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Immer mehr Sachsen haben einen Zweitjob

Wenn's zum Leben nicht reicht Immer mehr Sachsen haben einen Zweitjob

Nach Feierabend geht für viele in Mitteldeutschland die Arbeit weiter: Immer mehr üben neben ihrer Haupttätigkeit einen Zweitjob aus. Hatten 2007 in Sachsen noch 38.075 Beschäftigte zusätzlich zum Job einen Nebenerwerb, waren es 2014 schon 57.420 gewesen.

Deutschlandweit haben nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung rund 2,6 Millionen Menschen neben ihrem Haupt- einen Minijob, Tendenz steigend.

Quelle: dpa

Dresden. Nach Feierabend geht für viele in Mitteldeutschland die Arbeit weiter: Immer mehr üben neben ihrer Haupttätigkeit einen Zweitjob aus. Hatten 2007 in Sachsen noch 38.075 Beschäftigte zusätzlich zum Job einen Nebenerwerb, waren es 2014 schon 57.420 gewesen, teilte die Landesarbeitsagentur mit. Auch in Thüringen und in Sachsen-Anhalt sind ähnlich hohe Anstiege zu verzeichnen.

Vor allem in den Branchen Handel, Wach- und Sicherheitsdienste, Gastgewerbe und Gesundheitswesen arbeiten Beschäftigte mit ihrem Minijob. Deutschlandweit haben nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung rund 2,6 Millionen Menschen neben ihrem Haupt- einen Minijob, Tendenz steigend. Gerade Frauen seien oft auf einen Zweitjob angewiesen, weil das Geld nicht zum Leben ausreiche, sagt Dorothea Voss, die Mit-Autorin der Studie. Frauen mit Neben-Minijob hätten in der Haupttätigkeit ein geringeres Einkommen als Männer. Und sie arbeiteten häufiger Teilzeit. Männer mit Neben-Minijob zählen laut Studie hingegen zur Gruppe der finanziell Bessergestellten. Wissenschaftlerin Voss spricht vor allem von qualifizierten Facharbeitern, die sich etwas dazuverdienten.

Zwischen Ost und West gibt es deutliche Unterschiede. Während in Mitteldeutschland nur jeder 30. aller Beschäftigten zum Haupterwerb noch einen Minijob hat, arbeitet im Westen jeder 13. Beschäftigte noch nebenbei. Laut Landesarbeitsagentur gehen Frauen im Osten zur Absicherung des Familieneinkommens traditionell sozialversicherungspflichtig arbeiten. Alleinige Minijobber seien stärker im Westen anzutreffen.

Dass im Osten jetzt immer mehr dazu neigen, einen Zweitjob anzunehmen, hat mehrere Gründe, glaubt Agentur-Sprecher Frank Vollgold. So gibt es einen Trend hin zur Teilzeit. Von den insgesamt 770.176 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Sachsen arbeite nur etwas mehr als die Hälfte in Vollzeit. Der Zweitjob sei also nötig, um finanziell über die Runden zu kommen. "Aber das ist sicher nur ein Aspekt", so Vollgold weiter. Aus Umfragen gehe hervor, dass sich Arbeitnehmer zusätzliche persönliche Wünsche erfüllen wollen. Andere gingen als Ausgleich einem Zweitjob nach. Beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln vermutet man ähnlich wie bei der Böckler-Stiftung, dass es für viele lukrativer ist, einen abgabenfreien Minijob auszuüben, als steuerpflichtige Überstunden zu absolvieren.

Die Linke Sabine Zimmermann sieht die Entwicklung kritisch. "Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus, so dass sie sich mit einem Minijob etwas dazuverdienen", so die Zwickauer Bundestagsabgeordnete. "Der überwiegende Teil dürfte dies aus purer finanzieller Not tun und nicht freiwillig." Die Politikerin sieht in der Zunahme von Zweitjobs ein Alarmzeichen. Um die Qualität von Beschäftigung sei es immer schlechter bestellt. Sie fordert eine bessere Entlohnung, damit Arbeit wieder existenzsichernd wird. Bei der Böckler-Stiftung lenkt man den Blick auf soziale Sicherungssysteme. Der Neben-Minijob bessere das Einkommen auf, mit ihm ließen sich aber keine weiteren Ansprüche erwerben.

Andreas Dunte

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