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Im Bundestagswahlkampf warten Sachsens Parteien mit einigen Besonderheiten auf

Im Bundestagswahlkampf warten Sachsens Parteien mit einigen Besonderheiten auf

Normalerweise wird das Polit-Geschäft im Wahlkampf vom Spitzenpersonal dominiert. Wer vorn steht, hat das Sagen, dahinter kommt sehr lange nichts.

Dresden.

Dabei allerdings droht oft genug das zu verschwinden, was in Parteien am Rande passiert: die eine oder andere Geschichte hinter der Geschichte. Wir haben einige Aspekte ausgewählt - als ein kurzer Blick aufs innere Gefüge der Politikerzunft, aber ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Die attraktivste Newcomerin

Susanna Karawanskij: Gerade mal 33 ist die studierte Politikwissenschaftlerin - und nun auf dem Sprung in den Bundestag. Karawanskij firmiert bei den sächsischen Linken überraschend weit vorn, auf dem äußerst komfortablen Listenplatz 3. Folge: Die Kreisvorsitzende der Linken in Nordwestsachsen hat beste Chancen, ins Bundesparlament einzuziehen. Dabei macht sie keine schlechte Figur, was auch ihr Landesverband so gesehen zu haben scheint. Schließlich haben die Delegierten die Kreischefin auf den ersten Frauenplatz nach der aus Dresden stammenden Bundeschefin Katja Kipping gesetzt und damit noch vor Caren Lay. Die geht ebenfalls für Sachsen ins Rennen und ist immerhin Bundesvize. Für Karawanskij ist das mehr als ein Achtungserfolg. Aber schließlich ist sie ja auch mit Landesvize Stefan Hartmann liiert, der seit Jahren schon in der sächsischen Linken die Strippen zieht.

Der interessanteste Werdegang

Mit Petra Zais schicken die sächsischen Grünen eine Chemnitzerin ins Rennen, deren Kandidatur gleich aus mehreren Gründen beachtlich ist. So war Zais früher Mitglied der SED, unterrichtete gar an einer Parteischule. Nach der Wende wurde sie Stadträtin in Chemnitz, zunächst als Parteilose für die PDS. 1993 schließlich wechselte Zais zu den Grünen, ebenfalls im Stadtrat. Dieser Werdegang ist einigermaßen ungewöhnlich, zumal für die Grünen. Schließlich gelten diese als Bürgerrechtspartei. Hier aber zeigt sich: Sie sind zuweilen durchaus offen für ehemalige SED-Kader - und schicken diese dann sogar in den Bundestag. Darüber hinaus strebt mit der gelernten Facharbeiterin für Papiererzeugung eine Sächsin ins Bundesparlament, deren Ex sich ebenfalls als Parlamentarier verdingt. Der heißt Karl-Friedrich Zais, kommt auch aus Chemnitz und war in der SED. Seit 1999 sitzt er für die Linke im sächsischen Landtag. Beide sind allerdings längst geschieden.

Die Jüngsten im Kandidaten-Reigen

Für frisches Blut in Unionsreihen soll Marian Wendt sorgen. Der ist gerade mal 28 Jahre alt, hat bisher als Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Manfred Kolbe fungiert - und übernimmt jetzt dessen Wahlkreis. Wendt stammt aus Torgau, hört gern Rock und Pop, wie sagt. Darüber hinaus hält er es mit Erich Kästner: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Dabei hat er gute Chancen, für den ausscheidenden Kolbe in den Bundestag einzuziehen. Anders sieht es dagegen bei den anderen aus. So schicken auch Sachsens Liberale sowie die Sozialdemokraten den einen oder anderen Nachwuchspolitiker ins Rennen, allerdings sind deren Chancen arg beschränkt. Dabei handelt es sich um den FDP-Mann Steve Görnitz sowie Benjamin Zabel von der SPD, beide gerade mal 25 Jahre alt. Ihr Auftritt aber hat eher sportlichen Charakter. Denn Görnitz rangiert auf Listenplatz 11, der Plauener Zabel auf Platz 9. Diese beiden Stellen dürften für den angepeilten Einzug in den Bundestag nicht reichen.

Ältere Semester mit Ambitionen

Doch nicht nur Jungpolitiker streben in den Bundestag, auch ältere Semester wollen es noch einmal wissen. Einer dieser Kandidaten ist der CDU-Mann Günter Baumann, der es aktuell immerhin schon auf 66 Jahre bringt. Damit gehört er ganz klar zu jenen Sachsen im Bundesparlament, für die die Polit-Karriere im Grund längst gelaufen sein könnte. Ähnliches gilt für Wolfgang Gunkel. Der SPD-Mann sitzt seit 2005 im Bundestag und ist ebenso wie Baumann mittlerweile 66. Und nicht nur das: Der gelernte Polizist hat sich SPD-intern nach vorn geboxt, auf den aussichtsreichen Listenplatz 5 - was nicht wenigen Sozialdemokraten bitter auf-gestoßen ist.

Die Frauenquote - nicht jedermanns Sache

Einen ganz speziellen Polit-Umgang mit dem weiblichen Geschlecht pflegen die Liberalen im Freistaat. Denn im Gegensatz zu anderen Parteien zieht die Sachsen-FPD fast ohne Frauen in den Kampf um die Bundestagsmandate. Exakt eine einzige Kandidatin findet sich auf der 17 Namen umfassenden Liste für den Bundestag - ein Anteil von knapp sechs Prozent. Und bei genauerer Betrachtung sinkt dieser sogar auf Null. Denn Jutta Kreitz aus Nordsachsen, die einzige Frau im Kandidaten-Reigen, rangiert auf Platz 6. Und eben dieser liegt aus liberaler Sicht jenseits dessen, was für den Bundestagseinzug reichen dürfte. Die anderen Parteien gehen hier einen anderen Weg, bei ihnen ist der Frauenanteil wesentlich höher. Im Falle der Sachsen-CDU liegt er bei exakt 25 Prozent, von 16 Direktkandidaten sind vier weiblich. Noch weiter gehen Linke und Grüne, in beiden Parteien gilt eine Frauenquote von 50 Prozent als Standard. Auch bei der Sachsen-SPD wechseln sich bis Listenplatz 12 Frauen und Männer beständig ab. Die restlichen vier Stellen allerdings sind ausschließlich mit Männern besetzt - was aber kaum eine Rolle spielen dürfte. Denn diese Plätze ziehen höchstwahrscheinlich sowieso nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.09.2013

Jürgen Kochinke

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