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Iran macht ostdeutschen Firmen Appetit auf Stück vom Kuchen

Wirtschaftsreise Iran macht ostdeutschen Firmen Appetit auf Stück vom Kuchen

Noch ist manches ungeklärt. Doch der Iran ist momentan für Firmen und Politiker eine angesagte Adresse. Angesichts eines erheblichen Investitionsbedarfes im Land ist der Hunger nach Aufträgen groß.

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Ein LKW fährt am 19.05.2016 durch eine Halle im Stahlwerk Mobarakeh in Isfahan (Iran).

Quelle: dpa

Teheran. Am Ende stellt Asghar F. Kashan klar: „Wir haben einen Kuchen auf dem Tisch: Sie können sich so viel Sie wollen davon nehmen.“ Die Einladung des Vizeministers im iranischen Ministerium für Straßen und Stadtentwicklung richtet sich an seine ostdeutschen Gäste. Doch wenn man zu lange zögere, würden andere den Kuchen wegessen. Die Antwort des Energie- und Verkehrsministers von Mecklenburg-Vorpommern, Christian Pegel (SPD), lässt nicht auf sich warten: „Sie finden hier viele Kuchenliebhaber am Tisch.“

Kurz vor dem Ende ihrer ersten Wirtschaftsreise in den Iran haben die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern noch einmal ein Mammutprogramm zu absolvieren. Vom Energieministerium geht es zur Projektentwicklungsgesellschaft für Energie und Infrastruktur, dann ins Ministerium für Straßen und Stadtentwicklung und schließlich in das Ölministerium. Alles in wenigen Stunden - Partnersuche wie beim Speed Dating. Die politischen Gespräche sind erst kurzfristig zustande gekommen. Ein Programm detailliert zu planen, ist in diesen Tagen schwierig im Iran.

Nicht nur die Deutsche Botschaft hat viele Terminwünsche deutscher Delegationen zu koordinieren. Auch die Iraner müssen die Vorstellungen ausländischer Vertreter unter einem Hut bringen. Dass sich Präsidentenberater Akbar Torkan fast eine Stunde Zeit für die Delegationen nimmt, werten die Deutschen unisono als wichtigen Beleg für das Interesse an ihren Bundesländern.

Bei ihrer Präsentation in diversen Ministerien gehen die drei Bundesländer stets nach gleichem Muster vor: Christian Pegel ergreift als erster das Wort. Das nordöstliche Bundesland hatte die Reise federführend organisiert, Sachsen und Sachsen-Anhalt waren quasi auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) und Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Wünsch aus Sachsen- Anhalt zeigen sodann die Vorzüge ihrer Länder auf. Dennoch wollten die drei Ost-Länder hier nicht als Konkurrenten auftreten. Mehrfach schlagen sie dem Iran auch gemeinsame Aktivitäten vor - zum Beispiel im Bereich Logistik beim Aufbau einer gemeinsamen Transportkette.

Die Iraner selbst erweisen sich als interessierte Gesprächspartner, erfragen immer wieder Details. Kashan lobt die Deutschen auf seine Weise: „Egal, welchen Iraner sie fragen: Die deutschen Produkte sind die Nummer eins.“ Leider habe es jahrelang nur wenige Kontakte zwischen Deutschland und dem Iran gegeben. „Ich möchte mich nicht über die Vergangenheit beschweren. Ich möchte über die Zukunft reden“, sagt der Vizeminister und begrüßt die drei Delegationen als die ersten aus dem Osten Deutschlands in seinem Haus.

Wenn Kashan über Investitionsbedarf spricht, gehen die Zahlen in die Milliarden. In den kommenden fünf Jahren seien 60 bis 70 Milliarden US-Dollar notwendig, um die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Kashan nennt mehr als 10 000 Kilometer neue Eisenbahnlinien; natürlich benötigt der Iran dafür auch Lokomotiven und Waggons.

Der zweigleisige Ausbau vorhandener Strecken steht gleichfalls an. Neue Autobahnen, Landstraßen, Häfen, Flugplätze und Flugzeuge braucht das Land. Die einzelnen Projekte haben laut Kashan ein finanzielles Volumen von 100 Millionen bis 10 Milliarden US-Dollar.

Auf der anderen Tischseite nicken die Deutschen und machen sich Notizen. Pegel erinnert schon bei seinem Eröffnungsstatement daran, dass die drei Bundesländer früher zur Deutschen Demokratischen Republik gehörten und 1989 vor dem Zusammenbruch standen. Nach gut 25 Jahren sei man nun wieder erstarkt.

Fast klingt es so, als wolle Pegel den Iranern Mut machen. Aber noch etwas schwingt mit: Es ist das Angebot an sie, die Erfahrungen der Ostdeutschen mit Transformationen zu nutzen. Nach dem Motto: Wir Ostler haben Umbrüche erlebt, darum seid Ihr bei uns in den besten Händen.

dpa

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