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Immer mehr Alte: Sachsen testet Emma-Modell und Tele-Medizin

Demografie Immer mehr Alte: Sachsen testet Emma-Modell und Tele-Medizin

In Sachsen gibt es immer weniger Menschen und die ergrauen zunehmend. Der demografische Wandel geht laut Regierung „vergleichsweise rasant“ vor sich. Mittlerweile sei jeder vierte Einwohner in Sachsen älter als 65; der Anteil der unter 20-Jährigen ist von 1990 bis 2012 von 24 auf 15 Prozent gesunken.

Dresden. In Sachsen gibt es immer weniger Menschen und die ergrauen zunehmend. Der demografische Wandel geht laut Regierung „vergleichsweise rasant“ vor sich. Mittlerweile sei jeder vierte Einwohner in Sachsen älter als 65; der Anteil der unter 20-Jährigen ist von 1990 bis 2012 von 24 auf 15 Prozent gesunken. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung stieg von 39,4 Jahre auf 46,5 Jahre und wird voraussichtlich 2025 zwischen 49,3 und 50,1 Jahren betragen. Fast jeder zehnte Einwohner wird dann 80 Jahre oder älter sein. Betroffen sind vor allem ländliche Regionen. Das Land hat deshalb nach eigenen Angaben seit 2007 rund 6,5 Millionen Euro in etwa 140 Demografie-Projekte gesteckt. Einige funktionieren mittlerweile ganz gut.

Als ein Vorzeigeprojekt gilt die „Große Emma“ – in Anlehnung an den sprichwörtlichen Tante-Emma-Laden. Dabei handelt es sich um ein barrierefrei ausgebautes Gebäude im Großenhainer Ortsteil Zabeltitz im Landkreis Meißen, umgeben von einem Getränkehandel und einem Lebensmittelmarkt. Dort sind mehrere Dienstleistungsunternehmen unter einem Dach vereint. Die Idee: Sie nutzen die Läden gemeinsam. Der eine etwa ist am Montag und Mittwoch Sparkasse, Dienstag Diakonie, Donnerstag und Freitag Lohnsteuerhilfeverein. „Wir teilen Miete und Betriebskosten“, erklärt der Pressesprecher der Sparkasse Meißen, Ralf Krumbiegel.

Auf Basis einer neuartigen IT-Plattform wird aktuell die gesundheitliche Betreuung von Patienten vor allem in Ostsachsen via Telemedizin getestet. „CCS Telehealth Ostsachsen“ gilt als eines der größten Telemedizin-Projekte in Deutschland; es wird von EU und Land mit insgesamt 9,8 Millionen Euro gefördert.

Das System ist zunächst für Fälle von Herzschwäche, ambulanter Schlaganfall-Nachsorge sowie des Austausches von Gewebe-Scans unter Klinik-Fachärzten ausgelegt. „Die Software-Plattform ermöglicht die Betreuung im häuslichen Umfeld und kann erweitert werden“, erklärt Sophia Mittelstädt von Carus Consilium Sachsen.

Vertreter der Opposition im Landtag finden die Bemühungen der Regierung um den demografischen Wandel dennoch unzureichend. Es gebe zwar viele Pilotprojekte, ja eine regelrechte „Projektitis“, aber keine nachhaltige Strategie, kritisiert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Franziska Schubert. Der Strukturwandel in den ländlichen Regionen etwa beim Breitbandausbau komme nur schleppend voran. Der Öffentliche Personennah­verkehr werde immer stärker zurück­gefahren. Vor allem aber müsse die Jugendpolitik besser finanziert werden. Ähnlich sieht es die Sprecherin für ländliche Räume der Linken, Kathrin Kagelmann. „Sachsen diskutiert seit vielen Jahren über den demografischen Wandel.“ Es gebe viele Studien, Publikationen, Kongresse – ohne wirkungsvoll negativen Entwicklungen gegenzusteuern. Das Schulsterben etwa habe die Lebensbedingungen für Familien auf dem Lande verschlechtert.

Der Chef des Dresdner ifo-Wirtschaftsinstitutes, Marcel Thum, hat vor zehn Jahren eine Expertenkommission zum demografischen Wandel geleitet und beobachtet heute nachlassenden Anpassungseifer. Das liege nicht an fehlenden Ideen, sagt er. Sondern: „Es gibt zu wenig Handlungsdruck.“ Die Kommunen müssten sich jedoch eigentlich jetzt überlegen, welche Infrastruktur sie sich in 20 Jahren noch leisten könnten. Stattdessen warteten sie ab.

Von Alexandra Stahl

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