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Graumeliertes Sachsen: Modellprojekte für demografischen Wandel

Altersstruktur im Freistaat Graumeliertes Sachsen: Modellprojekte für demografischen Wandel

In Sachsen gibt es immer weniger Menschen und die ergrauen zunehmend. Der demografische Wandel geht laut Regierung „vergleichsweise rasant“ vor sich. Das Land hat deshalb nach eigenen Angaben seit 2007 rund 6,5 Millionen Euro in etwa 140 Demografie-Projekte gesteckt.

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Quelle: dpa

Dresden. In Sachsen gibt es immer weniger Menschen und die ergrauen zunehmend. Der demografische Wandel geht laut Regierung „vergleichsweise rasant“ vor sich. Das Land hat deshalb nach eigenen Angaben seit 2007 rund 6,5 Millionen Euro in etwa 140 Demografie-Projekte gesteckt. Einige funktionieren mittlerweile ganz gut, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Als ein Vorzeigeprojekt gilt die „Große Emma“ – in Anlehnung an den sprichwörtlichen Tante-Emma-Laden. Dabei handelt es sich um ein barrierefrei ausgebautes Gebäude im Großenhainer Ortsteil Zabeltitz im Landkreis Meißen, umgeben von einem Getränkehandel und einem Lebensmittelmarkt. Dort sind mehrere Dienstleistungsunternehmen unter einem Dach vereint. Die Idee: Sie nutzen die Läden gemeinsam.

Der eine etwa ist am Montag und Mittwoch Sparkasse, Dienstag Diakonie, Donnerstag und Freitag Lohnsteuerhilfeverein. „Wir teilen Miete und Betriebskosten“, erklärt der Pressesprecher der Sparkasse Meißen, Ralf Krumbiegel. Eine eigene Filiale wäre in dem Ortsteil mit rund 1000 Einwohnern nicht mehr sinnvoll. „So aber können wir hier bleiben.“

Auf Basis einer neuartigen IT-Plattform wird aktuell die gesundheitliche Betreuung von Patienten vor allem in Ostsachsen via Telemedizin getestet. „CCS Telehealth Ostsachsen“ gilt als eines der größten Telemedizin-Projekte in Deutschland; es wird von EU und Land mit insgesamt 9,8 Millionen Euro gefördert. Der Bedarf werde zunehmen, denn in der Region gebe es immer weniger Ärzte, heißt es übereinstimmend.

Das System ist zunächst für Fälle von Herzschwäche, ambulanter Schlaganfall-Nachsorge sowie des Austausches von Gewebe-Scans unter Klinik-Fachärzten ausgelegt. „Die Software-Plattform ermöglicht die Betreuung im häuslichen Umfeld und kann erweitert werden“, erklärt Sophia Mittelstädt von Carus Consilium Sachsen. Mittels Tablet können Fachkräfte des Dresdner Herzzentrums die Daten von Herzschwäche-Patienten überwachen. Speziell ausgebildete „Casemanager“ kümmern sich um aus dem Krankenhaus entlassene Schlaganfallpatienten und halten so Kontakt zu Ärzten und Therapeuten.

Vertreter der Opposition im Landtag finden die Bemühungen der Regierung um den demografischen Wandel dennoch unzureichend. Es gebe zwar viele Pilotprojekte, ja eine regelrechte „Projektitis“, aber keine nachhaltige Strategie, kritisiert die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag, Franziska Schubert. Der Strukturwandel in den ländlichen Regionen etwa beim Braunkohleausstieg oder der Breitbandausbau komme nur schleppend voran. Der Öffentliche Personennahverkehr werde immer stärker zurückgefahren. Vor allem aber müsse die Jugendpolitik besser finanziert werden, um zu verhindern, dass eine wachsende Zahl junger Menschen aus ländlichen Regionen abwandert.

Ähnlich sieht es die Sprecherin für ländliche Räume der Linken, Kathrin Kagelmann. „Sachsen diskutiert seit vielen Jahren über den demografischen Wandel.“ Es gebe viele Studien, Publikationen, Kongresse – ohne wirkungsvoll negativen Entwicklungen gegenzusteuern. Das Schulsterben etwa habe die Lebensbedingungen für Familien auf dem Lande verschlechtert.

Der Chef der Dresdner Niederlassung des ifo-Wirtschaftsinstitutes, Marcel Thum, hat vor zehn Jahren eine Expertenkommission zum demografischen Wandel geleitet und beobachtet heute nachlassenden Anpassungseifer. Das liege nicht an fehlenden Ideen, sagt er. Sondern: „Es gibt zu wenig Handlungsdruck.“ Die Kommunen müssten sich jedoch eigentlich jetzt überlegen, welche Infrastruktur – von Straßen über das Abwassernetz bis zu Bibliotheken und der Verwaltung – sie sich in 20 Jahren noch leisten könnten. Stattdessen warteten sie ab.

dpa

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