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Geschichte der TU Freiberg: Neues Buch „Die Partei und die Hochschule“

Zäher Kampf gegen bürgerlichen Widerstand Geschichte der TU Freiberg: Neues Buch „Die Partei und die Hochschule“

Wie war das Verhältnis der Hochschulen zur DDR? Jetzt kommt eine Analyse der Situation der Bergakademie Freiberg nicht nur in den Jahren 1989/90, sondern in der gesamten Zeit seit der Befreiung vom Nationalsozialismus auf den Buchmarkt.

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Freiberg.  Opposition und Widerstand bis hin zum offenen Aufstand gegen Diktaturen tragen weltweit in der Regel auch Universitäten und besonders deren Studenten. Anders war es in der Friedlichen Revolution 1989/90 in der DDR – Universitäten und Hochschulen verhielten sich in dieser Revolution zuerst passiv, besonders die Professorenschaft stand auf der Seite der schwankenden Diktatur und die Studenten forderten erst Reformen an ihren Ausbildungsstätten, als der Niedergang der kommunistischen Diktatur bereits mit Händen zu greifen war. So war es etwa in Ost-Berlin, aber auch in Leipzig und an der Freiberger Bergakademie. Das hatte zur Folge, dass die ostdeutschen Universitäten und Hochschulen es lange vermieden, sich mit der eigenen Geschichte unter beiden deutschen Diktaturen auseinander zu setzen. Das änderte sich nur langsam, zuerst wohl in Jena, dann auch in Rostock, Leipzig und an der Berliner Humboldt-Universität. Jetzt kommt eine Analyse der Situation der Bergakademie Freiberg nicht nur in den Jahren 1989/90, sondern in der gesamten Zeit seit der Befreiung vom Nationalsozialismus dazu.

Überzeugend geling es Bertram Triebel, das Verhältnis zwischen der Hochschule und der Staatspartei SED darzustellen, wobei parallele Entwicklungen zu anderen universitären Ausbildungsstätten, aber auch eklatante Unterschiede, deutlich werden. Unmittelbar nach der Gründung der SED-Betriebsgruppe 1946 an der Bergakademie begann die Staatspartei das Ziel zu verfolgen, an dieser traditionsreichen Forschungs- und Ausbildungsstätte die Herrschaft zu erlangen. Überraschend stark war jedoch – und das ist ein Unterschied zu anderen Hochschulen – der Widerstand „bürgerlicher“ Professoren. Ungewöhnlich ist auch, dass der Freiberger Studentenrat ein Mittel der Durchsetzung des diktatorischen Herrschaftsanspruchs der Kommunisten war. Das ist ein deutlicher Unterschied etwa zum Leipziger Studentenrat unter Wolfgang Natonek.

Die SED brauchte mehr als 20 Jahre, um unangefochten an der Spitze der Bergakademie zu stehen. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Berliner Mauer, deren Bau auch in Freiberg eine durch politische Repression ausgelöste Flucht in den Westen unmöglich machte. Trotzdem gab es vereinzelt noch Kritik von Studenten und Professoren gegen Missstände an ihrer Akademie und auch in der Stadt Freiberg beziehungsweise in der DDR, die Triebel in ihrer Bedeutung aber überschätzt. Hier wäre eine tiefer gehende Analyse der Überwachung und Bekämpfung jeglicher Kritik durch die Geheimpolizei hilfreich gewesen. Ab Anfang der 1970er-Jahre beherrschte die SED die Bergakademie bis in alle Details, immer mehr „bürgerliche“ Wissenschaftler schieden aus Altersgründen aus und ihre Positionen besetzten kommunistische Nachfolger. Nicht anders war es mit der Zusammensetzung der Studentenschaft, ihr kritisches Potential näherte sich dem Nullpunkt – und das ist wiederum eine Ähnlichkeit mit anderen ostdeutschen Hochschulen beziehungsweise Universitäten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Staatspartei auch ihre innere Instabilität überwunden, und die SED baute die Bergakademie nach ihren Vorstellungen um. Die Anzahl der SED-Mitglieder unter den Wissenschaftlern und Studenten wuchs. Schließlich waren fast 90 Prozent der Professoren Mitglied der kommunistischen Partei. In diesem Zusammenhang unterschätzt Triebel den Grad der fanatischen Überzeugung unter den Angehörigen dieser Partei und überbewertet die Bedeutung einer aufgezwungenen Dis­ziplinierung. Die Macht der SED zer­bröselte ab Mitte der 1980er-Jahre auch in Freiberg, offener Protest machte sich aber an der Bergakademie erst be­merkbar, als sich die Zentralen der Diktatur in Ost-Berlin im freien Fall befanden. Damit unterschied sich die Freiberger Hochschule aber nicht von anderen akademischen Ausbildungsstätten in der DDR.

Triebel, Bertram: Die Partei und die Hochschule: Eine Geschichte der SED an der Bergakademie Freiberg. Leipziger Universitätsverlag, 2015, 277 S., 33 Euro

ISBN 978-3-86583-951-0

Von Rainer Eckert

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