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Husten, Schnupfen, Rücken – Notaufnahmen überlastet

Ärzte wollen wieder Praxisgebühr Husten, Schnupfen, Rücken – Notaufnahmen überlastet

Knapp eine Million Sachsen und Thüringer haben sich im vergangenen Jahr vom Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst oder in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser behandeln lassen. Das geht aus Anfragen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) beider Bundesländer hervor.


Quelle: dpa-tmn

Leipzig. Knapp eine Million Sachsen und Thüringer haben sich im vergangenen Jahr vom Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst oder in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser behandeln lassen. Das geht aus Anfragen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) beider Bundesländer hervor. Danach wurden in Sachsen knapp 700 000 Fälle und in Thüringen knapp 300 000 Fälle registriert.

Der Leipziger Arzt und Rettungsmediziner Michael Burgkhardt – bis 2014 Vorsitzender der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands – sieht es außerdem als großes Problem an, „dass der Rettungsdienst immer häufiger zu banalen Fällen gerufen wird“. Mancher habe einfach keine Lust, rauszugehen in den Regen und rufe den Rettungsdienst, wenn es im Rücken zwicke.

„Viele Patienten wissen heute nicht, an wen sie sich im Notfall wenden sollen“, stimmt Ulrike Elsner, die Chefin des Ersatzkassenverbandes (vdek), zu. Die Notaufnahmen würden mit kleineren Wehwehchen wie Husten und Schnupfen blockiert. Laut einer Studie des Berliner Instituts Aqua, das sich mit Qualitätsanforderungen im Gesundheitswesen befasst, steigt dieser Wert kontinuierlich um vier bis neun Prozent pro Jahr. Dabei reiche bei rund zwei Dritteln der Notfall-Patienten eine ambulante Betreuung.

Auf dem Tisch liegt noch immer die Forderung der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) von Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg, dass Krankenhaus-Notaufnahmen nur noch wirkliche Notfälle behandeln sollen. In der Praxis lässt sich das allerdings schwer realisieren. Zum einen gehen Ärzte nur ungern das Risiko ein, einen womöglich doch stärker erkrankten Patienten wegzuschicken, zum anderen nehmen Krankenhäuser auch leichtere Fälle stationär auf.

„Die Zusammenarbeit zwischen Notdienst und Notaufnahme der Krankenhäuser klappt dennoch unterschiedlich“, schätzt die KV Thüringen kritisch ein. „Während Notfälle, die beim Notdienst ankommen, in der Regel an die Notaufnahmen weitergeleitet werden, funktioniert dies bei Bagatellfällen, die in der Notaufnahme ankommen, nicht immer ...“ Darüber hinaus gingen Patienten mit akuten Beschwerden auch dann in die Notaufnahmen der Krankenhäuser, wenn Arztpraxen geöffnet waren.

Das Zauberwort heißt nun Portalpraxen. Diese könnten nach dem Willen der Ersatzkassen an den 1600 Kliniken in Deutschland mit Notfallversorgung eingerichtet werden und Patienten aufteilen – in akute Fälle für die Notaufnahme, akute Fälle für ambulante Behandlung und nicht akute Fälle für Arztpraxen. Ein anderer – in regelmäßigen Abständen wiederholter – Vorschlag ist, eine Notarztgebühr zu erheben, die der Patient im Falle eines wirklichen Notfalls zurückerstattet bekommt. Die Freie Ärzteschaft (FÄ) will gleich zurück zur Praxisgebühr. FÄ-Chef Wieland Dietrich: „Die Praxisgebühr hat auch dafür gesorgt, dass die Notdienste nicht so oft aufgesucht werden.“ Allerdings sollte sie dann auch in den Arztpraxen und anderen ambulanten medizinischen Einrichtungen bleiben und nicht an die Krankenkassen weitergeleitet werden.

Von Roland Herold und Anita Kecke

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