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Immer mehr Tschechen ziehen nach Zittau

Grenzstadt Immer mehr Tschechen ziehen nach Zittau

Zittau will künftig mehr von seiner Lage im Dreiländereck profitieren. Als Wirtschafts- und Kulturregion soll die Stadt nach dem Willen von Oberbürgermeister Thomas Zenker (parteilos) stärker über die Grenzen hinaus wachsen.

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Zittau. Zittau will künftig mehr von seiner Lage im Dreiländereck profitieren. Als Wirtschafts- und Kulturregion soll die Stadt nach dem Willen von Oberbürgermeister Thomas Zenker (parteilos) stärker über die Grenzen hinaus wachsen. Nach dem Wohnungstausch der Stadtoberhäupter im Frühjahr sind deshalb unter anderem weitere Aktionen mit der tschechischen Nachbarstadt Liberec geplant – etwa ein Austausch von Behördenmitarbeitern. Auch wenn es schon seit Jahrzehnten eine Städtepartnerschaft gebe, sei es wichtig, Verständnis für einander zu entwickeln, gerade was alltägliche, ganz praktische Probleme betrifft, sagte Zenker.

Im Mai zog Zenker für zwei Wochen nach Liberec, pendelte von dort ins Zittauer Rathaus. Zuvor hatte bereits der Beigeordnete des Liberecer Oberbürgermeisters, Jan Korytar, für zwei Wochen seine Koffer gepackt. „Das kleine Zittau hat großes Interesse, dass das große Liberec ein bisschen in unsere Richtung denkt. Wohnen ist da nur ein Aspekt“, erklärte Zenker. In der ostsächsischen Stadt mit rund 26 000 Einwohnern stehen etwa 20 Prozent der Wohnungen leer, im gut 25 Kilometer entfernten Liberec mit rund 100 000 Einwohnern wächst dagegen die Nachfrage.

Nach Angaben der Stadt ist die Zahl der in Zittau gemeldeten Tschechen in den vergangenen Jahren bereits gestiegen – wenn auch auf niedrigem Niveau: 2010 verlegten 92 Tschechen ihren Sitz nach Zittau, im Vorjahr waren es bereits 177. Vor allem in der Gesundheits- und Pflegebranche hätten viele aus der Nachbarregion einen Job auf deutscher Seite gefunden, sagte Zenker. Das Problem: Wer hier arbeitet, zahlt zwar Lohnsteuer. Anspruch auf einen Kitaplatz aber gibt es nicht. „Da müssen wir Lösungen finden.“ So gebe es in Tschechien etwa keine Krippen, weshalb Zittau gerade mit der Kinderbetreuung punkten könne.

Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit arbeiten im Kreis Görlitz die meisten ausländischen Arbeitnehmer in Sachsen (3,9 Prozent). Die geografische Nähe bedeute kurze Wege für Tagespendler aus Polen oder Tschechien, erklärte ein Sprecher. Seit Mai 2011 ist es für Polen und Tschechen mit der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit deutlich einfacher, eine Arbeit auf deutscher Seite aufzunehmen. Das habe zu einem kräftigen Anstieg der Tagespendler geführt, sagte der Sprecher der Regionaldirektion. Dennoch stünden Polen und Tschechien vor ähnlichen Herausforderungen wie Deutschland: Wegen des demografischen Wandels steigt auch bei den dort ansässigen Unternehmen der Fachkräftebedarf. Diese Länder könnten es sich nicht mehr leisten, gute Fachkräfte abwandern zu lassen, hieß es.

„Trotz Schengen, EU-Beitritt und Arbeitnehmerfreizügigkeit gibt es Dinge, die wir erweitern können“, sagte Zittaus Oberbürgermeister Zenker. Als weitere Themen nannte er den Ausbau der B 178n, einer wichtigen Ader der Region, die Stärkung des Einkaufstourismus sowie eine engere Zusammenarbeit in Sachen Tourismus und Kultur. „Wir haben enge Verbindungen über die Kulturschaffenden, bei den Besuchern hat sich das noch nicht ganz so durchgesetzt.“ Geplant sind dazu unter anderem Workshops und Arbeitsgemeinschaften.

Von Christiane Raatz

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