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Größter deutscher Sozialkongress in Leipzig: Beifall für Gauck

Größter deutscher Sozialkongress in Leipzig: Beifall für Gauck

Für Roswitha (49) und Thomas Bach (52) aus Leipzig hat der 80. Deutsche Fürsorgetag ganz praktische Bedeutung. Was sie vom größten deutschsprachigen Sozialkongress Europas erwarten? "Guten Umsatz", lacht Thomas Bach.

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Fachsimpeln mit dem Bundespräsidenten: Carola Sommer (l.) und Sandra Zabel von der Berufsakademie Sachsen beim Gespräch mit Joachim Gauck.

Quelle: Christian Modla

Er ist Hartz-IV-Empfänger und verkauft die Obdachlosenzeitung "Kippe", um sich "ein paar Pfennige dazu zu verdienen". Seine Frau Roswitha - aus Krankheitsgründen erwerbsunfähig - unterstützt ihn. Ein Teil von den drei Euro Verkaufserlös fließt in ihre Taschen. Die Sterne stehen jedenfalls heute günstig. Nicht nur, weil es die Jubiläumsausgabe ist, sondern auch, weil sich kein Politiker an diesem Tag knausrig zeigen möchte - auf dem Markt der Möglichkeiten, wo sich wohltätige Organisationen, Bildungseinrichtungen und kommunale Behörden präsentieren.

Zuerst kommen Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU), Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und der Präsident des Deutschen Vereins, Johannes Fuchs, an die Leipziger Stände. "Pre-Opening" nennt Jung das und verweist auf den Bundespräsidenten, weil der die offizielle Eröffnungsansprache halten wird. Die Bachs nutzen die Gelegenheit, um die "Kippe" an Jung und Klepsch zu verkaufen. Gaucks Route führt heute nicht bei ihnen vorbei.

Das ist bei Carola Sommer (49) von der Berufsakademie Sachsen aus Breitenbrunn ganz anders. Die Professorin weiß, dass sie auf der Messerunde gesetzt ist und überlegt, was sie dem Bundespräsidenten sagen wird. "Wir reden immer über die Jungen, aber die Alten kommen zu kurz", moniert sie. Dabei sei man gerade mit dem erfolgreichen Abschluss in der neuen Studienrichtung Soziale Gerontologie für das weite Feld der Altenarbeit gut ausgebildet.

Pünktlich, kurz vor 13.30 Uhr, erreicht der Bundespräsident mit seiner Entourage das Congress Center und wird von den rund 2000 Gästen begeistert begrüßt. "Sie sind ein Markenzeichen dieses Landes. Es ist ein schönes Land, weil sie so arbeiten, wie sie es tun", sagt er und erntet dafür donnernden Applaus.

Doch Gauck, an dessen Rede große Erwartungen gestellt wurden, kann auch austeilen. Er stellt insbesondere die Ökonomisierung und Professionalisierung der Branche infrage: "Ich bin überzeugt, dass eine Transparenzoffensive der Sozialbranche sehr viel mehr nutzen als schaden würde. Vielleicht würde die Anzahl gut gemeinter Maßnahmen ohne konkret nachweisbare Wirkung ein wenig abnehmen."

Da stimmt ihm Leipzigs OBM Jung zu und fragt gleichzeitig: "Müssten Sozialarbeiter nicht die Aufgabe haben, sich überflüssig zu machen?" Er verweist auch auf die explodierenden Sozialkosten der Kommunen. Seiner augenzwinkernden Bitte an die Delegierten, diese mögen doch am Abend zumindest den einen oder anderen Euro in Leipzig lassen, beeilt sich der Präsident des Deutschen Vereins, Fuchs, rasch zu widersprechen. Noch sei hier Kongress.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) erinnert an die langen Traditionen, die die Fürsorge in Sachsen und gerade in Leipzig hat. Aber: "Der Staat kann nicht alles - und er kann nicht alles besser." Statt Bürokratie sei bürgerliches Engagement mehr denn je gefragt.

Dann eilen die Promis zum Fototermin an einigen ausgewählten Ständen. Gauck trifft alte Freunde, bekommt ein Fotobuch über Palästina zugesteckt. Die Stimmung ist gelöst. Professorin Sommer ist zufrieden. "Der Bundespräsident war sehr interessiert", sagt sie erleichtert. In Saal 1 fordert die Schirmherrin des Kongresses, Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), zur gleichen Zeit faire Arbeitsbedingungen für Erzieher und Altenpfleger.

Für Roswitha und Thomas Bach ist es auch kein schlechter Tag. 50 verkaufte "Kippen" - besser als beim Tag der Sachsen in Schwarzenberg. Thomas Bach hält das aber für steigerungsfähig. "Heute Abend stelle ich mich an den Ausgang. Vielleicht bekomme ich die anderen 50 dann auch noch los!"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.06.2015

Roland Herold

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