portalen verborgen ist, in den Straßen präsentieren, Passanten staunen lassen und neugierig machen.

Begonnen hatte sie mit den Konfirmanden, wie Claudia Wolf berichtet. Sie ist seit 2011 gemeinsam mit ihrem Mann Michael Gärtner hier Pfarrerin. 18 dieser Jugendlichen haben sie auf Erkundungstour geschickt. "Sie sollten nicht nur durch die Kirchen laufen, sondern sich eingehender mit den sakralen Kunstwerken beschäftigen", so Pfarrerin Wolf. Auf diese Weise mussten sie zunächst zur Grundaussage der Werke vorstoßen.

Dann stellte ihnen die Pfarrerin weitere Fragen: "Das sagt das Kunstwerk - und was sagst du?" Die Jugendlichen waren aufgefordert festzustellen, welche Erkenntnis ihnen ein Bild oder Schnitzwerk für ihren Glauben und ihr Leben mitgibt. Das sollten sie in einem ganz kurzen Satz formulieren.

"Dem besten Freund vertraut man blind", hat der 13-jährige Emil zu einem Ausschnitt aus dem Altar der Hauptkirche St. Marien notiert. Er zeigt Christus, auf dessen Schoß sein Jünger Andreas schlummert. "Jeder Mensch hat Musik im Herzen", schrieb Jessica (13) unter das Foto der Orgel in der Klosterkirche St. Annen. Clarissa (14) ordnete den beiden Händen mit ausgestreckten Schwurfingern des Reliquien-Altärchens in St. Annen die Erkenntnis zu: "Der Frieden liegt in jeder Hand".

Die Kamenzer City-Managerin Anne Hasselbach war sofort begeistert von der Aktion, wie sie berichtet. Und wollte mehr daraus machen: eine Art Freiluft-Ausstellung. Weitere Jugendliche aus der Jungen Gemeinde stiegen in das Kunstprojekt mit ein. 24 Bilder kamen schließlich zusammen - so viele, wie in einem Adventskalender. Anne Hasselbach ließ sie zusammen mit den handschriftlichen Sätzen der Schüler auf große Banner mit goldfarbenem Untergrund drucken. Angebracht wurden die bevorzugt an bröckelnden Hausfassaden, Baustellen oder in den Schaufenstern leerstehender Geschäfte. "Damit wird der Glanz aus unseren Kirchen in die Stadt getragen", sagt Pfarrerin Wolf.

Aus den Bannern ist eine Art begehbarer Adventskalender geworden. Die Stellen, wo sie hängen, sind auf einer handlichen Karte verzeichnet. Mit deren Hilfe kann sich jeder einen Rundgang zusammenstellen. Bis Ende Januar 2016 ist dazu Gelegenheit.

Eines der Banner beispielsweise schmückt das "Winzereck" am Markt. Das Geschäft, in dem viele Kamenzer einst Wein und Schokolade kauften, steht seit Jahren leer. Jetzt hat der Verein "Aktiv vor Ort" einen offenen Bürgertreff darin eingerichtet. "Um es zu erhalten", wie Anne Hasselbach betont.

Von den mittelalterlichen Altären und Wandmalereien sind in den vier Kirchen der 1225 erstmals urkundlich erwähnten Lessingstadt im Landkreis Bautzen besonders viele erhalten geblieben und in den zurückliegenden Jahren restauriert worden - zuletzt der prächtige, über 500 Jahre alte Marienaltar in der St.-Just-Kirche. Die ist 1377 erstmals urkundlich erwähnt worden; seit dem 16. Jahrhundert dient sie als Begräbniskirche.

Als besonders wertvoll gilt auch die Ausmalung ihres Chores aus dem 14. Jahrhundert. Das sakrale Kunstwerk darin hat vermutlich der Meister des großen Altars in der Hauptkirche St. Marien geschnitzt. Weitere solcher Schätze sind nebenan in der Katechismuskirche zu sehen sowie in St. Annen, die zugleich Sakralmuseum ist.

Tomas Gärtner

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