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Hintergrund: Fragen und Antworten rund ums Thema Asyl

Hintergrund: Fragen und Antworten rund ums Thema Asyl

Gerade, wenn eine neue Unterkunft für Asylsuchende errichtet werden soll, tauchen bei vielen Dresdner Bürgern Fragen auf: Welche Leute kommen zu uns, woher stammen sie, wie leben sie? Wir haben für Sie die häufigsten Fragen zum Thema Asyl beantwortet.

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In Broschüren wie dieser vom Netzwerk "Willkommen in Löbtau" verteilten können sich Dresdner Bürger über Fakten zum Thema Asyl informieren.

Quelle: Tanja Tröger

Wie viele Flüchtlinge kommen nach Deutschland?

Rund 50 Millionen Menschen sind laut UNO-Flüchtlingswerk auf der Flucht. 2013 war weltweit bislang das Jahr mit den meisten Flüchtlingen, nämlich 51 Millionen Menschen – das sind sogar mehr als im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Etwa 33 Millionen der Flüchtenden blieben jedoch innerhalb ihres Heimatlandes. Europa ist für sie nur auf illegalen Wegen zu erreichen.

Rund 436.000 Flüchtlinge haben 2013 einen Asylantrag in der Europäischen Union (EU) gestellt, 127.000 davon in Deutschland. In der ersten Jahreshälfte 2014 lag die Zahl bei 230.000 Anträgen in der EU und rund 75.000 in Deutschland. Viel mehr Asylgesuche werden beispielsweise in Schweden oder Malta gestellt.

Müssen Sachsens Kommunen Flüchtlinge aufnehmen?

Innerhalb Deutschlands werden die Flüchtlinge nach festgesetzten Quoten („Königsteiner Schlüssel“) verteilt. Sachsen musste 2014 5,1 Prozent der Asylbewerber aufnehmen. Die Kommunen sind verpflichtet, die Flüchtlinge unterzubringen – „Pflichtaufgabe nach Weisung“ heißt das im Behördendeutsch.

Wie viele Asylsuchende kommen nach Dresden?

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Zum Thema Asyl haben viele Dresdner Fragen.

Quelle: Tanja Tröger

Derzeit leben in Dresden 1908 Flüchtlinge (Stand Mitte Dezember 2014), 1788 davon sind in Wohnheimen und Wohnungen der Stadt untergebracht. Exakt 1313 Asylsuchende wurden 2014 neu aufgenommen. Für 2015 rechnet die Stadt mit weiter steigenden Zuweisungszahlen. Die Planungen gehen von 1740 Asylbewerbern aus.

Woher kommen die Flüchtlinge?

Die meisten Flüchtlinge kamen 2014 aus Syrien (etwa 41.000), Serbien (27.000), Eritrea (13.000), Afghanistan, Somalia, Tunesien, Libyen, der Russischen Föderation und dem Irak. Gemäß einer Festlegung  nimmt Sachsen vor allem Asylbewerber aus dem Nordafrika auf. Daher leben beispielsweise in Dresden viele Tunesier.

Wo und wie leben Asylsuchende in Dresden?

Asylsuchende werden gesammelt in sogenannten Übergangswohnheimen oder dezentral in Wohnungen untergebracht, die die Stadt angemietet hat. Um die Integration der Flüchtlinge zu erleichtern, wird die dezentrale Unterbringung bevorzugt.

in Gden emeinschaftsunterkünften gibt es kaum Privatsphäre: Jedem Asylbewerber steht eine Wohnfläche von sechs Quadratmetern zu. Teilweise leben bis zu fünf Personen in einem Zimmer mit Doppelstockbetten. Sie teilen sich zudem Küche und Sanitäreinrichtungen. Problematisch ist, dass oft traumatisierte Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und religiösen Hintergrund auf engstem Raum zusammenleben.

Leben Asylbewerber im Dresdner Westen?

In Dresden-West existieren laut Themenstadtplan bisher zwei Übergangswohnheime an der Bauhof- und Florastraße mit insgesamt 136 Plätzen. Im Februar kommt das Haus an der Tharandter Straße 8 hinzu. Dort sollen bis zu 40 Flüchtlinge wohnen. Bislang waren in Löbtau keine Asylbewerber untergebracht, in Gorbitz lebten Flüchtlinge in angemieteten Wohnungen. In Naußlitz, Cotta und Plauen sollen etwa 2016 drei Heime neu errichtet werden, plant die Stadt.

Welche Rechte und Pflichten haben Asylbewerber?

Erwachsene alleinstehende Asylsuchende erhalten monatlich 370 Euro, ab März nur noch 359 Euro – also weniger als Hartz IV (399 Euro). Alle Formalitäten müssen auf Deutsch erledigt werden. Die Flüchtlinge haben allerdings keinen Anspruch auf einen Sprachkurs.

Asylbewerber dürfen in den ersten drei Monaten ihres Aufenthaltes in Deutschland nicht arbeiten. In den folgenden 15 Monaten kann die Ausländerbehörde eine Arbeitserlaubnis aussprechen – allerdings darf es keinen passenden deutschen oder EU-ausländischen Bewerber für die Stelle geben. Dieses Prozedere dauert lang und ist den meisten Unternehmen zu unsicher.

Asylbewerber haben ein Recht auf ärztliche Versorgung bei Schmerzen und akuten Erkrankungen. Allerdings müssen sie sich zuvor einen sogenannten Krankenschein beim Sozialamt abholen. Das hat aber nicht immer geöffnet, und dort gibt es üblicherweise keine medizinischen Fachkräfte.

Wie sieht der Alltag von Asylsuchenden aus?

Da die meisten Asylbewerber nicht arbeiten gehen dürfen, haben sie abgesehen von Behördengängen und eventueller Kinderbetreuung nichts zu tun, schildert Flüchtlingsbetreuerin Ingrid Blankenburg vom Verein für soziale Integration von Ausländern und Aussiedlern. Das fehlende „Ich werde gebraucht“-Gefühl, die hohe Sprachbarriere, das Zusammenleben auf engstem Raum, die bislang geltende Residenzpflicht und die zermürbende Warterei auf den Bescheid lösten bei vielen Flüchtlingen einen „Heimkoller“ sowie schwere Erkrankungen wie Depressionen aus. Aus Langeweile und weil viele Asylbewerber aus ihren Heimatländern gewohnt sind, dass sich das Leben auf der Straße abspielt, träfen sie sich in der Stadt. So entsteht bei Innenstadtbesuchen der Eindruck, dass in Dresden sehr viele Flüchtlinge leben. Alle Asylbewerber würden lieber arbeiten und sich sinnvoll in die Gesellschaft einbringen, schätzt Sozialbetreuerin Blankenburg ein.

Kindern und Jugendlichen fällt die Integration oft leichter, weil sie Kindergarten, Schule oder Hort besuchen, schildert der 2003 aus dem Irak geflüchtete Kassem Taher Saleh. Aber: „In den Ferien war‘s uns meistens langweilig. Die Familie durfte ja nicht verreisen, das wäre auch finanziell nicht möglich gewesen.“

Wie werden die Asylbewerber betreut?

Für die derzeit rund 2000 Flüchtlinge in Dresden gibt es seit Ende 2013 zwölf Sozialarbeiter, die sich um sie kümmern. Das ergibt eine Quote von etwa 160:1. In den nächsten Monaten sollen zehn weitere Stellen geschaffen werden, kündigt Sozialbürgermeister Seidel an. Die Sozialbetreuer helfen bei Behördengängen, erläutern die Unterschiede zwischen der deutschen Kultur und der des Herkunftslandes, hören bei Problemen zu und sind als Vertraute da. Die Sprach- und Kulturexperten des Gemeindedolmetscherdienstes übersetzen bei Arzt- und Behördenterminen. Seidel will zudem die vorhandenen Sozialbetreuungsangebote und Beratungsstellen befähigen, auch Flüchtlinge zu betreuen.

Wie ist es um die Sicherheit von Flüchtlingen und Anwohnern bestellt?

Alle Übergangswohnheime werden zunächst durch einen Sicherheitsdienst geschützt – „in beide Richtungen wohlgemerkt, also für Heimbewohner und Anwohner“, sagt Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos). Gebe es keine negativen Vorfälle, könne dieser auch abgezogen werden. „Wir haben zwei Einrichtungen in der Stadt, wo es keinen Wachschutz gibt, weil es nicht nötig ist“, so Seidel.  Die Mitarbeiter der Wachschutzdienste müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, beispielsweise ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, in dem neben Vorstrafen auch Verurteilungen wegen Sexualdelikten aufgeführt sind.

Die Polizei beobachtet die Entwicklungen sorgsam, bestreift die Gemeinschaftsunterkünfte aber nicht permanent. „Wir haben nicht die Ressourcen“, so René Kolodziej, Revierleiter Dresden-West.

Der Polizeihauptkommissar hat keine erhöhte Kriminalität im Umfeld der sechs Flüchtlingsheime in seinem Gebiet bemerkt. Er betonte zudem, dass die festgestellten Straftaten meist von den gleichen Tätern begangen werden. Solche schwarzen Schafe gebe es überall, eben auch in Asylbewerberunterkünften, sagt Flüchtling Kassem Taher Saleh. Er warnte vor Verallgemeinerungen.

Wie werden Bürger zum Thema Asyl informiert?

Dresdner Bürger können sich auf der Internetseite www.dresden.de/asyl informieren. Das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“ will die bei der Podiumsdiskussion gesammelten Fragen durch Experten beantworten lassen und die Antworten auf ihrer Website www.willkommen-in-loebtau.de veröffentlichen. Außerdem können sich die Dresdner bei den öffentlichen Ortsbeiratssitzungen und natürlich aus den Medien informieren. Das Problem: „Man kann erst informieren, wenn man selber die Information hat“, sagt Seidel. Oft bekäme die Stadt Dresden erst einen Tag zuvor die Information, wie viele und welche Flüchtlinge aus der Chemnitzer Erstaufnahmeeinrichtung in die Landeshauptstadt kommen.

ttr

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