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Im Oberlausitzer Geburtsort von Georg Baselitz herrscht dicke Luft

Mist im Rahmen Im Oberlausitzer Geburtsort von Georg Baselitz herrscht dicke Luft

Mist und Kunst halten Banausen nicht selten für ein und dasselbe. In Deutschbaselitz am Rande der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft haben beide jetzt auf ungewöhnliche Weise zusammengefunden. Nemske Pazlicy, so heißt der Ort auf Obersorbisch, ist so einer, von dem man mit Recht sagt, er habe seinen dörflichen Charakter bewahrt.

Bis vor kurzem konnte man durch die Installation „Rahmen“ in Deutschbaselitz eine Landschaft sehen, die einst Georg Baselitz (78) inspirierte. Jetzt wurde die Aussicht zugekippt – mit Mist.

Quelle: picture alliance / Andreas Franke

Deutschbaselitz .  Mist und Kunst halten Banausen nicht selten für ein und dasselbe. In Deutschbaselitz am Rande der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft haben beide jetzt auf ungewöhnliche Weise zusammengefunden. Nemske Pazlicy, so heißt der Ort auf Obersorbisch, ist so einer, von dem man mit Recht sagt, er habe seinen dörflichen Charakter bewahrt. Hier finden noch Forst-, Fischerei- und Landwirtschaft statt. Fuchs und Hase sagen einander gute Nacht, wenn sie denn aufgestanden sind. „Heute nichts los“, meldet die ortseigene Homepage.

Das ändert sich gerade. In Deutschbaselitz, seit 1999 ein Stadtteil von Kamenz, hat nämlich 1938 ein gewisser Hans-Georg Kern das Licht der Welt erblickt und zu malen begonnen. Später nannte er sich in Anlehnung an seinen Geburtsort Georg Baselitz, stellte seine Bilder auf den Kopf und verdiente fortan Millionen. 2011 erinnerte man sich an den weltweit erfolgreichen Sohn des Dorfes, baute einen Rundweg, der mit mehreren Stationen an das frühe Wirken des Meisters erinnert. Eine davon heißt „Rahmen“ und ist genau das: Fünf mal einen Meter groß, erlaubt die von dem Berliner Künstler Rainer Düvell geschaffene Installation nett umrahmte Blicke in eine romantische Landschaft, die einst Baselitz inspirierte.

Damit ist es jetzt vorbei. Wie die „Bild“ berichtete, hat die Agrargenossenschaft Liebenau, Pächter des angrenzenden Ackers, die schöne Aussicht zugekippt – mit Mist. „Wir haben uns nichts dabei gedacht. Für mich ist diese Kunst sowieso Schrott. Weil unsere Biogasanlage saniert wird, wird der Haufen bis Mitte August dort lagern“, sagte Bernd Preuß, Chef der Agrargenossenschaft, der Zeitung. Nun soll dicke Luft herrschen im Maler-Idyll. Baselitz’ Bruder Günter Kern sei entsetzt, der Baselitz-Verein wolle den Haufen weghaben, heißt es.

Rahmen-Bauer Düvell hingegen sieht die Angelegenheit lockerer. „Der Rahmen zeigt immer das, was gerade da ist – ob nun blühender Raps oder ein ­Misthaufen“, sagte er gestern.
Und genau genommen ist hier auf dem Acker ja auch zusammen­gekommen, was zusammengehört: Kultur kommt von lateinisch „cul­tura“, was „Pflege“‚ „Ackerbau“ bedeutet. Also: alles im Rahmen.

Von Jürgen Kleindienst

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